Stadt will Sätze für die Kindertagespflege anheben

Von: Michael Grobusch
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Die Betreuung von Kindern in der Tagespflege soll in Stolberg ab 1. August besser bezahlt werden. Foto: Stock/Wolterfoto

Stolberg. Der Brief der Betroffenen glich einem Hilferuf: Als sich die in Stolberg in der Kindertagespflege Tätigen Ende Oktober kollektiv an den Bürgermeister wandten, formulierten sie in deutlichen Worten ihre Existenzängste.

„Die erhöhten Ansprüche durch das Kinderbildungsgesetz verlangen uns immer mehr Leistung im Berufsalltag ab“, hieß es in dem Schreiben. Und: „Für manche Tagespflegepersonen sind finanzielle Einbußen entstanden, die die Grundsicherung ihres Lebensunterhaltes gefährden und sie im schlimmsten Falle zwingen, den Beruf wegen existenzieller Schwierigkeiten aufzugeben.“

Der Appell hat nun offensichtlich Wirkung gezeigt. Denn die Verwaltung schlägt dem morgen Abend tagenden Jugendhilfeausschuss vor, die Vergütung in der Tagespflege in zwei Schritten anzupassen. „Die Betreuung in einer Kita und in der Kindertagespflege sind als gleichrangige Förderangebote eingestuft. Und in der Stolberger Betreuungslandschaft hat die Tagespflege inzwischen einen festen Platz“, unterstreicht Robert Voigtsberger die gestiegene Bedeutung der alternativen Betreuungsform. Im Kinderbildungsgesetz sei deshalb auch eine „leistungsgerechte Vergütung“ festgeschrieben.

„Der Gesetzgeber gibt jedoch keine weitere Definition an, weshalb eine große Unsicherheit über die Festlegung der konkreten Entgeltleistung herrscht“, berichtet der Erste Beigeordnete. Klar ist lediglich, was mit der Vergütung abgedeckt werden soll: der „angemessene“ Sachaufwand – von der Raummiete bis zum Reinigungsmittel –, der Betrag für die Anerkennung die gebotene Förderleistung, die Aufwendungen für die Unfallversicherung sowie die 50-prozentige Erstattung der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie zur „angemessenen“ Alterssicherung.

Nun sind nicht nur die allgemeinen Kosten gestiegen, auch der Arbeitsaufwand hat sich, nicht zuletzt wegen der mittlerweile geforderten Bildungsdokumentationen und der zu leistenden Sprachförderung, deutlich erhöht. „Gleichzeitig ist den Tagespflegepersonen gesetzlich verboten worden, zusätzliche Elternbeiträge verlangen zu können, die bis dato die leistungsgerechte Bezahlung der individuellen Arbeitsleistung gewährleistete“, bemängeln die Betroffenen in ihrem Schreiben.

Die geplante Anhebung der Leistungssätze soll dies nun kompensieren – und auch die Differenzen bei der Bezahlung ausgleichen, die durch bereits erhöhte Entgelte vor allem in Eschweiler und Würselen entstanden sind. So soll die Gefahr, dass Fachpersonal in die direkten Nachbarkommunen abwandern könnte, gebannt werden.

Nach den Vorstellungen der Verwaltung sollen die monatlichen Leistungssätze pro Kind zum 1. August 2015 verbessert werden. Die Spanne würde dann von 284 Euro (statt bisher 240 Euro) für eine ergänzende Betreuung zwischen zehn und 15 Wochenstunden reichen bis hin zu 852 Euro (statt 720) für eine Betreuung von mehr als 40 Stunden pro Woche. Vorgesehen ist zudem eine jährliche „Dynamisierung“ der Leistungen um 1,5 Prozent, die immer zum Jahresbeginn und erstmals am 1. Januar 2016 greifen soll. Sie entspricht der im Kinderbildungsgesetz festgelegten Anhebung der an die Stadt gezahlten Landespauschale pro Kind um ebenfalls 1,5 Prozent.

852.000 Euro Gesamtkosten

Die Verwaltung rechnet wegen der Änderung der Entgeltordnung, die im gemeinsamen Koalitionsausschuss von SPD und CDU bereits Zustimmung gefunden hat, mit jährlichen Mehrausgaben von gut 121.000 Euro. Der Gesamtaufwand würde somit im kommenden Jahr knapp 852.000 Euro betragen. 109.152 Euro davon übernimmt der Landschaftsverband Rheinland, der für jeden der derzeit 144 Tagespflegeplätze einen jährlichen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 758 Euro gewährt. Die Einnahmen durch Elternbeiträge belaufen sich für das Kita-Jahr 2015/16 auf 88.354 Euro.

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