Stolberg - Stadt will für Sicherheit in Atsch sorgen

Stadt will für Sicherheit in Atsch sorgen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Über diese Stelle soll sich die Verwaltung noch einmal Gedanken machen: Die ursprünglich in Höhe der Bushaltestelle Nordstraße vorgesehene Querungshilfe ist nicht mehr im Programm. 75 Prozent der Verkehrsteilnehmer fahren zu schnell auf der Sebastianusstraße. Foto: J. Lange
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Zustimmung und Anregungen: Hildegard Nießen und Horst Zimmermann von der IG Atscher Vereine.

Stolberg. Ob die Aachener Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) nun den Radfahrern in Atsch wirklich einen Gefallen getan hat, mag einmal dahin gestellt sein. Einen Radweg entlang der Landesstraße 236 wird es auf absehbare Zeit jedenfalls nicht geben.

Und auch die im Zusammenhang mit dem Lückenschluss im Radwegenetz geplante Verkehrssicherung auf der Sebastianusstraße fällt spartanischer aus. Dabei hätten Radweg, Querungshilfen & Co. in Atsch schon längst Realität sein können.

Seit Ende der 1990er Jahre bemüht sich Stolberg um Verbesserungen der Verkehrssicherheit auf der Sebastianusstraße – vor allem im Hinblick auf den geplanten Anschluss an die A 44 bei Eilendorf, aber auch aufgrund des steigenden Schwerlastverkehrs. Vertreter aller Parteien, die Verwaltung und Mitglieder des Landtags haben sich eingesetzt, um in Absprache mit dem Landesbetrieb Straßenbau als Baulastträger einen Kompromiss zu finden.

Hart und lange Jahre andauernd war das Ringen zwischen den Aspekten der zügigen Abwicklung überregionaler Verkehrsströme und den Wünschen der Anwohner. Ein Umbau der rund 2,2 Kilometer langen Straße, davon gut 1,6 Kilometer innerhalb der Ortslage, galt damals bereits als aussichtslos. Ein solches Projekt hätte in die Prioritätenliste des Regionalrates aufgenommen werden müssen und hätte angesichts des noch brauchbaren Zustands der Fahrbahn wenig Aussicht auf zeitigen Erfolg gehabt.

Eine gemeinsame Lösung fanden Stadt und Landesbetrieb im Lückenschluss des Radweges, der vor der Ortsdurchfahrt endet. Eine Sicherung für Zweiradfahrer – teils auf der Fahrbahn, teils auf den Nebenanlagen – und leichten Verschwenkungen zu Lasten des Landesbetriebs wurde kombiniert mit dem Einbau von Querungshilfen, Mittelinseln und Buskaps für 320.000 Euro zu Lasten der Stadt. Das Problem dabei: Als die Planung stand, hatten sich die Richtlinien geändert. Sie sehen nun u.a. vor, dass Schutz- oder Radstreifen nur auf der Fahrbahn zu führen sind. Ende 2001 wurden endlich die Planungen mit den Bürgern abgestimmt und gebilligt. Als im vergangenen Jahr der Landesbetrieb die Arbeiten ausschreiben wollte, stoppte die Eingabe des ADFC das Vorhaben. Im Spätsommer ordnete Minister Michael Groschek eine neue Planung an.

Die ist der Landesbetrieb angegangen und zu dem Schluss gekommen: Die Breite der Sebastianusstraße reicht nicht aus, um einen Radweg auf der Fahrbahn führen zu können. „Theoretisch könnten wir die Fahrbahn verbreitern, aber dann würden wir in Parkstreifen und Gehwege eingreifen müssen“, erklärte Bernd Egenter auf Anfrage. „Die sind aber eine Obliegenheit der Stadt“, so der Planungschef des Landesbetriebs.: „Es liegt nicht an uns“.

Aber „die Breite der Nebenanlagen der Sebastianusstraße reicht nicht durchgängig aus, um sie zugunsten eines Radweges auf der Fahrbahn schmäler machen zu können“, sagt Tobias Röhm. Auf weiten Strecken müssten dann die Parkstreifen sogar ganz entfallen. Und dies entspreche nicht den Intentionen von Verwaltung und Politik in Stolberg. Während der vergangenen Woche hat der Technische Beigeordnete mit seinen Mitarbeitern deshalb zahlreiche Gespräche mit dem Landesbetrieb geführt, um abzustimmen, was nun noch machbar ist.

„Die Stadt braucht ja die Zustimmung des Landesbetriebs, wenn wir in die Fahrbahn eingreifen wollen“, erklärt Röhm. Ergebnis sind punktuelle Maßnahmen: Der Einbau von zwei neuen und der Ausbau einer bestehenden Querungshilfe sowie eine Erneuerung von vier Bushaltestellen. 50.000 Euro Planungskosten für dieses Jahr und 270.000 Euro Baukosten für kommendes Jahr stehen im Haushalt dazu bereit. Auf seiner Sitzung am 17. Juni soll der Vergabeausschuss die Detailplanung an das auch bisher mit dem Projekt betrauten Büro vergeben. Am Montag erläuterte Röhm den Vertretern der IG Atscher Vereine, Hildegard Nießen und Horst Zimmermann, die Planungen.

Vorgesehen ist eine neue Querungshilfe oberhalb der Einmündung Goethestraße. Ausgebaut werden soll der bestehende Zebrastreifen an der Einmündung Glasstraße. Erneuert werden sollen die Bushaltestellen an der Kirche: Als Kap, so dass die Busse auf der Fahrbahn halten, vor der VR-Bank und als neue Bucht in Höhe des Spielplatzes. Gleiches gilt für die Bushaltestellen Rehgrund mit einem Kap in Fahrtrichtung Atsch und einer Busbucht in Fahrtrichtung Eilendorf. Dort ist außerdem der Einbau einer neuen Querungshilfe vorgesehen. Alle Ausbauten sollen barrierefrei erfolgen.

„Wir hätten es zwar am liebsten ganz anders“, erinnerte Nießen an die früheren und umfangreicheren Planungen, „aber wir müssen uns mit den aktuellen Gegebenheiten nun einmal arrangieren“. Wichtig sei, betonte Zimmermann, dass die Maßnahmen nun endlich auch zügig über die Bühne gingen. Zu lange warteten die Atscher Bürger nun schon auf Verbesserungen der Verkehrssicherheit.

Rund 5500 Fahrzeuge – davon 270 Lkw und Busse – passieren täglich die Sebastianusstraße. 75 Prozent davon überschreiten die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Das ergaben Messungen im Rahmen der Planungen vor vier Jahren. Mit Inbetriebnahme des Stolberger Autobahnanschlusses bei Eilendorf prognostizieren die Verkehrsingenieure eine Zunahme der Belastung auf 13.000 Fahrzeuge, davon 780 des Schwerlastverkehrs, täglich. Mit dem Planfeststellungsbeschluss für den BAB-Anschluss wird für 2016, mit einem Baubeginn im Folgejahr gerechnet.

Auch vor diesem Hintergrund baten Nießen und Zimmermann den Beigeordneten noch einmal eindringlich, über den Einbau einer weiteren Querungshilfe nachzudenken: In Höhe der Bushaltestelle Nordstraße, wo die L 236 häufig auf dem Weg zu Spielplatz und Friedhof gequert wird.

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