Stadt Stolberg ist den Hunden auf der Spur

Von: Michael Grobusch
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Wer einen Hund besitzt, muss ihn anmelden und Steuer zahlen. Leuten, die das nicht tun, will die Stadt mit Hilfe einer auf solche Fälle spezialisierten Firma auf die Schliche kommen.

Stolberg. Die Stadtverwaltung ist auf den Hund gekommen, doch das macht so manchen Bürger bissig. Denn nicht jeder Stolberger ist einverstanden mit der Vorgehensweise, die die offizielle „Hundebestandsaufnahme”, von der sich die Stadt mehr Gerechtigkeit und höhere Steuereinnahmen verspricht, so mit sich bringt. Edgar Heckmanns beispielsweise ist geradezu entsetzt.

Er hat von der Stadt am Freitag schriftlich mitgeteilt bekommen, dass er einen Hund - genau gesagt einen Dackel - hält und diesen anzumelden habe. Der Haken an der Sache: Familie Heckmanns besitzt zwar einen Vierbeiner, aber dies ist eine Katze.

Doch nicht nur das: Der im amtlichen Schreiben genau datierte Besuchstermin und das erwähnte Gespräch mit Gattin Martina hat niemals stattgefunden. „Zu diesem Zeitpunkt waren wir nachweislich in Urlaub”, schüttelt das Ehepaar den Kopf und stellt fest: „Eine solch dreiste Form der Anschuldigung und der Behauptung haben wir noch nicht erlebt.”

Ein Einzelfall? In diese Richtung tendiert zumindest die Einschätzung von Roland Gilleßen. Der Leiter des städtischen Steueramtes berichtet nur von einigen wenigen Fällen, in denen es Beschwerden aus der Bürgerschaft gegeben habe.

„Die Bestandsaufnahme läuft jetzt schon seit fast vier Wochen und betrifft insgesamt rund 20.000 Haushalte. Vor diesem Hintergrund ist die Lage aus unserer Sicht ausgesprochen ruhig.”

Von einem Einzelfall wollen die Heckmanns allerdings nichts wissen. Auch zwei Nachbarn sei ein Dackel quasi „untergeschoben” worden. „Und ein in der Nähe wohnender Apotheker hat mindestens ein Dutzend Kunden, denen ähnliches widerfahren ist.”

Besonders verärgert ist Edgar Heckmanns darüber, dass von der Firma, die im Auftrag der Stadt Stolberg unterwegs ist, offenbar auch in der Nachbarschaft Recherchen über sie angestellt worden sind.

„Das ist ja Denunziantentum”, empört sich der Venwegener - zu Recht, wenn es denn so gewesen ist, räumt Roland Gilleßen ein. Zugleich betont er aber, dass die Befragung von Nachbarn ebenso wie von Minderjährigen und Personen, die nicht unmittelbar dem jeweiligen Haushalt angehören - zum Beispiel Putzfrau oder Babysitter - vertraglich ausdrücklich ausgeschlossen wurde. „Da gibt es klare Regeln, die einzuhalten sind”, so der Amtsleiter.

Bei der Auswahl der in Aachen ansässigen Firma habe sich die Verwaltung auf „zig Referenzen aus ganz NRW und auch aus einigen Kommunen der Region” gestützt. „Das Unternehmen geht hoch professionell vor”, versichert Gilleßen, ergänzt aber auch: „Das Ergebnis steht und fällt natürlich mit dem einzelnen Befrager.”

In Venwegen habe aber nicht dieser einen Fehler gemacht, sondern die EDV-Abteilung, die die Daten der Außendienstmitarbeiter verwertet. In einer Tabelle seien Eingaben verrutscht und deshalb fälschlicherweise Anhörungsverfahren eingeleitet worden.

Dem weit verbreiteten Gerücht, dass die Befrager Provision kassieren, widerspricht Roland Gilleßen. „Sie werden pro kontaktiertem Haushalt bezahlt.” Anders verhalte es sich hingegen bei der Firma selbst, deren Erfolg sich ausschließlich nach der Erfolgsquote richte. „Das ist aber kein Problem, weil es in jeder Stadt genug Menschen gibt, die ihren Hund nicht angemeldet haben.”

150 sind bislang in Stolberg ausfindig gemacht worden, 3500 Vierbeiner waren schon vor der Bestandsaufnahme im Rathaus registriert. 72 Euro pro Jahr muss zahlen, wer einen Hund hält, für zwei Hunde werden 168 Euro fällig. Wer mehr als zwei Hunde besitzt, muss pro Tier 96 Euro an die Stadt überweisen, „gefährliche Hunde” kosten 576 Euro.

Teurer wird es für denjenigen, der auf eine Anmeldung verzichtet und erwischt wird. Für maximal vier Jahre rückwirkend kann dann die Steuer erhoben werden, zudem droht ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro.

Die Familie Heckmanns allerdings wird von solchen Maßnahmen verschont bleiben. Wie die Stadtverwaltung am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt hat, ist der Fehler zwischenzeitlich eingeräumt und das Anhörungsverfahren eingestellt worden.
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