Stolberg - Stadt sieht Alternative zu umstrittenen Stolpersteinen

Stadt sieht Alternative zu umstrittenen Stolpersteinen

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Heißes Pflaster: Ob auch in Stolberg so genannte Stolpersteine verlegt werden sollen, wird heiß diskutiert. In zahlreichen anderen Städten wurden sie längst in den Boden eingelassen. Unser Bild zeigt Stolpersteine in der Münchner Mauerkircher Foto: Johannes Simon/ddp

Stolberg. „Gegen das Vergessen” soll das Projekt heißen, das der Ausschuss für soziale Angelegenheiten, Kultur und Sport nach dem Willen der Verwaltung am Dienstag in seiner Sitzung auf den Weg bringen soll. Es ist ein Projekt, das schon im Vorfeld für reichlich Diskussionen sorgt.

Bereits Anfang 2009 hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt, dass zukünftig in der Altstadt zwischen Sonnentalstraße und Burgstraße so genannte Stolpersteine an die 19 Juden, die dort lebten und durch das Naziregime den Tod fanden, erinnern sollen.

Vorbild sollte das Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig sein, der 1995 die ersten „Stolpersteine gegen das Vergessen” installiert hatte. Und zwar direkt vor den ehemaligen Wohnhäusern oder Arbeitsstätten der Opfer. Bislang gibt es in ganz Europa über 500 Kommunen, die sich für Stolpersteine entschieden haben.

Allerdings löst dieses Projekt auch viele kontroverse Diskussionen aus. So bezeichnete es Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden, als „unerträglich”, die Namen ermordeter Juden auf Bodentafeln zu verewigen, auf denen mit „Füßen herumgetreten” werde, die vielleicht sogar bespuckt oder mit Kaugummis verklebt werden.

Für viele Kommunen war das ein Anlass, das Projekt abzulehnen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Stolberg die Positionen des Zentralrates der Juden in Deutschland, der Jüdischen Gemeinde Aachen sowie des Stolberger Bündnisses gegen Radikalismus eingeholt.

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan J. Kramer, ist ganz anderer Meinung als Charlotte Knobloch und steht den Stolpersteinen durchaus positiv gegenüber - genau wie die Jüdische Gemeinde Aachen. Kramer sagt, „dass die Aktion zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus führt und Geschichte so für die Menschen erfahrbar und nachvollziehbar wird.”

Baum der Toleranz

Das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus vertritt hingegen die Auffassung, dass eine Idee nicht weiter verfolgt werden sollte, sobald die Gefühle auch nur eines Menschen verletzt werden. Also was tun? Das Bündnis schlägt eine andere Form des Erinnerns an die Opfer vor. Gedacht wird zum Beispiel an den „Baum der Toleranz” vor dem Rathaus.

Dort könnten die Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürger und weiterer Verfolgter angebracht werden - auf Augenhöhe, und eben nicht auf dem Fußboden. Bei der Verwaltung ist dieser Vorschlag auf Zustimmung gestoßen. Und um Zustimmung wirbt die Verwaltung deshalb jetzt auch bei der Stolberger Politik.

Bleibt nur noch ein letztes Problem: die Finanzierung - in Zeiten klammer Kassen ein großes Problem. Daher schlägt die Verwaltung vor, zur Umsetzung des Projekts eine Arbeitsgemeinschaft „Gegen das Vergessen” zu gründen. Vertreter des Bündnisses gegen Radikalismus, interessierte Bürger sowie weitere Gruppen und Organisationen (beispielsweise Kirchen, Heimat- und Geschichtsvereine, Stadtmarketing) sollen zusammenfinden und das Projekt umsetzen.

Für die Stadt ist dabei wichtig, dass die Kosten über Sponsoren abgedeckt werden. Wie in vielen anderen Fällen gibt es auch hier den Hinweis auf die drohende Überschuldung und die Vorgaben des Haushaltssicherungskonzeptes, das freiwillige Ausgaben in der aktuellen Situation nicht erlaubt.
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