Stolberg - Stadt eröffnet ersten inklusiven Jugendtreff

Stadt eröffnet ersten inklusiven Jugendtreff

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
10662724.jpg
Noch sind Kicker und Billardtische unberührt. Ab Donnerstag sollen hier Jugendliche mit und ohne Handicap an zwei Tagen im Monat gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Foto: Annika Kasties
10662695.jpg
Die Kokobe-Mitarbeiterin Tina Elsen freut sich auf den ersten inklusiven Jugendtreff in Stolberg. Foto: Annika Kasties

Stolberg. Es ist ein schönes Wort, Inklusion. Und eine noch bessere Idee. Dem will Tina Elsen nicht widersprechen. Doch an der Umsetzung der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung an der Gesellschaft hapere es bisweilen noch gewaltig.

Die Sozialarbeiterin weiß, wovon sie spricht. Seit Jahren berät sie in Stolberg und Eschweiler an der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung (Kokobe) Männer und Frauen, deren Alltag durch ein Handicap erschwert wird.

„Inklusion ist in aller Munde, aber gelebt wird sie noch nicht“, lautet Elsens ernüchterndes Resümee. Ein Beispiel dafür sei in Stolberg die Freizeitgestaltung. Menschen mit Handicap haben in der Kupferstadt nur wenige Möglichkeiten, sich außerhalb von der Schule und der Arbeit zu treffen. Angebote, die sich speziell an Menschen mit Handicap richten, sind Elsen nicht bekannt. Für Jugendliche sehe die Situation besonders mau aus. Das soll sich ändern. Damit Inklusion nicht nur eine leere Phrase auf den Fahnen der Politik bleibt, sondern auch gelebt wird, soll nun ein inklusiver offener Jugendtreff für Abhilfe sorgen.

Der Kicker und der Billardtisch stehen bereit, die Musikanlage wartet auf ihre Wiedergabeliste und die Theke lädt zum Getränk. Einzig die Jugendlichen fehlen noch, um dem Treff am Breiniger Berg 93 Leben einzuhauchen. Schon am Donnerstag soll hier ein anderes Bild herrschen. Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat sollen Jugendliche mit und ohne Handicap zwischen 14 und 21 Jahren zusammenkommen, um gemeinsam zu spielen, zu kochen und das zu tun, was Jugendliche eben machen – abhängen.

Die Betreuung übernehmen abwechselnd Anja Schmidt von der Caritas Lebenswelten und Rita Fehr vom Stolberger Agnesheim vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Auch Tina Elsen wird immer mal wieder vor Ort sein. Eine Aufsichtspflicht können die Frauen jedoch nicht übernehmen. Elsen weist deshalb explizit auf den „offenen“ Charakter des Jugendtreffs hin. „Die Jugendlichen können kommen und gehen, wann sie möchten. Ihre Anwesenheit können wir nicht kontrollieren. Wenn das Eltern zu unsicher ist, können sie aber natürlich beim Jugendtreff dabei sein“, sagt Elsen.

Für die Sozialarbeiterin ist die Etablierung des ersten inklusiven Jugendtreffs in Stolberg ein wichtiger Schritt. Kinder und Jugendliche bräuchten heute mehr denn je Räume, in denen sie sich individuell entfalten und entwickeln können. Elsen und ihre Mitstreiter hoffen zudem, mit dem Jugendtreff Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen. Noch immer sei die Hemmung von Menschen mit Handicap groß, reguläre Treffs und Freizeitangebote zu nutzen. Mit einem vergleichbaren inklusiven Treffen in Eschweiler – dort jedoch für Erwachsene – hat die Sozialarbeiterin bereits gute Erfahrungen gemacht. Nun hofft sie, dass das Angebot von den Jugendlichen angenommen wird.

Elsens Ziel ist, dass der Treff sich nach einiger Zeit zum Selbstläufer entwickelt und ihn die Jugendlichen irgendwann eigenverantwortlich führen können. Sei es bei der Organisation eines Discoabends oder beim Thekendienst, den die Jungen und Mädchen auf lange Sicht selbst übernommen sollen. Auch eine Kooperation mit der Fachschule für Heilpädagogik des Stolberger Berufskollegs kann sie sich vorstellen. Den Kontakt möchte sie demnächst herstellen.

Damit am Breiniger Berg tatsächlich Jugendliche mit und ohne Handicap zusammentreffen, setzt Elsen auf die Zusammenarbeit mit Michael Bosseler vom Jugendamt der Stadt Stolberg. Mit ihm sei im vergangenen Mai die Idee entstanden, den inklusiven Jugendtreff zu gründen. Auch mit Gundula Brüggenwirth, Schulleiterin der Regenbogenschule, steht Elsen in regem Kontakt. „Der Treff in Eschweiler ist mittlerweile inklusiv. Natürlich dauert das seine Zeit, doch es muss nur ein Jugendlicher vorbeikommen und es toll finden, dann ergibt sich alles Weitere wie von selbst.“ Dass beide Seiten von Inklusion nur profitieren können, steht für die Sozialarbeiterin außer Frage. „Ich glaube, in keinem anderen Bereich ist so viel Herzlichkeit vorhanden, wie im Bereich der Behindertenarbeit. Es ist einfach toll mitzubekommen, wie Menschen mit Handicap ihr Leben trotz ihrer Einschränkung meistern“, betont sie.

Ab Donnerstag soll dies auch beim Kokobe-Treff zu spüren sein. Lediglich ein Name für den Jugendtreff fehle noch. Doch den, findet Elsen, sollten die Jungen und Mädchen selbst aussuchen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert