Stolberg - Stadt bereitet sich auf mehr Flüchtlinge vor

Stadt bereitet sich auf mehr Flüchtlinge vor

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Ein solches Szenario will Stolberg vermeiden: Am 16. Oktober 2012 werden 105 Flüchtlinge mit Bussen zur THW-Unterkunft an der Oststraße gebracht, wo sie in Containern untergebracht werden. Erst am Vortag war über ihre Ankunft informiert worden. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Stolberger Wohnungs-Genossenschaft (WoGe) unterstreicht ihr soziales Engagement in der Kupferstadt. Die Stadt möchte mit der vor 115 Jahren gegründeten Genossenschaft ein Kooperationsabkommen schließen, um bei Bedarf Flüchtlinge unterbringen zu können. Im Rahmen dieser Kooperation soll die Verwaltung bei Bedarf und Verfügbarkeit bis zu 25 Wohnungen anmieten können.

Der Stadtrat muss über den Vertrag noch befinden auf seiner Sitzung am 20. Januar.

345 Menschen aufgenommen

„Die angestrebte Kooperation ist ein immanent wichtiger Baustein der vorausschauenden Planung zur angemessenen und dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen in der Kupferstadt“, würdigt Beigeordneter Robert Voigtsberger das flexible Entgegenkommen der WoGe. „Das ist eine ganz tolle Sache, dass uns in Stolberg dieser Schulterschluss gelingt.“ Derzeit steigt das Flüchtlingsaufkommen in Stolberg analog zu anderen Kommunen dramatisch an, sagt Voigtsberger. Die städtischen Unterkünfte an der Wiesenstraße und am Kelmesberg seien an den Grenzen ihrer Kapazität angelangt. Weihnachten bot die Kupferstadt 340 Flüchtlingen eine neue Heimat; am Donnerstag waren es 345; und morgen können weitere Menschen der Stadt zugewiesen werden.

Die Bezirksregierung Arnsberg, die die eintreffenden Flüchtlinge den Kommunen zuweist, habe zum Jahreswechsel nochmals auf weiter steigende Flüchtlingszahlen hingewiesen. Nur über die Akquise weiteren Wohnraums könne die Stadt eine Entlastung erreichen, so dass die Betroffenen von den beiden Übergangswohnheimen in angemietete Wohnungen vermittelt werden könnten.

„Die WoGe bietet in diesem Zusammenhang ihre Unterstützung an“, freut sich Voigtsberger über das soziale Engagement. Damit werde ebenso der Notwendigkeit der momentan dringend gebotenen Akquise von Wohnraum Rechnung getragen wie sich die Stadt der politischen Forderung nach einer dezentralen Unterbringung weiterhin schrittweise annähre.

Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist eine soziale Betreuung der Flüchtlinge insbesondere bei ihrem Einzug, aber auch während der ersten Jahre ihres Mietverhältnisses. Details der Vereinbarung wollen die WoGe und die Stadt am Tag nach der Ratssitzung ausführlich erläutern.

Über dieses Potenzial hinaus soll der Stadtrat den Bürgermeister befristet bis Ende diesen Jahres bevollmächtigen, zeitlich befristete Einzelmietverträge auf dem freien Markt abschließen zu können, um Flüchtlinge unterbringen zu können. Die Kosten für diesen Wohnraum müssen sich dann an den Richtlinien der Städteregion zum Sozialgesetzbuch orientieren. Über abgeschlossene Verträge wird der Stadtrat dann in der nächst folgenden Sitzung informiert. Zuletzt auf seiner Sitzung im Dezember hatte der Rat der Anmietung einer Wohnung zur Unterbringung von Flüchtlingen im Bereich Frankental zugestimmt.

„Die Erfahrung zeigt, dass bei dem Abschluss von Mietverträgen überwiegend tagesaktuelle Entscheidungen notwendig sind“, erläutert Voigtsberger weiter. Mit einer solchen Vollmacht könne der Verwaltungschef bei Bedarf aktuell handeln und wäre nicht an Sitzungstermine oder Dringlichkeitsentscheidungen gebunden.

Der Erste Beigeordnete betont aber auch, dass diese Maßnahme nur vor dem Hintergrund der derzeitigen Notsituation getroffen werden solle und daher auch befristet ausgelegt ist.

Zwei Busse am nächsten Tag

Mit diesen Maßnahmen ist die Kupferstadt bemüht, auch eine kurzzeitige zentrale Unterbringung bei plötzlichen Zuweisungen zu verhindern. „Wir arbeiten jeden Tag daran, ein solches Szenario erst gar nicht entstehen zu lassen“, sagt Voigtsberger.

Ein solches Szenario war vor gut zwei Jahren plötzlich in Stolberg entstanden: Am 16. Oktober 2012 mussten auf dem Gelände des THW an der Oststraße rund 100 Flüchtlinge kurzzeitig in Zelten und Container untergebracht werden. Der Landesverband des Hilfswerk hatte damals der Landesregierung zwar seine Hilfe bei der Unterbringung von Flüchtlingen, die seinerzeit vor allem vom Balkan und aus Syrien kamen, angeboten, allerdings erfuhren der Stolberger Ortsverband des THW und die Stadtverwaltung erst am Vortag, dass die Asylbewerber ab dem Mittag eintreffen würden. Zwei Tage später wurden die Betroffenen aus der Übergangsunterkunft an der Oststraße wieder auf andere Städte im Land verteilt.

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