Stadt: Anlieger tragen Verantwortung

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
wetterbild-quer
Schneelast gemessen: Weil die weiße Masse auf dem Dach nicht zu schwer ist, öffnet das Hallenbad Glashütter Weiher heute wieder.

Stolberg. Es gibt, sagt der städtische Fachbereichsleiter Josef Braun mit Blick aus dem Fenster, einfach keine Patentrezepte, wie man mit so außergewöhnlich viel Schnee umgeht. Braun sitzt in seinem Büro im Rathaus an diesem Montagmittag, doch den Vormittag hat er schon wieder größtenteils draußen verbracht.

Zum Beispiel vor dem Hallenbad am Schafberg, wo städtische Mitarbeiter gemeinsam mit der Feuerwehr die Schneelast auf dem Hallendach gemessen haben - mit erfeulichem Ergebnis: Das Bad - wie alle städtischen Gebäude mit Flach- oder nur leicht schrägem Dach seit Heiligabend gesperrt - ist ab heute wieder geöffnet. Mit 60 kg pro Quadratmeter liegt die weiße Schicht auf dem Dach deutlich unter der angesetzten Last von 75 kg. Ist diese anderswo überschritten, so müssen betroffene Gebäude gesperrt bleiben und die Dächer eventuell geräumt werden. Entwarnung kann noch nicht gegeben werden, auch wenn laut Braun derzeit kein städtisches Gebäude akut einsturzgefährdet ist. Feuerwehr und Hochbauamt sind seit Montag überall unterwegs, um Schneelasten zu messen, ab morgen Mittag soll es zur Info im Internet eine Liste mit alle gesperrten Gebäuden geben ( http://www.stolberg.de ).

Gut Hassenberg abgestützt

Betroffen sind natürlich auch private Gebäude - und verantwortlich deren Besitzer, so Braun. Montag Vormittag rückten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) erneut aus, weil ein Hallendach am Reithof Gut Hassenberg einzuknicken drohte, es konnte rechtzeitig abgestützt werden.

Bei beiden Einrichtungen steht das Telefon ohnehin schon kaum still. „Die Leute rufen an und bitten uns, ihre Dächer vom Schnee oder Dachkanten von Eiszapfen zu befreien”, sagt Wolfgang Geicht, Ortsbeauftragter des THW. Ähnliches erlebt seit Tagen auch die Feuerwehr. „Wir müssen den Leuten dann erklären, dass das kostenpflichtig ist”, so Geicht. Zudem sei das THW aus technischen und Personalgründen dazu gar nicht in der Lage.

Auch bei der Stadt klingeln die Telefone ununterbrochen. Tenor: Ein bisschen Lob, aber viel Kritik. „Die Anrufer sind oft aggressiv”, erklärt der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Hans Maassen, der häufig genug auch seine eigenen Mitarbeiter beruhigen muss, wenn sie mit Kritik und teilweise auch Drohungen überschüttet werden. Bürger beschweren sich über nicht geräumte Straßen, über Räumfahrzeuge, die zu schnell unterwegs seien und Schnee auf den Bürgersteig schmeißen, oder über Gefahrenstellen, die beseitigt werden sollen.

Doch Josef Braun wirbt um Verständnis: „Der Schneepflug braucht eine gewisse Geschwindigkeit, sonst funktioniert die Räumung nicht”, sagt der Fachbereichsleiter. Dass dann mal Schnee auf den Gehweg fliegt, das sei halt Pech. Und teilweise - zum Beispiel in der Mittelstraße - kommen die Räumfahrzeuge nicht durch, weil Autos aufgrund der aufgeschütteten Schneehügel am Rand auf den Fahrspuren parken.

Deshalb auch der Appell von Hans Maassen: „Wir bitten die Leute, ihre Autos vernünftig wegzusetzen, damit die Räumfahrzeuge durchkommen.” Der Winterdienst nimmt sich zuerst der Hauptverkehrsadern an, und prompt gab es Montagmorgen Probleme auf der Rathausstraße: „Manche Autos stehen so kreuz und quer, dass der Verkehr nicht mehr dran vorbei kommt.”

Einen Plan, den Schnee an den Straßenrändern irgendwie zu entsorgen, um Platz zu schaffen, gibt es nicht. Zu teuer, zu aufwändig, sagen Braun und Maaßen, die sich beide gegen die Erwartungshaltung wehren, die Stadt müsse alles richten. Die Stadt habe den Winterdienst laut Ratsbeschluss nur auf Hauptdurchfahrts-, Buslinien- und gefährliche Straßen, bei allen anderen seien die Anlieger gefragt.

„Wenn wir das kapazitätsmäßig schaffen, tun wir das auch dort, aber im Moment kriegen wir gerade unsere eigenen Straßen hin”, sagt Braun und verweist auf die Kollegen des Bauhofs, die seit zweieinhalb Wochen jeden Tag ab 5 Uhr morgens auf den Beinen seien. „Die sind an Heiligabend abends gefahren, als andere schon längst unterm Christbaum saßen.”

Hans Maassen hofft angesichts der besonderen Situation auf gegenseitiges Verständnis: „Wir können nur appellieren, diesen Winter in einem Miteinander zu bewältigen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert