Stadion Glashütter Weiher: Wald erobert Sportanlagen

Von: Jürgen Lange
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Sie sehen aus wie historische Kanonenkugeln in einem Keller der Burg. Aber es sind die rostigen Wettkampfgeräte der Stolberger Kugelstoßer, die unter der Tribüne des Stadions eingelagert sind. Die Treppenstufen sind nicht dicht, Wasser tropft stetig von der Decke. Foto: J. Lange
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„D‘r Bösch“ wächst ins Stadion: Von der Aschen-Laufbahn unter dem dichten Moosbelag ist nichts mehr zu sehen. Rechts der Stankette führte einst ein Weg rund um die Bahn. Er ist völlig zugewachsen und unbenutzbar.

Stolberg. Es ist alles noch viel schlimmer als gedacht. Um das Stadion Glashütter Weiher wieder in einen ansehnlichen und sportlich attraktiven Zustand zu versetzen, müsste weit mehr geschehen, als die Stadtverwaltung das bereits für dieses und nächstes Jahr vorgesehen hat.

Die Sanierung der Umkleiden und Sanitärbereiche unter den Tribünen soll zuerst erfolgen. Außerdem will die Verwaltung kalkulieren, was eine Sanierung des Rasenplatzes und der 400-Meter-Laufbahn kostet, um entsprechende Mittel für den Haushalt 2018 anzumelden.

Doch was Koalitions- und Verwaltungsspitzen im Rathaus am Kaiserplatz angesichts von Finanzen und weiterem Sanierungsbedarf an städtischen Sportanlagen als praktikablen Weg gefunden haben, mag angesichts der Lage vor Ort zu kurz gegriffen sein. Frank Dondorf vom FC Stolberg und Ruth Püttgen, Fachwartin Leichtathletik beim Stadtsportverband, vermittelten auf Einladung des SPD-Ortsvereins Nord-Süd bei einem Rundgang ein eher erschreckendes Bild der Lage.

„Dabei hat die Entwicklung der Kunstrasenanlagen den Leichtathleten zunehmend Trainingsraum genommen“, gesteht Fußballer Dondorf ein. In Vicht und an der Stadtrandsiedlung existieren sie nicht mehr, oder nur noch so marginal, dass sie nicht genutzt werden. „Es ist für alle schade, dass es den Leichtathletik-Club Mausbach, der in Vicht trainierte, nicht mehr gibt“, sagt Ruth Püttgen, die Leiterin der LG Stolberg, in der die Stolberger TG und der Stolberger TV ihr Leichtahtletik-Angebot bündeln. „Die nächsten gut funktionierenden Leichtathletik-Stadien befinden sich in Aachen und in Dürwiss“, so Püttgen weiter: „Und dazwischen vielleicht in Stolberg...“.

Das Stadion Glashütter Weiher war einst eine renommierte, und könnte eine attraktive sowie nachgefragte Stätte für Leichtathleten sein. Doch dafür müsste die Infrastruktur wieder auf Vordermann gebracht werden. Jahrlang wurden Pflege und Instandhaltung vernachlässigt. Das hat sichtbare Spuren hinterlassen.

Selbst die vor vier Jahren angelassenen Sanierungen waren bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Diskus-Anlage kann nur im trockenen Sommer genutzt werden, weil anderenfalls der Fußballrasen zu sehr leiden würde. „An Hammerwerfen ist erst gar nicht zu denken“,

Und die Asche am Abwurfkreis macht den Athleten keine Freude. Den Betrieb der Stabhochsprunganlage hat die LG Stolberg eingestellt. Auf dem Tartan der Hochsprunganlage steht das Wasser. Das Öffnen der massiven Abdeckung ist nur in Mannschaftsleistung möglich. Der Tartan der Weitsprunganlagen ist pflegebedürftig. „Und wer die Laufbahn nutzt, hat nur die Wahl zwischen Matsch oder Moos“, sagt Ruth Püttgen.

Ein Rundgang verdeutlicht die Brisanz der sportlichen Lage. Seitenkanten der Laufanlage sind kaum sichtbar; die Natur hat sie für sich erobert. Mangels funktionierender Abläufe und Drainage stehen überall Pfützen. Ein dichter Moosbelag lässt vielerorts das Rot der Asche nicht einmal erahnen. Die Asche stammt in ihren Grundzügen aus Eröffnungszeiten vor 40 Jahren, Anfang dieses Jahrhunderts gab es eine neue Deckschicht.

„Wenn man die Laufbahn anpacken will, dann muss eine komplett neue Entwässerung her“, meint Frank Dondorf, der sportlich gesehen im Stadion groß geworden ist – vom Junior-Kicker beim SC Münsterbusch über die Seniorenteams bis zum Trainer des FCS. „Mit unserer Jugend können wir nur eingeschränkt den Rasenplatz benutzen“, sagt Dondorf: „Die Verletzungsgefahr durch tiefe Dellen ist viel zu groß“.

Vor zwei Jahren haben sich die Rot-Grünen die Wiese neben der Beachvolleyball-Anlage als kleinen Trainingsplatz aufbereitet. Dass der Rasenplatz „desolat“ ist, hatte bereits die Begehung von Stadt, Stadtsportverband und Verein dokumentiert.

Theoretisch besteht ein Verbindungsweg zwischen Sporthalle und Stadion. Er ist zugewachsen, Weg und Treppenstufen sind marode. Es existiert auch eine Fluchttüre aus der Sporthalle. Sie mündet aber im dichten, verwilderten Gestrüpp am Rande des Stadions. „Da war einst der Haupteingang des Stadions mit einem Kassenhäuschen“, sagt Dondorf und zeigt auf einen kleinen Wald vor den rappeligen Stahltüren nahe dem Parkplatz am Pfarrer-Karl-Scheidt-Weg.

Diese einst schmucke Pforte musste vor vielen Jahren aufgegeben werden. Ungezügelt und wenig attraktiv hat sich der eigentlich der Zierde dienende Bewuchs ausgebreitet. Auch hier ziert dichtes Moos den früheren Plattenbelag, der nur noch zu erahnen ist. Vor lauter Ästen ist auch die kleine Tribüne an der Weitsprunggrube nicht mehr zu nutzen.

Und der Weg, der einst rund um das Stadion führte, ist in der Kurve am Schafberg Bestandteil der Flora geworden. Dort kann niemand mehr an der Anlage vorbei flanieren. Und wie die weitere Zukunft der Altlastenhalde in der Spitze von Rasen- und Kunstrasenplatz aussehen soll, steht in den Sternen: „Das ist nur gefährlich“, sagt Dondorf. Vorgesehen war, sie beim Kunstrasenbau abzutragen. Das war aufgrund der Deponierung der hochkomplexen Inhalte zu teuer.

Zumindest für dieses Jahr auf die To-do-Liste gesetzt hat sich die Stadt die Sanierung von Duschen und Umkleiden unter der Tribüne. Das soll zwar zuletzt vor zehn Jahren schon einmal geschehen sein, aber der heutige Zustand zeigt, wie notwendig die Maßnahme ist. Direkt unter den Stufen der Tribüne befinden sich Lagerräume für Bälle und Wettkampfgeräte.

Sie werden von den Sportvereinen für möglichst wenig Gerät genutzt: Wasser tropft von der Decke, Schimmel bildet sich, die Gerätschaften verkommen. Die eingelagerten Weitwurfkugeln haben den Charme verrosteter Kanonenkugeln, wie man sie eher auf der Burg vermuten würde. „Die Tribüne muss überdacht werden“, sagt der alt gediente Sozialdemokrat Rolf Engels und erinnert sich. „So war das früher auch geplant gewesen.“ Denn die der Witterung ausgesetzten Betonstufen sind nicht nur wasserdurchlässig, sie sind zusehend verrottet.

Es gibt Perspektiven für eine zunehmende Nutzung des Stadions durch Leichtathleten, berichtet Ruth Püttgen. Heute trainieren gut 220 Mitglieder der LG Stolberg regelmäßig leistungsgerecht. Zudem besteht eine Läuferequipe und zwei Jugendgruppen mit 70 Mitgliedern. Zur Sportzeichenabnahme bereitet der Stadtsportverband die Teilnehmer am Glashütter Weiher vor. Die Handballer des Stolberger SV nutzen im Sommer die Arena fürs Training wie Freizeitsportler. Anwärter für Feuerwehr und Polizei stärken hier ihre Kondition.

„Und immer wieder bereiten sich viele vereinsungebundene Läufer parallel zu unserem Training auf ihre Wettbewerbe vor“,berichtet Ruth Püttgen. Bei einer Tagung des Regiosportbundes wurde ihr die Abnahme des Sportabzeichens für Behinderte in dem Stolberger Stadion angetragen. „Wenn ich mich hier so umschaue, glaube ich nicht, dass das eine gute Idee ist“. Eine Barrierefreiheit ist nicht wirklich gegeben.

Nachdenklich endete auch für die Politiker die Besichtigungsrunde. „Ich glaube, wir haben jede Menge Gesprächsstoff für die Koalition“, sagt Rolf Engels.

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