Stolberg - Staatsanwalt legt Ehemann Mord zur Last

Staatsanwalt legt Ehemann Mord zur Last

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Schauplatz Stolberg-Münsterbusch: Eine schwangere 18-Jährige wurde dort am Montag tot aufgefunden. Foto: Lange

Stolberg. Die Festnahme des Ehemanns erfolgt in Köln zu später Stunde am Montagabend. Nachdem seine getötete Frau in der gemeinsamen Wohnung in Münsterbusch aufgefunden worden war, hatte sie des 21-Jährigen zunächst nicht habhaft werden können.

Bekannte hat er in der Domstadt nach Informationen unserer Zeitung besucht, bevor die Beamten den zu dieser Zeit noch dringend Tatverdächtigen ergriffen.

„Wir haben einen Hinweis bekommen”, sagt Oberstaatsanwalt Robert Deller. Aber der Stolberger habe nicht versucht, sich in die Türkei abzusetzen. Inzwischen ist er geständig.

Bei den Vernehmungen am Vormittag gibt er zu, die 18-Jährige erwürgt zu haben, erklärt der Pressesprecher der Aachener Staatsanwaltschaft. Auch die Obduktion der im vierten Monat schwangeren Frau bestätigt den ersten Eindruck der Auffinde-Situation.

Als der Onkel den Leichnam unter einer Decke in der Wohnung an der Cockerillstraße entdeckte, blickte er in ein angelaufenes Gesicht, sah Würgemale am Hals und einen Schal. Einen Pulsschlag konnte er am frühen Nachmittag schon nicht mehr spüren.

Familie versucht zu schlichten

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden in Deutschland geborenen jungen Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit muss gegen drei Uhr in der Nacht in der Wohnung auf der ersten Etage des Neunfamilienhauses eskaliert sein.

Nachbarn berichten den Angehörigen, zu dieser Zeit eine lautstarke Auseinandersetzung vernommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hält sich bei diesen Punkten bedeckt. „Aus ermittlungstaktischen Gründen”, erklärt Deller. Auch beim Motiv für die Tat hält sich die Staatsanwaltschaft zurück bis auf die Tatsache, dass ihr ein Streit voranging. Als dann die 18-Jährige erklärte, ihren Ehemann verlassen zu wollen, erwürgt der die Schwangere.

Haftbefehl wegen Mordes hat die Staatsanwaltschaft beantragt. „Es gibt einige Umstände, die dies begründet erscheinen lassen”, sagt Deller zu dieser juristischen Abwägung. „Alles Weitere müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.”

Bestätigen kann Deller allerdings, dass der Ehemann einschlägig als gewalttätig bekannt ist. Mehrfach gab es Streit bei dem Ehepaar, mehrfach musste die Polizei eingreifen, berichtet die in Mörfelden bei Frankfurt erscheinende türkischsprachige Tageszeitung „Sabah” in ihrer heutigen Ausgabe. Der junge Mann habe Alkoholprobleme gehabt; sie seien Anlass für immer wiederkehrende Auseinandersetzungen gewesen.

Während ihrer Ausbildung in der Lebensmittelbranche in Aachen lernt sich das Paar kennen. Ihre in Weisweiler lebende Familie ist nicht sonderlich erfreut über die Beziehung. Als die 18-Jährige schwanger wird, bricht sie die Lehre ab und reist mit dem 21-Jährigen nach Izmir, wo seine Familie herstammt.

Dort heiraten sie vor vier Monaten standesamtlich, kehren zurück und beziehen die Wohnung in Stolberg. Jetzt akzeptieren ihre Eltern - das Opfer hat auch zwei Schwestern und einen Bruder - die Verbindung. Vor zwei Monaten wird in Aachen traditionell Hochzeit gefeiert.

Die Familie versucht, im immer wieder aufkeimenden Streit zwischen den Ehepartnern zu vermitteln. Zuletzt am Tag vor der Tat. Als am nächsten Morgen die sorgenvolle Mutter ihre Tochter telefonisch nicht erreichen kann, fährt sie mit ihrem Bruder zu der Wohnung an der Cockerillstraße. Als sich kein Laut rührt, bricht der Onkel die Tür auf und findet den Leichnam seiner Nichte.

Die Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch und muss ebenso wie die später eintreffenden Geschwister und der von seiner Arbeitsstelle herbei eilende Vater am Nachmittag medizinisch bzw. von einem Notfallseelsorger betreut werden.
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