Spurensuche endet in Gressenich: Fotoalbum kehrt ins Rheinland zurück

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Der deutsche Soldat ist Peter
Der deutsche Soldat ist Peter Engels aus Gressenich. Carl R. Kaczmarek senior hatte das Album mit in die USA genommen. Dessen Sohn übergab es dem Eschweiler Geschichtsverein, der Engels Sohn Ludwig und Tochter Brigitte ausfindig machte. Repros: Reiner Sauer

Stolberg/Eschweiler. Ein Album mit Fotos aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Familienfeste, Ausflüge an die Mosel. Ein Album, das der 54-jährige Carl Kaczmarek aus Lindenhurst, USA, im Nachlass seines Vaters fand, und das nun zurückgegeben werden soll an jene Familie, deren Bilder in dem Album zu sehen ist.

Carl Katzmareks Vater, der 1915 in Krakow geborene Carl R. Katzmarek senior, dessen Familie 1917 in die USA auswanderte, hatte im Zweiten Weltkrieg als Sergeant an mehreren Fronten gekämpft. Er wurde zweimal verwundet und hoch dekoriert. Unter anderem nahm er an Kämpfen in Nordafrika, in der Normandie und um Aachen teil. Wie und wo er an das Fotoalbum kam, ist nicht bekannt. Vielleicht hat er es 1944 in einem zerstörten Haus gefunden und als Andenken mitgenommen.

Über seine Zeit in Deutschland habe sein Vater nie gesprochen, sagt Carl Kaczmarek junior, und die Bilder in dem Fotoalbum selbst gaben zunächst keine eindeutigen Hinweise auf die früheren Eigentümer. Doch es lagen einige Postkarten lose in dem Album, und die waren alle adressiert an Peter Bündgens in Nothberg. Über das deutsche Konsulat in Chicago fand Carl Kaczmarek zum Eschweiler Geschichtsverein. Dort stürzte sich Reiner L. Sauer vom Arbeitskreis 7 „Familienforschung” in die Recherche.

Es schien zunächst einfacher als gedacht. Die Familie Bündgens wohnt heute noch im selben Haus in Nothberg. Sauer fuhr hin, zeigte die alten Bilder - und kam mit einem langen Gesicht zurück: Die Schwiegertochter von Peter Bünd­gens kennt keine einzige der Personen in dem Album. Die ursprünglichen Besitzer des Albums und der Empfänger der Ansichtskarten sind nicht identisch. „Müssen wir eben von vorn anfangen”, sagte sich Reiner Sauer und stellte einen Beamer-Vortrag für den Arbeitskreis „Familienforschung” zusammen: „Von Noth­berg nach Lindenhurst und zurück”. Zwar erkannten die Mitglieder des Arbeitskreises auch niemanden, aber sie sammelten eifrig Indizien.

Zu diesem Zeitpunkt galt es festzuhalten: Das Album stammt nicht unbedingt aus Eschweiler, aber mit großer Wahrscheinlichkeit aus der hiesigen Region. Ein kleiner Aufkleber belegt, dass es in Aachen gekauft worden ist, bei Weyers-Kaatzer in der Kleinmarschierstraße. An einer Stelle - das Foto dazu ist nicht mehr vorhanden - steht der Bildvermerk „Fortuna Gresse­nich”: „Das könnte sich auf einen Radfahrclub beziehen”, sagt Sauer. Die Fotos in dem Album sind beschriftet und mit Jahreszahlen versehen. Sie stammen aus der Zeit vom Sommer 1928 bis zum Dezember 1936. Das einzige exakte Datum ist „Vaters Begräbnistag 25. Juni 1933”. Familienbilder und Fotos von Ausflügen, eventuell auch Firmenausflügen, sind in der Überzahl. Ein Bild zeigt eine Mädchen-Berufsschulgruppe 1931, es gibt Fotos von Daun in der Eifel, von der Ahr, vom Stauweiher in Aachen. Über einigen steht „Unsere lustige Moseltour 1934”. Viele Fotos fehlen, andere sind beschädigt. Es gibt Stellen, an denen Bilder entfernt und andere an deren Stelle geklebt wurden. Möglicherweise spiegeln sich darin Veränderungen in der Familie wider. Vier Personen in dem Album werden mit vollem Namen genannt: Adi Esser, Hanns Cieslik, Anni Ijarks und Martha Grenzebach. Der Name Ijarks kommt in Deutschland nicht vor, möglicherweise soll es „Jarks” heißen, auch das ist ein seltener Name, nur in Niedersachsen gibt es einige Familien. Cieslik hingegen ist recht häufig, vor allem im Ruhrgebiet. Der Name Grenzebach kommt oft im Raum Kassel vor.

Nothberg, Gressenich, Aachen - vielleicht können ja die Leser der regionalen Tageszeitung weiterhelfen, dachte sich Sauer und stellte einige Fotos zur Verfügung. Wie es der Zufall wollte, fiel die Ausgabe mit den Fotos einer Frau aus Bonn in die Hände, die über Ostern zu Gast in Eschweiler und recht sicher war, dass es sich hier um ein Fotoalbum ihrer Eltern handelt. Ihr Bruder, Dr. Ludwig Engels aus Köln, meldete sich bei Sauer mit dem Hinweis, dass der Soldat auf dem Foto sein Vater sein müsse. Rainer L. Sauer konnte sich anhand eines weiteren Fotos selbst davon überzeugen. Außerdem, so ließ Dr. Engels den Forscher wissen, habe seine Schwester Brigitte die Handschrift ihrer Mutter Christina Wagemann erkannt. Christinas Familie stammt aus Gressenich. Dort heiratete sie 1942 Peter Engels, ebenfalls Spross einer Gressenicher Familie.

Wer glaubt, weitere Personen auf dem Gruppenfoto zu erkennen, kann sich bei Reiner L. Sauer melden: Telefonnumer 02403/951554 oder sauerrl@me.com.
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