Stolberg - Sprachhilfe ist auch im Kreißsaal gefragt

FuPa Freisteller Logo

Sprachhilfe ist auch im Kreißsaal gefragt

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
15283959.jpg
Ist als ehrenamtliche Übersetzerin für die Stadt Stolberg tätig: Idajete Redziepi. Ursprünglich stammt sie aus Mazedonien und lebt seit 20 Jahren in Stolberg. Bedarf gibt es nach wie vor. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Bei drei Geburten war Idajete Redziepi in den vergangenen drei Jahren dabei. Im Kreißsaal hielt sie die Hand der werdenden Mütter und zeigte ihnen das richtige Atmen. „Ich habe selber mitgemacht. Danach war ich richtig platt“, sagt sie und lacht. Idajete Redziepi ist jedoch keine Ärztin oder Hebamme. Sie ist ehrenamtliche Übersetzerin und hilft den Menschen, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen – sogar im Kreißsaal.

Sie meint: „Wir versuchen, den Menschen von allen Seiten zu helfen. Wenn sie das aber selbst nicht wollen, können wir auch nichts machen.“

Idajete Redziepe lebt seit 20 Jahren in Stolberg. Geboren ist die gelernte Krankenschwester in Mazedonien – einem Land, das mit einer hohen Arbeitslosenquote, einer schwachen Infrastruktur und fehlenden Investitionen in den Bereichen Bildung und Gesundheitswesen zu kämpfen hat, erzählt Redziepi. „Die städtischen Krankenhäuser sind schlimm. Die Patienten müssen selbst ihre Infusionen kaufen und sogar ihre eigenen Matratzen ins Krankenhaus mitbringen. Ist man mit der Schule und dem Studium fertig, hat man kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz“, sagt sie. Das sei auch der Grund dafür, warum immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen und nach Deutschland kommen würden.

In Stolberg leben 280 Menschen aus Mazedonien. Das macht einen Bevölkerungsanteil von 0,5 Prozent (siehe Infobox). Mit ihrem Kollegen Muarem Zaimi, der insgesamt sieben Sprachen beherrscht, kümmert sich Idajete Redziepi um die mazedonischen und albanischen Familien, die in Stolberg leben.

Was das für sie bedeutet? Besuche bei Anwälten oder Ärzten gehören für sie genauso zur Tagesordnung wie die Anmeldungen für Deutsch- oder Integrationskurse im Helene-Weber-Haus oder in der Volkshochschule. Mindestens vier Mal in der Woche ist sie unterwegs. „Manchmal klingelt auch um 22 Uhr oder um ein Uhr in der Nacht mein Telefon und Familien sagen mir, dass ihr Kind krank ist. Dann muss ich dahin. Ich bin Tag und Nacht für sie da“, sagt Redziepi.

Momentan sei die Situation in Stolberg etwas ruhiger. Das sah vor rund drei Jahren, als auch in Stolberg die große Flüchtlingswelle ankam, ganz anders aus. Idajete Redziepi kam zu diesem Zeitpunkt mit K. Mazeena Ismail, der Vorsitzenden des Vereins Frauen für Frauen in Stolberg, ins Gespräch und entschied sich, als ehrenamtliche Übersetzerin zu helfen. „Hier war damals sehr viel los. In meinem ersten Jahr war ich fast gar nicht für meine eigene Familie da, weil es so viel zu tun gab. Jeder brauchte unsere Hilfe“, sagt sie.

Zunächst arbeitete Idajete Redziepe in der Gleichstellungsstelle und dann in der Integrationsarbeit. Zwei Mal in der Woche trifft man sie im Büro des Integrationsrates im Stolberger Rathaus. „Das ist für mich schon zu einer Routine geworden“, sagt sie. Ein Mal in der Woche gibt sie beim Verein Frauen für Frauen in Stolberg einen kleinen Sprachkurs in Deutsch. Zudem macht sie auch noch eine Ausbildung zur Alltagsbegleiterin, die sie in den kommenden Wochen abschließt. „Ich bin sehr gerne mit Menschen in Kontakt, egal wie alt sie sind und ich möchte ihnen einfach helfen“, sagt Idajete Redziepi.

Auch Verständnis sei wichtig – gerade dann, wenn Menschen in ein neues Land kommen. „Als ich damals nach Deutschland kam, wollte ich natürlich unbedingt auch die Sprache lernen, damit ich mich verständigen kann. Das war aber nicht einfach. Manchmal war ich traurig, weil ich etwas sagen wollte, aber schon vorher wusste, dass es falsch ist. Da muss man sich überwinden“, sagt Idajete Redziepi. Einen Deutsch-Kurs habe sie nie besucht. „Deshalb habe ich auch manchmal Probleme mit der Grammatik“, sagt sie. Das Sprechen mit Deutschen habe ihr geholfen.

Dass es Menschen gibt, die die Sprache des Landes nicht erlernen wollen, kann sie nicht verstehen. „Das macht mich manchmal sehr wütend. Wenn ich doch in einem Land leben möchte, steht das Erlernen der Sprache auch an erster Stelle“, ist sich Idajete Redziepi sicher.

Diese nicht so schönen Momente seien die Ausnahme. Vielmehr gebe es zahlreiche positive Momente. Dazu zählen unter anderem auch die Geburten, bei denen Idajete Redziepi anwesend sein durfte. „Ich kann nicht beschreiben, wie schön das war. Das sind Momente, die ich nie vergessen werde“, sagt sie.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert