Spielstätte: Eine Fusion, ein Traum und das leidige Warten

Von: Robert Flader
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Kunstrasen statt Asche und Unk
Kunstrasen statt Asche und Unkraut: Axel Wirtz und die SG Stolberg hoffen auf ein neues Geläuf. Foto: R. Flader

Stolberg-Gressenich. Es ist noch nicht ganz ein dreiviertel Jahr her, als der Traum von der neuen Spielstätte zum Greifen nahe schien im Stolberger Osten. Am 9. November 2011, auf der Jahreshauptversammlung, verkündete der Vorsitzende der SG Stolberg unter anderem, dass 2012 mit dem Bau eines Kunstrasenplatzes begonnen werden könne.

„Das wird eine zusätzliche große Baustelle in unserem Verein”, rief Axel Wirtz den vielen Mitgliedern im Gressenicher Vereinsheim zu, die es ihm mit Applaus dankten. Der Optimismus war da, die Spendenbereitschaft auch, eine eigens für das ehrgeizige Projekt eingerichtete „Arbeitsgruppe Kunstrasen” sowieso. Jetzt sollte sich „nur” noch die Stadt bewegen.

In Sichtweite ist die angekündigte Baustelle aber auch im Sommer 2012 noch nicht. Wie sich spätestens seit dem Ratsentscheid über das Stärkungspaket herausstellte, ist dieser Traum nicht ganz so leicht und schon gar nicht ganz so schnell zu realisieren, wie sich die Blau-Gelben das ursprünglich gedacht hatten. Wobei das nicht an mangelnder Begeisterung der Sportgemeinschaft für das aus ihrer Sicht mit rund 350.000 Euro taxierte Projekt liegt. Der Kunstrasenplatz für die SG Stolberg ist ein schwieriges Thema geworden, bei dem aktuell nicht abzusehen ist, ob das Ende ein schönes (bald, also 2013, wird gebaut) oder ein nicht ganz so gutes wird (weiter warten).

Lage der Sportplätze nicht optimal

„In vielen Diskussionsbeiträgen seitens der Politik scheint das Kunstrasenprojekt der SG Stolberg etwas in Vergessenheit geraten zu sein”, schreibt Geschäftsführer Michael Neudecker in einem Brief an den Bürgermeister und die Ratsfraktionen vom 21. Juni.

Passiert ist in der Tat bis zum heutigen Tage nichts, was das Großprojekt des Fusionsvereins auf irgendeine Art und Weise spürbar nach vorne gebracht hätte. Und dafür gibt es Gründe, die - natürlich - mit dem Stolberger Haushalt zusammenhängen: „Wir haben vollstes Verständnis für die wirtschaftliche Lage und stellen vor diesem Hintergrund auch keine Forderungen”, nennt Wirtz den zentralen Punkt, wieso es am Bovenheck noch nicht voran geht.

Der Fusionsverein aus der Kreisliga A verfügt über zwei Fußballplätze, einen Aschenplatz in Gressenich und ein Naturrasengeläuf in Werth. Am letztgenannten ist das Problem, das er am Rande eines Naturschutzgebietes liegt, zahlreiche Untersuchungen von Unterer Landschaftsbehörde und Verwaltung zeigten, dass eine Kunstrasen-Realisierung dort unmöglich ist.

Deshalb favorisiert der Verein Variante 1, den Aschenplatz im Gressenicher Neubaugebiet umzubauen. Wirtz sagt: „Hier steht das Sportheim, liegt unsere Infrastruktur und deshalb wollen wir den Kunstrasenplatz in Gressenich.”

Aus der Verwaltung sind unterdessen vorsichtige Töne zu vernehmen: „Mein Sachstand ist: Wir haben kein Geld. Und neue Sportplätze sind im Stärkungspaket Stadtfinanzen als Ausgaben nicht vorgesehen”, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Es sei zwar zu begrüßen, wenn, wie im Falle von Werth und Gressenich vor nunmehr drei Jahren, zwei Vereine fusionieren, weil dadurch potenzielles Bauland entstehe. „Aber in diesem Fall”, sagt Pickhardt knapp, „gibt es nichts zu verkaufen. Nicht in Gressenich.”

Dieser Umstand macht es der 2009 aus dem FC Adler Werth und dem SV Gressenich hervorgegangenen SG Stolberg nicht eben leichter. Dabei arbeite der Verein, so Axel Wirtz, seit mehr als einem Jahr „auf Hochtouren” daran, bald möglichst auf neuem Geläuf seine Spiele austragen zu können. Eigentlich sollte es bereits 2012, spätestens aber 2013 so weit sein. Vom ersten Datum könne keine Rede mehr sein, sagt der Vorsitzende. „Aber nach den Ferien müssen Gespräche folgen. Wir haben alle Voraussetzungen erfüllt.”

Aufs Tempo drückt auch Dieter Wolf: „Wir wollen und müssen das Thema im Herbst anpacken”, bestätigt der SPD-Fraktionsvorsitzende auf Anfrage. „Die Angelegenheit ist wirklich überreif.” Man könne aber einen einzelnen Verein, in diesem Fall die SG, nicht isoliert betrachten. „Der SV Breinig wartet schon seit mindestens sieben Jahren, auch da muss jetzt mal eine Entscheidung fallen, ob und wie es mit dem Sportzentrum weitergeht.”

Dies gelte auch für das Stadion Glashütter Weiher bzw. einer möglichen Fusion zwischen FC Stolberg und SC Münsterbusch, die ebenfalls Kunstrasen wollen.

Die SG sieht sich in der Lage, über Spenden und Sponsorengelder rund 100.000 Euro an Eigenkapital für den Kunstrasen beizusteuern. 250.000 erhofft sie sich von der Stadt. Dies entspräche der gleichen Summe, wie sie vor rund zwei Jahren der VfL Vichttal erhalten hatte.

Chancen, aber auch weitere Herausforderungen, liegen in der Stolberger Bauland GmbH (SBG). Denn über eine sogenannte Pool-Bildung (siehe Info-Box links) könnte zwar Geld von allen Sportstätten-Projekten im gesamten Stadtgebiet in einen Topf wandern, dass damit aber automatisch die SG Stolberg ein Vorgriffsrecht genießt, ist nicht gesagt. Dieter Wolf: „Die Pool-Variante ist Stand heute aber die einzig realistische.”

Sollte sich der SG-Wunsch noch länger als bloßer Traum erweisen, rückt auch die Fusion als solche für Stolberger Vereine in den Blickpunkt, die Werth und Gressenich seinerzeit 2009 eingegangen sind, nachdem sie bereits ein Jahr zuvor eine Spielgemeinschaft in der Kreisliga gebildet hatten. Wirtz: „Natürlich war und ist es unser großes Ziel, als fusionierter Klub über ein modernes Sportzentrum mit einem entsprechenden Platz zu verfügen. Ich bin sicher, dass das auch gelingen wird.” Vereinskollege Neudecker pflichtet bei: „Wir möchten in Erinnerung bringen, dass während dieser Jahre alle Ratsfraktionen bekundet haben, dass die Vereine in der Reihenfolge ihrer konkreten Fusionen Unterstützung durch die Stadt erhalten.”

Tim Grüttemeier sieht das nicht ganz so: „Es gibt keine Rangliste.” Der CDU-Fraktionschef sagt aber auch: „Einzelne Vereine dürfen nicht durch ihre Lage benachteiligt werden. Und Werth/Gressenich sind ja unter anderem vor dem Hintergrund des neuen Platzes fusioniert.”

Den Sinn des Zusammenschlusses wolle niemand infrage stellen, „aber wir müssen jetzt voran kommen”, sagt Axel Wirtz. Vorankommen heißt für die SG Stolberg: Kunstrasen statt Aschenplatz. Und das am besten nicht erst 2016.

Trotzdem müssen noch diverse Kurven umschifft werden, um den Traum zu realisieren. „In Breinig zum Beispiel”, sagt Fachbereichsleiter Pickhardt, „haben wir durch die hohen Bodenpreise eine viel bessere Chance, Wohnraum zu verkaufen. In Gressenich haben wir das nicht.” Auch der Vergleich mit dem 2008 entstandenen Fusionsverein VfL Vichttal hinke, „dort sind die Voraussetzungen ebenfalls besser.”

Bei der SG gehen die Verantwortlichen davon aus, dass sie im Pool „zu den Ersten” gehören, die nach der Inbetriebnahme der Bauland GmbH das Kunstrasenprojekt umsetzen können. „Für uns ist es wichtig, dass es nicht bei generellen Überlegungen bleibt, zumal sich eine deutliche Ausweitung unserer Jugendabteilung für die kommenden Jahre abzeichnet”, sagt Axel Wirtz. „Der Aschenplatz ist nicht mehr zeitgemäß.”

Der Ball liege jetzt wieder bei der Stadt. Die SG hofft, dass er in nicht allzu ferner Zukunft auf neuem Geläuf in Gressenich rollen kann.

Sportplätze: Viel hängt von der Bauland GmbH ab

Die Stolberger Bauland GmbH, sofern sie denn gegründet wird, soll sich als eines ihrer „ersten und wichtigsten Themen” (CDU-Fraktionschef Tim Grüttemeier) mit der Neuausrichtung der Sportplätze im Stadtgebiet beschäftigen.

Für verlässliche Aussagen zum jetzigen Zeitpunkt sei es zu früh, sagt Grüttemeier, „in einem halben Jahr sind wir vielleicht weiter, wenn die SBG mal angelaufen ist.” Eine Lösung solle für alle infrage kommenden Vereine gefunden werden.

Prognosen, wann welcher Verein einen neuen Kunstrasenplatz erhält, wollen aber weder Politik noch Verwaltung abgeben. Eine interne Rangliste würde es nicht geben, auch wenn Vereinsfusionen „natürlich von Vorteil sind”, wie Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt sagt.

Sollte die SBG im Spätsommer/Herbst die Arbeit aufnehmen, kristallisiert sich die Variante einer Pool-Bildung als realistisches Modell für die Umwandlung von Stolberger Sportstätten heraus.
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