Spielplatzkontrolleur: Da bleibt keine Schraube locker

Von: Laura Beemelmanns
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Andreas Gärtner hat mit den Jahren einen guten Blick für potenzielle Mängel und poröses Holz entwickelt. Schwachstellen an Spielgeräten findet er in der Regel sofort. Foto: L. Beemelmanns
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Die Arbeit als Spielplatzkontrolleur ist digitaler, als man erwarten würde. Vor jeder Besichtigung schaut Andreas Gärtner nach, welche Notizen die Kollegen über den jeweiligen Spielplatz hinterlassen haben. Nach der Besichtigung fügt er seine hinzu. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Andreas Gärtner wird nicht mehr ändern können, dass die Traumberufe kleiner Kinder immer Astronaut, Feuerwehrmann und Prinzessin sein werden, dabei wäre es gar nicht so verwunderlich, wenn auch sein Job in den Träumen der Kleinen einen Platz finden würde.

Zumindest auf den ersten Blick. Gärtner, 43, treibt sich den ganzen Tag auf Spielplätzen herum. Rutschen, Klettergerüste, Schaukeln, das volle Programm. Was das Kinderherz eben begehrt.

Das klingt zunächst einmal nach einem ziemlich entspannten und amüsanten Beruf, vor allem für Kinder. Aber das ist es nicht. Gärtner kommt nicht zum Rutschen auf die Spielplätze, nicht zum Schaukeln, und wenn er es denn dann doch einmal tut, dann nicht zum Spaß; Gärtner ist Spielplatzkontrolleur.

Der gelernte Zimmermann ist in Halle an der Saale geboren, 2001 kam er in die Städteregion Aachen, 2008 fing er beim Technischen Betriebsamt der Stadt Stolberg an, als einer von vier Kontrolleuren. Und seitdem startet er jede Arbeitswoche mit einem Besuch der Stolberger Spielplätze. Er sagt: „Wenn die Kinder auf den Spielgeräten sind, muss alles sicher sein.“

Digitale Kontrolle

Morgens um sieben Uhr geht so ein Tag im Arbeitsleben des Spielplatzkontrolleurs los. Diese Woche ist Gärtner für die 44 Spielplätze an Kindergärten und Schulen zuständig, über 90 gibt es insgesamt in der Stadt Stolberg. Er fährt sie nacheinander mit dem großen roten Transporter ab, der Raum für das ganze Werkzeug bietet, das Gärtner mitnehmen muss. Viele Reparaturen – wenn es denn keine wirklich großen sind – macht er direkt vor Ort.

Bevor er jedoch auf die einzelnen Plätze geht, wirft er erst einmal einen Blick auf seinen Laptop. Selbst als Spielplatzkontrolleur geht es heute nicht mehr ohne Computer. Darin sind alle Spielplätze mit Fotos gespeichert. Vor und nach jeder Besichtigung kann Gärtner so nachvollziehen, welche Mängel bei den vergangenen Kontrollen aufgefallen sind, welche behoben wurden und welche noch behoben werden müssen. Nach seiner Kontrolle trägt er dann alles ein, was ihm aufgefallen ist. Und dabei ist „kein Tag wie der andere“, sagt er.

Zunächst steuert er die Spielplätze in Mausbach an. Das ist von seinem Startpunkt an der Industriestraße aus am sinnvollsten. Gärtner erzählt, dass Mitte April die Jahreshauptinspektion stattgefunden hat. Ein Fremdunternehmen ist dafür zuständig. Die Mängel würden sich daher in Grenzen halten, Gärtner hat da Vertrauen in die Kollegen.

Er stapft also los; in der Hand ein großer Schlüsselbund, an dem die Schlüssel für die Gartentore der Schulen und Kindergärten hängen. Irgendwie müssen die Kontrolleure ja schließlich reinkommen. Gärtner begutachtet nun Wippen und die Rutsche. „Mit der Zeit hat man einen Blick für die Schwachstellen“, sagt er.

Der 43-Jährige braucht nur wenige Minuten, um zu sehen, dass alle Schrauben noch sitzen und es keine porösen Stellen im Holz gibt. Er geht dafür einmal um jedes Spielgerät herum, bringt die Wippen in Bewegung, wackelt an der Rutsche. „Hier müsste man noch mal mähen“, sagt er, denn das Gras rund um die Rutsche ist ziemlich hoch. Gärtner achtet auch auf defekte Zaunelemente oder herabhängende Äste und schaut sich die Bäume an, die in der Nähe stehen. Alles in Ordnung in Mausbach, weiter geht‘s.

Sein Weg führt ihn über Schevenhütte, Gressenich, Vicht, Zweifall und Breinig. Dann ist erst mal eine kurze Pause angesagt. Das Prozedere ist dabei immer gleich. Hinfahren, Infos abrufen, Sichtkontrolle, Spielgeräte testen, Notizen machen, weiterfahren. „Es gibt insgesamt nur sehr wenig Beschädigungen. In Dorff wurden mal Bretter auf einem Spielplatz abgetreten. Das ist aber schon lange her und war auch das Schlimmste, was ich gesehen habe. Richtig große Mängel habe ich noch nicht erlebt“, sagt Gärtner. Was auch daran liegt, dass er und seine Kollegen die Spielplätze jeden Montag und Dienstag kontrollieren. Das derzeit größte Problem sei Katzenkot. „Wir reinigen regelmäßig, aber kommen kaum hinterher“, sagt der 43-Jährige.

Bei dieser Tour kann er keine fehlende oder lockere Schraube oder verfaultes Holz feststellen. Er löst nur ein Seil von einem Baum, das schon sehr mitgenommen aussieht. „Die Kindergärten wollen natürlich immer viel anbieten, aber nicht alles entspricht auch den Vorschriften. So ein fauliges Seil kann schnell zur Gefahr werden“, sagt er. Er wickelt es ab und nimmt es mit. Auch zwei Insekten-Hotels, die an Ästen befestigt sind, fallen ihm auf. „Sie hängen sehr nah an den Spielgeräten und sind nur mit dünnen Seilen befestigt. Je nach Witterung werden sie nicht lange halten und könnten einem Kind auf den Kopf fallen.“ Gärtner wird sie im Auge behalten.

Der kleine Sohn

Manchmal ist Gärtner auch außerhalb der Arbeitszeiten auf dem Spielplatz, ganz privat, mit seinem kleinen Sohn. Ein Spielplatzkontrolleur ist er dann aber trotzdem noch. „Meine Frau ist manchmal schon genervt“, sagt er und lacht. Bei jedem Spielplatzbesuch, bei jedem Kindergartenfest oder auch im Urlaub schaue er sich die Spielgeräte, auf denen sein Sohn herumturnt, ganz genau an. „Es ist ja nicht immer so, dass ich nur Mängel suche. Ich schaue auch, wie Spielgeräte in anderen Städten aufgebaut sind. Man will ja auch ein bisschen sehen, was die Konkurrenz so macht“, sagt Gärtner.

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