Spiegel der Stadt aus dem Sommer 1946

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In der Zeitung von vor 70 Jahren war die Situation der lokalen Industrie ein Hauptthema.

Stolberg. Das Stadtarchiv Stolberg präsentiert seit Januar 2016 jeden Monat ein Archivale, das als eindrucksvolles Dokument die Stadtgeschichte illustriert. Das ‚städtische Gedächtnis‘ beherbergt viele Urkunden, Akten, Bilder, Bücher, Zeitungen und Gegenstände der letzten Jahrhunderte, um sie für die Verwaltungsarbeit, die Geschichtswissenschaft und Bildung dauerhaft zu bewahren.

Für historische Forschung steht das Archiv jedem Bürger offen und Archivar Christian Altena berät gerne interessierte Bürger, die mehr über Wissenschaft und Geschichte erfahren möchten. Neben Schriftgut der Verwaltung sammelt das Stadtarchiv auch Publikationen, die in Stolberg erscheinen oder mit der Stadt in Verbindung stehen. Die örtlichen Zeitungen bilden als wertvolle Dokumente der Gesellschaft, Politik und Kultur des Stadtgebiets ein eigenes Sammelgebiet und werden seit dem Zweiten Weltkrieg überwiegend systematisch gesammelt.

Wenig Meldungen – Papier knapp

Die Aachener bzw. Stolberger Nachrichten sowie die Aachener/Stolberger Volkszeitung, seit 1996 Stolberger Zeitung, liegen beginnend mit Ausgaben von 1946 für die Lektüre bereit. Die äußerst dünnen Nachkriegsausgaben beinhalten entsprechend kurz gehaltene Lokalnachrichten, die durch Papierknappheit nur wenige Meldungen aus den lokalen Städten und Gemeinden beinhalten.

Vor genau 70 Jahren, im Juli 1946, beschäftigten sich mehrere Artikel mit Stolbergs Industrie und auch die Kirmes war eine Erwähnung wert. „An fünf Plätzen der Stadt haben die Schausteller ihre Attraktionen aufgebaut“, heißt es. In Zeiten knappen Unterhaltungsangebots ist dies kein Wunder, und ebenso wenig, dass bemängelt wurde, dass Erwachsene den Kindern oftmals keinen Platz ließen. Die „unverhältnismäßig hohen Eintrittspreise“ wurden damals sogar von der Presse beklagt – ob zu Recht, kann hier nicht hinterfragt werden.

„Stolbergs Industrie arbeitet für den Frieden“ war die Schlagzeile, die bei einer jahrelang kriegswichtigen Metallverarbeitung endlich wieder den Normalzustand verkünden konnte. Teile für Fahrräder sowie unterschiedlichste Nadelvarianten wurden bspw. von der Firma Prym durch 400 Mitarbeiter hergestellt. Mehr als das Sechsfache betrug die Belegschaft vor dem Krieg.

Doch es fehlten einfach die Genehmigungen der Militärregierung, die wohlbekannten Druckknöpfe sowie Haken und Ösen herzustellen oder gar zu exportieren. Die Bleihütte Berzelius lag bei der halben Menge der vormaligen Produktionsleistung und selbst die Münsterbuscher Zinkhütte konnte trotz starker Kriegsschäden 250 Arbeiter beschäftigen, wobei die Hälfte mit Instandsetzungsarbeiten betraut war. Der Rohstoffnachschub war auch noch eingeschränkt und somit ein Hemmnis.

In Zeiten des Mangels ist die Zeitung hier ein Spiegel des Neuaufbaues vor 70 Jahren, in dem sich die Industrie wieder organisierte, Gesangsvereine neu gründeten oder die Produktionsgenossenschaft der Körperbehinderten forderte: „Gebt uns Werkzeuge“, um den Lebensunterhalt durch Arbeit selbstständig bestreiten zu können. Dass auf der Kirmes 1946 „alle früheren Leckereien fehlen“, wurde ebenfalls nüchtern festgestellt.

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