Spickzettel der Zukunft: Das Smartphone in der Tasche

Von: tk/dbc/jvo
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Erst abgeben, dann austeilen: Vor Klausuren müssen in den Klassenzimmern die Handys und Smartphones der Schüler auf dem Lehrerpult liegen. Foto: imago/Milestone Media

Stolberg. Schlechte Verbindung. Wenn Schüler im Unterricht zum Handy oder Smartphone greifen, dann haben es bald schon die Lehrer in der Hand. Denn in der Regel sind Mobiltelefone – ob internettauglich oder nicht – in der Schule verboten. Auch wenn das Schulministerium NRW dies nicht gesetzlich oder per Erlass regelt, formulieren die Schulen klare Vorgaben.

Bernd Decker, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, sagte: „Handybenutzung in der Schule und auf dem gesamten Schulgelände ist untersagt“. Es gibt allerdings eine Ausnahme für Oberstufenschüler. Für diese gibt es zwei Räume in denen sie das Handy benutzen dürfen. Zum einen den Arbeitsraum. Dort dürfen die Schüler nur SMS schreiben. Zum anderen den Aufenthaltsraum, in dem es den Schülern neben SMS schreiben zusätzlich erlaubt ist zu telefonieren. Und so wie am Lerchenweg ist es auch an den anderen Schulen geregelt – über die Hausordnung.

Laut einer Statistik des Schulministeriums verfügen mehr als 87 Prozent der 12- bis 19-Jährigen über ein eigenes Mobiltelefon und nutzen Multimediahandys zum Versenden von SMS und fürs Fotografieren oder Filmen. Das ist die Realität im Klassenzimmer. Dem müssen sich sich die Schulen stellen. Die Schulleiterin der Realschule Mausbach, Charlotte Esser, teilte mit: „Grundsätzlich sind die Handys auf dem Schulgelände und im Unterricht aus zu sein.“ Es besteht jedoch die Möglichkeit das Handy zu Unterrichtszwecken zu benutzen. Die Nutzung dieser Methode ist den jeweiligen Lehrern selbst freigestellt. Die Handys können beispielsweise im Kunstunterricht nützlich sein. Um sich Fotos anzusehen, oder ähnliches.

Doch die Versuchung sitzt immer mit im Unterricht. Die schnelle Verbindung nach draußen oder ins Internet ermuntert. Im Ritzefeld-Gymnasium hat das Handy während des Unterrichts ebenfalls aus zu sein. In der Mittagspause ist es jedoch gestattet es zum Hören von Musik zu benutzen. Nicht aber zum telefonieren oder SMS schreiben. Bei Verstößen werden die Handys von den Lehrern eingesammelt und müssen am nächsten Tag von den Eltern in der Schule abgeholt werden. Volljährige Schüler dürfen sich ihr Handy am Tag darauf selber abholen. Dies wird von den Eltern unterstützt.

Und letztlich darf die Schule Mobiltelefone einkassieren. Paragraph 53, Absatz 2, des Schulgesetzes erklärt, dass die Wegnahme von Gegenständen als erzieherische Maßnahme ausdrücklich zulässig ist, wenn sie zur Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Schulbetriebs erforderlich ist. Eine prophylaktische Wegnahme ist dagegen nicht zulässig. „Die Störung muss entweder bereits eingetreten sein oder unmittelbar bevorstehen und auf andere Weise nicht zu beseitigen sein (Grundsatz der Verhältnismäßigkeit)“, heißt es.

Wer sich ein Bild von den Geräten macht, die mittlerweile in Stolbergs Schultaschen liegen, der trifft in der Regel auf die aktuelle Generation Smartphones, auf Samsung Galaxy, Sony Xperia, HTC One oder das neue iPhone – und die Lösung der nächsten Klausur- oder gar Abituraufgabe ist damit in allen Schulräumen nur ein paar schnelle Bewegungen mit dem Zeigefinger auf dem Display entfernt. Deswegen gelten bei Prüfungen besondere Bedingungen. Bei den Zentralen Prüfungen müssen die Handys abgegeben werden, ansonsten gilt dies als Täuschungsversuch. Der Deutsche Philologenverband als Vertretung der Gymnasiallehrer rügte dagegen zuletzt, dass mittels Smartphone geschummelt werde.

Vor Klausuren werden alle Handys abgegeben, danach wieder ausgegeben. Vor allem bei Abschlussprüfungen stellt die Abiturverfügung ohnehin klar: Alle technischen Geräte und vor allem alle Handys und Smartphones müssen ausgeschaltet auf dem Lehrertisch liegen. Weil Schüler manchmal mehr als ein Gerät besitzen, werden an den meisten Schulen Toiletten, Spülkästen und alle möglichen Verstecke vor den Abiturprüfungen kontrolliert – wie früher, nur das es längst keine Zettel mehr sind, die verborgen sein wollen. Zudem gibt es Fluraufsichten, und Klogänge müssen protokolliert werden. Nur Leibesvisitationen gibt es keine, es werden auch keine Störsender aufgestellt. Ein Restrisiko bleibt also.

Gezielter Einsatz im Unterricht

In der städtischen Gesamtschule Stolberg müssen die Handys auf dem kompletten Schulgelände ausgeschaltet sein. Ausnahmen sind nur möglich, wenn der Lehrer die Handys für Unterrichtszwecke benutzen lässt zum Beispiel im Physikunterricht als Stoppuhr, um Tafelbilder zu Fotografieren oder um im Englischunterricht Vokabeln nachzuschlagen. Außerdem ist es den Schülern erlaubt ihre Eltern in Notfällen anzurufen. Anrufe werden allerdings nur auf Anfrage gestattet. Ansonsten bieten die meisten Schulen außerdem die Möglichkeit, bei dringendem Bedarf, kostenlos vom Schultelefon aus zu telefonieren.

Auch das Schulministerium betont: „In der Schulkonferenz müssen Maßnahmen beschlossen werden, um Eltern, Lehrerinnen und Lehrer zu sensibilisieren und die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu verbessern.“ Schon an Grundschulen können Kinder einen Handyführerschein machen.So lernen die Schüler schon von klein auf die verantwortungsvolle und sinnvolle Nutzung mit dem Handy oder Smartphone.

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