Stolberg - Spendenaktion: Therapiehund für autistische Tochter

Spendenaktion: Therapiehund für autistische Tochter

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
Lisa
Wollen ihrer autistischen Tochter Lisa (mit Kappe) einen Herzenswunsch erfüllen: Heidi und Rolf Esser mit der kleinen Schwester Isabella. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Treue Seele und ein Herz und eine Seele: Das Wochenende mit Pepe hat Lisa aufblühen lassen. Foto: Rehahunde Deutschland
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Treue Seele und ein Herz und eine Seele: Das Wochenende mit Pepe hat Lisa aufblühen lassen. Foto: Rehahunde Deutschland

Stolberg. Beim Gespräch mit ihren Eltern sitzt Lisa mit am Tisch und hört aufmerksam zu. Zwischendurch malt sie freundliche Gesichter und lacht. Ihre kleine Schwester Isabella ist mit einem Stück Knete beschäftigt.

Doch die scheinbar normale Situation kippt recht schnell, weil die Fünfjährige auf sich aufmerksam machen möchte und dabei grober vorgeht, als es ein „normales“ Kind in ihrem Alter machen würde. „Lisa, hör‘ bitte auf, das tut weh“, reden ihre Eltern auf sie ein. Dieses Mal funktioniert es, aber Heidi und Rolf Esser haben in den vergangenen Jahren schon viele extreme Situationen erlebt.

„Dann kam nichts mehr.“

Frühkindlicher Autismus: Das ist die Diagnose, die festgestellt worden ist, als Lisa vier Jahre alt wurde. Im August 2009 wurde sie in Stolberg geboren, „ein Herzenswunsch“, betont Heidi Esser. Lisas erste 15 Lebensmonate verliefen wie bei jedem Kind. Sie lief, lernte „Mama“ und „Papa“ zu sagen und spielte mit anderen Kindern.

„Dann kam nichts mehr. Lisa lief nicht mehr, sie sprach nicht mehr und nahm uns nicht mehr wirklich wahr“, erinnert sich die Mutter. Das eigene Kind schien wie in einer anderen Welt versunken und reagierte kaum noch auf ihre Familie.

Sie wurde mehrere Male im Regelkindergarten von einer Gruppe zur nächsten gereicht, weil sie weder mit den Kindern und den Erzieherinnen, noch mit dem Alltag in der Einrichtung zurechtkam. „Lisa akzeptiert nur ihre eigene Art zu essen und zu trinken. Zum Beispiel verweigerte sie bei 35 Grad im Schatten das Trinken aus einem Becher, da sie nur ihre Trinkflaschen benutzte“, erzählt Heidi Esser. Kurz darauf wechselte sie in einen integrativen Kindergarten.

Dort durfte sie einfach nur Lisa sein. „Man sieht es Lisa nicht an. Sie scheint ein normales, fröhliches, fünfjähriges Kind zu sein. Aber das ist unsere Lisa nicht. Sie hat kein Gefahrenbewusstsein und läuft vor Autos oder stürzt sich aus größeren Höhen, wenn wir nicht aufpassen“, sagt Rolf Esser. Der Vater von Lisa und ihrer dreijährigen Schwester Isabella traut sich nicht, alleine mit beiden Kindern in die Stadt zu fahren, um Erledigungen zu machen.

Es passiert auch oft, dass Lisa heftige Wutanfälle wegen Nichtigkeiten bekommt. Sie verletzt sich dann selbst, indem sie sich die Haare herausreißt oder sich schlägt. Wenn ihre Eltern in solchen Situationen nicht schnell genug reagieren, muss manchmal auch die kleine Schwester dran glauben. „Lisa ist zu 100 Prozent von uns abhängig. Sie kann sich nicht selbst verpflegen und würde ohne unsere Hilfe vor einem vollen Kühlschrank verhungern“, weiß ihre Mutter.

Seit einem Jahr geht das Mädchen wöchentlich zur Logopädie. Dort ist auch ein Therapiehund mit von der Partie. „Dieser Hund erreicht Lisa auf eine Art, wie wir als Eltern es nicht können!“ Und seitdem der Hund da ist, ist auch der Wortschatz der Fünfjährigen größer geworden. Trotzdem: Lisa spricht kaum selbstständig und wiederholt nur gewisse Wörter und Begriffe, die sie toll findet.

Seit März kommt allerdings ein Wort häufig über ihre Lippen: der Name „Pepe“. Den schwarzen Labrador hat die Fünfjährige im Frühjahr in Rostock kennengelernt, wo der Verein „Rehahunde Deutschland“ seinen Sitz hat. Dort waren Heidi und Rolf Esser mit ihren Kindern, da sie sich viel über die Krankheit der Tochter informiert haben und so auf den Autismus-Begleithund gestoßen sind.

„So ein entspanntes Wochenende hatten wir noch nie“, zehrt der 37-Jährige noch heute von diesen erholsamen Tagen. Die Eltern geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der Begegnung zwischen Kind und Hund erzählen. Lisa hat die schwarze Fellnase gestreichelt, geherzt und geküsst. Sie hat Pepe die Pfoten mit Melkfett einmassiert und ist mit ihm spazieren gegangen.

Der zweijährige Labrador hat eine Ausbildung als Behindertenbegleithund erhalten, soll nun weiter ausgebildet und speziell auf Lisa trainiert werden. „So, wie sie mit dem Hund kommuniziert, macht sie es mit uns nach fast sechs Jahren nicht“, betont der Schlosser.

Die Zeit bei dem Verein in Rostock hat die Familie sehr genossen: „Das erste Mal nach sehr langer Zeit ist die Anspannung von uns abgefallen, da auch Lisa vollkommen entspannt war und keinerlei Aggressionen mehr gezeigt hat.“ Pepe kann als besonderer Führhund für Lisa agieren: Sie ist an ihn festgeschnallt und denkt, sie geht mit ihm Gassi, aber in Wirklichkeit hört er nur auf das Kommando desjenigen, der die Hauptleine hält, und das sind eben die Eltern oder in der Kita die Erzieherinnen. „So kann unsere Tochter nicht mehr plötzlich loslaufen und auf die Straße rennen, und ich kann mit ihr vielleicht auch noch mal alleine in die Stadt oder spazieren gehen“, sagt Mutter Heidi.

Der Hund soll Lisa helfen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen, ihr Sicherheit in unbekannten Umgebungen geben und ihr Aggressionspotenzial niedrig halten. Er hat eine beruhigende Wirkung auf das schwer behinderte Mädchen. „Wegen dieser und anderer positiven Erfahrungen haben wir uns entschieden, einen speziell ausgebildeten Therapiehund anzuschaffen. In dem Verein Rehahunde Deutschland haben wir einen sehr erfahrenen Partner gefunden“, betont die 36-Jährige.

Durch die lange Ausbildungszeit und optimale Eignung für diese spezielle Aufgabe kostet ein solcher Hund bis zu 25.000 Euro. Heidi Esser: „Eine Summe, die wir alleine nicht aufbringen können, trotz aller Bemühungen!“

Die Entscheidung, Pepe zum Autismus-Begleithund ausbilden zu lassen, ist gefallen, einzig das Geld fehlt. Familie Esser bittet um Mithilfe, um Lisas Herzenswunsch zu erfüllen. Und noch eines möchte das Ehepaar loswerden, damit keine Missverständnisse aufkommen: „Wir möchten betonen, dass das nicht nur ein Haustier ist. Wenn Pepe bei uns einzieht, hat er eine klare Aufgabe!“

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