SPD-Urgestein beendet politische Karriere

Von: Michael Grobusch
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Für die Interessen der Stolberger Senioren will Hans Kleinlein auch in Zukunft kämpfen. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Der Abgang von der politischen Bühne geschah dann etwas früher als geplant: „Es war abgesprochen, dass ich mich im Falle einer erneuten Wahl nach der Hälfte der Legislaturperiode zurückziehen würde“, sagt Hans Kleinlein.

Doch aus dem finalen Einzug in den Stadtrat wurde nichts, im Negativ-Sog der Kommunalwahlen 2014 verlor das SPD-Urgestein seinen Wahlkreis auf dem Donnerberg an die CDU und damit sein Mandat. Als sachkundiger Bürger blieb der 69-Jährige zunächst noch im Bau- und Vergabeausschuss, den er aber nach den Diskussionen um den Kanalbau am Goepelschacht verlassen hat.

Damit ist die politische Karriere von Hans Kleinlein beendet. Er selbst formuliert es so: „Ins Rathaus gehe ich nur noch, um meinen Pass zu verlängern.“ Das klingt nach Verbitterung, täuscht aber, wie der Sozialdemokrat versichert. „Es war einfach Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und Abstand zu gewinnen.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung hat sich der langjährige Parteivorsitzende (1990 bis 2005) zu verschiedenen Themen und Punkten geäußert.

Bundes-SPD: „Sie hat sich ein bisschen erholt von Schröder und der Agenda 2010. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wohin diese vermeintliche Reform führt, und war nach der Auflösung von „Stolmabau“ 2001 gut zwei Jahre arbeitslos. Ich hätte danach sogar einen Monat Hartz IV bekommen, doch darauf habe ich verzichtet.“

SPD Stolberg: „Sie befindet sich in einer Phase der Umgestaltung, des Generationswechsels. Ich denke, dass die Jungen das hinbekommen werden, wenn sie darauf achten, dass die Arbeit auf viele Schultern verteilt wird.“

Große Koalition in Stolberg: „Die SPD hat in der ersten Phase viele ihrer Programmpunkte umsetzen können, zum Beispiel die Einrichtung der ersten Gesamtschule und das Senioren-Infocenters. Die CDU hat in dieser Zeit viele Zugeständnisse machen müssen und sich verändert, was die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit geschaffen hat. Politik ist in Stolberg durch diese Zusammenarbeit der beiden großen Parteien viel einfacher geworden. In vorherigen Koalitionen hat es immer erhebliche Reibungsverluste gegeben. Allerdings ist die CDU aufgrund der veränderten Mehrheitsverhältnisse inzwischen deutlich dominanter. Die SPD muss deshalb weiter eigene Akzente setzen und aufpassen, dass sie nicht nur noch als verlängerter Arm der CDU wahrgenommen wird.“

Tim Grüttemeier: „Er hat vor allem von dem Guten profitiert, das wir als große Koalition in den vergangenen Jahren gemacht haben. Der Bürgermeister hat aber durchaus auch eigene positive Ansätze, die ich vor seiner Wahl nicht für möglich gehalten hätte. Sehr übel nehme ich ihm jedoch, dass er die Flächen in Zweifall aus dem Plan für den möglichen Bau von Windrädern herausgenommen hat, weil er und andere CDU-Vertreter den Zweifallern persönlich-privat nahestehen.“

Fehler: „Einer meiner größten Fehler war, dass ich mich nicht gewehrt habe, als der Vorschlag gemacht wurde, Ferdi Gatzweiler in eine dritte Kandidatur als Bürgermeister zu drängen, weil die SPD keinen anderen Kandidaten hatte. Viel besser wäre es gewesen, die Wahl nicht vorzuziehen und die Zeit bis 2016 zu nutzen, um einen Nachfolger aufzubauen. Stattdessen sind wir mit einer Galionsfigur in den Wahlkampf gegangen, die kaputtgeredet worden ist. Daran hat Ferdi Gatzweiler einen Anteil und sicherlich auch die SPD. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Wahl des Stadtrates anders ausgefallen wäre, wenn Ferdi Gatzweiler nicht auf Listenplatz 1 gestanden hätte.“

Senioren-Infocenter: „Mit der Einrichtung des Senioren-Infocenters hat Stolberg eine Vorreiterrolle in der Region übernommen. Für mich ist es ein absolutes Unding, dass die neue Mehrheit, nachdem Paul Schäfermeier die Leitung des Sozialamtes übernommen hat, die Stelle des Seniorenbeauftragten so lange brach liegen lässt. Das Senioren-Infocenter ist für viele ältere Menschen in unserer Stadt eine wichtige Anlaufstelle, weil ihnen dort geholfen wird. Umso bedauerlicher ist, dass sein Stellenwert in der großen Koalition offensichtlich sinkt. Das ist auch an dem räumlichen Umzug vom Eingangsbereich in Zimmer 7a abzulesen.“

Demografischer Wandel: „Der Donnerberg, wo ich selber wohne, ist ein typischer Raum, der altert. Das gilt für sehr viele Bereiche im Stadtgebiet. Wir müssen Hilfe zur Selbsthilfe und Strukturen schaffen, die ausgerichtet sind auf eine Gesellschaft, die immer älter wird. Wir müssen – auch wenn das eine begrüßenswerte Alternative ist – etwas weniger feiern und Altenheime besuchen und uns stattdessen mehr um die Erfordernisse der Zukunft kümmern. Ich sehe da dringenden Handlungsbedarf.“

Eigene Pläne: „Ich habe immer noch ein gutes Netzwerk und werde das in Zukunft vor allem dann nutzen, wenn es um die Belange von Senioren geht. Außerdem bleibe ich Vorstandsmitglied bei der Jugendberufshilfe. Privat werde ich mich um meine Gesundheit und mehr um meine Enkelkinder kümmern und kleinere Reisen unternehmen.“

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