Stolberg - SPD und CDU fordern ein höheres Tempo

SPD und CDU fordern ein höheres Tempo

Von: Ottmar Hansen
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Um den Steinweg zu beleben, wollen SPD und CDU dort Wohnraum für Studenten schaffen. Das setzt allerdings voraus, dass die Eigentümer einverstanden und bereit sind, in ihre Immobilien zu investieren. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Schaufenster als Plakatwände. Zu viel mehr werden zahlreiche Immobilien im Steinweg derzeit nicht genutzt. Foto: O. Hansen

Stolberg. Wird Stolberg zur Studentenstadt? Wenn es nach dem Willen der beiden Fraktionen von SPD und CDU geht, sollen in den leer stehenden Häusern am oberen Steinweg Wohnungen für Studenten eingerichtet werden. Die Appartements könnten später auch zu Seniorenwohnungen umfunktioniert werden.

Das Thema beschäftigt den Rat schon länger, doch geschehen ist bislang wenig. Die Politiker fordern deshalb jetzt etwas mehr Engagement der Stadtverwaltung in der Sache.

Wie mehrfach berichtet, verlassen in diesem Jahr gleich zwei Abi-Jahrgänge die Gymnasien. RWTH und FH Aachen richten sich auf einen riesigen Ansturm von Studienanfängern ein. Von mehr als 7000 Erstsemestern ist die Rede. Insgesamt rechnet man mit 48.000 Studenten in der Kaiserstadt. Für sie gibt es nicht genügend Wohnraum. Warum sollten sie nicht in Stolberg eine Wohnung beziehen? Die Anbindung per Euregiobahn an die Hochschule ist ideal.

Auf der einen Seite viele leer stehenden Wohnungen und Ladenlokale in der Stolberger City, auf der anderen Seite Studenten, die eine Bleibe suchen. Das passt doch zusammen. So ist zumindest die Einschätzung von SPD und CDU im Rat. Und wenn der Ansturm der Studenten wegen der Bevölkerungsentwicklung in einigen Jahren nachlässt, könnten die Wohnungen in idealer Lage an Senioren vermietet werden.

Voraussetzung ist: Die Hauseigentümer im oberen Steinweg müssten mitspielen und die teils heruntergekommenen Gebäude sanieren und behindertengerecht umbauen. Dafür gibt es Fördermittel des Landes NRW. Dennoch hält sich die Begeisterung der Immobilienbesitzer bislang sehr in Grenzen. Nach einer Auflistung der Stadtverwaltung für den kommenden Hauptausschuss, der am 18. Juni tagt, standen im Jahr 2010 rund 1,6 Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Abgerufen wurden gerade einmal 15.000 Euro. Im vergangenen Jahr wurden aus dem Fördertopf von fast 2,8 Millionen Euro lediglich 65.500 Euro abgerufen.

Die Stadt hat, so der Bericht für den Hauptausschuss, die Immobilienbesitzer mehrfach angeschrieben. Auf der städtischen Homepage im Internet wurde die Rubrik „Wohnraum für Studierende“ eingefügt. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen in der Sache wurde intensiviert. „Das Thema wird weiterverfolgt“, heißt es abschließend im Bericht der Verwaltung für den Ausschuss.

„Die Vorlage der Verwaltung ist zwar sehr umfänglich, aber nicht das, was wir erwartet hatten“, kritisiert unterdessen Vize-Bürgermeisterin Hildegard Nießen (SPD) das Vorgehen der Bediensteten. „Was nützt der zigste Brief an die Hauseigentümer? Das reicht nicht! Wir wollen eine richtige Wohnungsoffensive.“ Angesichts der schwierigen Materie müsse die Stadt alle Beteiligten an einen Tisch holen: Immobilienbesitzer, Architekten, Wohnungsbaugesellschaften und Kreditinstitute. Gemeinsam müsse man ein Pilotprojekt anstoßen. Nießen: „Der konkrete Bedarf ist ja da. Die Verwaltung muss jetzt mehr Aktivität an den Tag legen.“ Das Thema habe für die große Koalition hohe Priorität.

Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt sieht das Thema indes weniger optimistisch. Wohl auch wegen der bisherigen Erfahrungen in der Sache: „Wir haben doch längst alle Immobilienbesitzer zu einem Treffen eingeladen. Von mehr als 70 Angeschriebenen sind am Ende fünf gekommen.“

Pickhardt geht davon aus, dass die Fördermittel des Landes momentan kaum einen Hausbesitzer dazu bewegen, in sein Eigentum zu investieren. Zwar gebe das Land günstige Darlehen, doch die Vergabe sei mit hohen Auflagen verbunden. Die neu geschaffenen Wohnungen unterlägen bis zu 20 Jahre lang einer Belegungs- und Mietpreisbindung. Die Wohnungen dürften nur an Personen mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden, und die Miete dürfe den Preis von 4,50 Euro je Quadratmeter nicht überschreiten. Da hole sich der Hauseigentümer das zinsgünstige Darlehen doch lieber bei einer Bank, ohne bei der Vermietung über Jahrzehnte Auflagen beachten zu müssen.

Unter den Hauseigentümern im oberen Steinweg seien auch viele ältere Personen, die die hohen Investitionen für den Umbau der Wohnungen scheuten, so Pickhardt. Getreu dem Motto: Da sollen sich meine Erben mit befassen. Pickhardt geht ferner davon aus, dass es Studenten eher in die Uni-stadt Aachen mit großem Angebot an Kultur und Kneipen zieht als nach Stolberg.

Der Fachbereichsleiter erwartet eher eine andere Entwicklung: „Die große Nachfrage wird die Mietpreise in Aachen in die Höhe treiben und zu einem Verdrängungswettbewerb führen. Wenn mehrere Studenten in eine Wohnung ziehen, können sie gemeinsam die hohe Miete stemmen. Eine Familie kann sich den Mietpreis aber oft nicht mehr leisten. Sie wird dann vielleicht nach Stolberg ziehen.“

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