„Soziale Stadt”: Projekte sollen sich am Ende selbst tragen

Von: Kolja Linden
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Hat sich für 2011 noch viel vorgenommen, darunter die Einrichtung der „Kugel”: Stadtteilmanager Dr. Wolfgang Joußen. Foto: K. Linden

Stolberg. Die Pläne sind fertig, das Stadtteilmanagement steht in den Startlöchern. „Wir bauen eine Menge im kommenden Jahr”, kündigt Dr. Wolfgang Joußen an. Für den Stadtteilmanager wird 2011 ein besonderes Jahr, denn es dürfte sein letztes in dieser Funktion sein. Die Förderung des Projekts „Soziale Stadt”, die 2008 begonnen hat, läuft Ende 2011 aus.

Das Programm ist so angelegt, dass die angestoßenen Projekte anschließend ohne öffentliche Förderung weiterlaufen können - getragen von Bürgern, Institutionen und Sozialverbänden.

Damit das funktioniert, soll im kommenden Jahr noch einiges entstehen. „Wir beginnen mit der Umgestaltung der Ecke Memelstraße / Eschweilerstraße”, zählt Joußen auf. Es folgt die obere Memelstraße, wo die Bürgerbeteiligung mehrere Vorschläge für die Begrünung und Verschönerung ergeben habe.

Im Frühjahr dann das größte Projekt, die „Kugel”: Das Kultur- und Generationenhaus entsteht auf dem Gelände der Hauptschule Kogelshäuserstraße und soll mit seinen 150 m2 Fläche als barrierefreier Flachbau spätestens im Frühsommer fertig sein. „Das ist von der Bauzeit her rasch zu realisieren”, sagt Joußen, denn das komplette Gebäude werde in Fertigbauteilen geliefert.

Weitere Projekte, die folgen werden, sind die Anlage eines Interkulturenparks, für den das Gelände zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Gewerbegebiet Steinfurt vorgesehen ist, sowie die im Handlungskonzept vorgesehene Skulpturenstraße und Industriegeschichtsstraße, für die noch keine Standorte feststehen.

Gemeinsam mit Anwohnern hatte das Stadtteilbüro eine Route durch den Interkulturenpark entwickelt, die jetzt mit der Oberen Landschaftsbehörde abgestimmt werden muss, da es sich um geschützten Landschaftsbestand handelt. „Ziel ist es, dort ein Wegenetz anzulegen und Bänke zu installieren”, sagt Joußen.

Einiges von dem, was der Stadtteilmanager aufzählt, hätte schon im zu Ende gehenden Jahr realisiert werden sollen. „Wir hängen aber nicht im Zeitplan”, relativiert Joußen. „Es hat sich lediglich die Sequenz der Abfolge verschoben.”

Konsequenz: Projekte aus 2010 und 2011 werden jetzt komplett im neuen Jahr realisiert. „Die Bewilligungsbescheide haben wir alle”, sagt Joußen.

Einen Großteil der Gestaltungsarbeiten werden wieder die Teilnehmer der Qualifizierungsmaßnahmen im Stadtteilbetrieb übernehmen. Kritik, diese würden dem lokalen Handwerk Aufträge wegnehmen, hat Joußen schon im Sozialausschuss am 13. Dezember erwidert. „Der Stadtteilbetrieb übernimmt nur die einfachen Aufgaben, der Rest wird an regionale Firmen vergeben. Und diese kämen gar nicht an die Aufträge, gäbe es das Projekt âSoziale StadtÔ nicht.”

Wenn am 31. Dezember 2011 die Förderung für die „Soziale Stadt” ausläuft, sollen die bis dahin angestoßenen Projekte in der Velau und auf der Mühle genügend Eigendynamik entwickelt haben, dass sie auf eigenen Füßen stehen können.

„Wir sind gerade dabei, die verschiedenen Aktivitäten auf Nachhaltigkeitsbeine zu stellen”, sagt Joußen und meint Interessengemeinschaften, die sich gebildet haben, das neu gegründete Frauennetzwerk oder die Trägergemeinschaft der „Kugel”. „Wir als Stadtteilmanagement müssen uns überflüssig machen”, beschreibt Joußen die eigene Aufgabe.

Die „Kugel”, das Kultur- und Generationenhaus, sei nicht als klassische Bürgerbegegnungsstätte geplant, sondern als „Haus mit Programm”. Getragen werden soll das Haus von einem Verein aus freien Trägern, denen unter anderem die Caritas Aachen Stadt und Land sowie der AWO-Kreisverband angehören könnten. Diese Träger werden dann auch das Programm „stricken”, so Joußen.

Zwei größere Projekte seien noch geplant, die ihre programmatische Heimat in der Kugel finden könnten: zum einen ein „Informations- und Beratungszentrum frühe Hilfen”, das, von der AWO betrieben, Bedarfe für junge Familien vor Ort ermittelt und erfüllt; zum anderen eine „Interkulturelle Seniorenarbeit”, die sich um die Bedürfnisse ältere Migranten kümmert und von der Caritas fortgeführt wird.

Darüber hinaus könne „Kugel” - anders als ursprünglich geplant - auch als Vermietungsobjekt zum Beispiel für private oder Vereinsveranstaltungen genutzt werden. Ein Bedarf für solche Räumlichkeiten sei im Viertel auf jeden Fall vorhanden.

Und noch ein „Gast” könnte in die Kugel einziehen: Das Freiwilligenzentrum Stolberg würde gerne Beratungsstunden dort anbieten (siehe Kasten), Gespräche mit dem Stadtteilmanagement laufen bereits. Ob es dazu kommt, ist noch nicht klar, doch, so Joußen: „Das Freiwilligenzentrum spielt in den programmatischen Überlegungen eine Rolle.”

Freiwilligenzentrum soll fortgeführt werden

Erst im Juli wurde es eingerichtet, und trotz ausbleibender Förderung soll es weitergeführt werden: das Freiwilligenzentrum Stolberg. Der von der Caritas getragene Ableger des Freiwilligenzentrums Aachen bietet eine Plattform für Angebot und Nachfrage nach ehrenamtlichen Tätigkeiten und berät Menschen, die sich engagieren wollen, aber zum Beispiel nicht wissen wo und wie oder die einfach nur Ansprechpartner und Unterstützer suchen.

Die regelmäßigen Beratungsstunden vor Ort in Stolberg mussten allerdings schon eingestellt werden, da die Förderung durch das Projekt „Stärken vor Ort” im November ausgelaufen ist und das Aachener Freiwilligenzentrum eine Zuschusskürzung durch die Stadt Aachen hinnehmen muss.

„Wir stehen für Nachhaltigkeit”, sagt Kathrin Michels vom Freiwilligenzentrum, „deshalb wollen wir versuchen, die Beratung mit eigenen Mitteln aufrecht zu erhalten, bis wir andere Finanzierungsmöglichkeiten finden.”

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