„Sozialdienst katholischer Frauen“: Großer Bedarf an „Früher Hilfe“

Von: Margit Schmitt
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Ihre Bilanz nach einem Jahr fällt positiv aus: Anka Dallmeier (v.l.) und Sabine Wainwright-Malies (Hebammen) sowie Nora Kaußen-Jensen und Claudia Blau (Sozialarbeiterin/ -pädagogin). Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die bloßen Zahlen können nur schwer vermitteln, wie intensiv die Arbeit in den vergangenen zwölf Monaten gewesen ist – und wie effektiv. Letzteres stellt der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in seiner ersten Zwischenbilanz zum Einsatz der Familienhebammen in Stolberg fest. Und kommt zu dem Schluss, dass das Angebot im Rahmen der „Frühen Hilfen“ der Stadt Stolberg sehr gut genutzt wird, weil es einen großen Bedarf gibt.

Im vergangenen Jahr hat der SkF mit seinen beiden Familienhebammen und den sie unterstützenden Sozialpädagoginnen insgesamt 41 Familien begleitet. „Durch die Kontaktaufnahmen bereits vor der Geburt kann das Risiko frühkindlicher Gefährdung deutlich verringert werden“, stellt Margit Schmitt fest. Ein erhöhtes Risiko ergibt sich in den meisten Fällen aus der persönlichen Situation der (werdenden) Eltern.

„Grundsätzlich gilt das Angebot der Familienhebammen für alle Eltern. In der Praxis haben wir es jedoch in erster Linie mit Menschen in psychosozial belasteten Lebenssituationen zu tun“, so die SkF-Geschäftsführerin. Das wiederum bringen die Zahlen sehr deutlich und auf den ersten Blick zum Ausdruck: Von den betreuten Müttern hatten 20 ein Alter von 21 oder jünger, zwölf waren alleinerziehend, neun psychisch krank und drei geistig behindert. Auch Suchtprobleme sowie Gewalt in der Partnerschaft spielten zum Teil eine wesentliche Rolle.

Hohe Betreuungsintensität

Die Betreuungsintensität war in allen Fällen hoch, und gleiches gilt nach Aussage des SkF für die Erfolgsquote: „Durch die Begleitung oftmals schon in der Schwangerschaft und bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes haben wir frühzeitig und über einen längeren Zeitraum Kontakt mit Menschen, die Hilfe benötigen“, betont Claudia Blau. Dadurch könne eine spürbare Verbesserung der Lebenssituation für die Mütter bzw. Eltern und die Kinder erreicht werden.

„Außerdem gibt es dank der vertrauensvollen Beziehungsarbeit in der Regel eine hohe Bereitschaft, weitere Hilfen anzunehmen“, so die Sozialpädagogin. Den häufigsten Zugang zu den Angeboten des SkF fanden die Betroffenen 2013 über die Schwangerschaftsberatung des Sozialverbandes, in neun Fällen wurde der Kontakt durch das Jugendamt hergestellt. Auffällig, aber durchaus üblich: Nur ganz selten wenden sich Hilfsbedürftige selbstständig und somit ohne äußeren Impuls an die Beratungsstelle in der Birkengangstraße.

Die Ziele der „frühen Hilfen“ sind indes unabhängig von der Art der ersten Kontaktaufnahme identisch: „Es geht vor allem um die Stärkung der Elternkompetenz, die frühzeitige Vorbereitung auf die Herausforderungen einer Elternschaft und die Förderung der Eltern-Kind-Bindung“, berichtet Familienhebamme Sabine Wainwright-Malies.

Das Paket der Maßnahmen umfasst die inhaltliche und somit auch emotionale Vorbereitung auf ein Leben mit Baby ebenso wie praktische Übungen mit der „Real-Care-Puppe“, die Gesundheitsfürsorge der Schwangeren und die Sicherstellung der materiellen Versorgung. Mit Blick auf das Kind werden derweil alle wichtigen Aspekte für die Grundversorgung des Kindes, die Bedürfnisse eines Babys und nicht zuletzt auch altersentsprechende Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten vermittelt.

Für die Familienhebammen und ihre Kolleginnen bedeutet das viel Arbeit vor Ort und eine große Flexibilität. „Eine geregelte Arbeitszeit ist da selten gewährleistet, das bringt die Sache so mit sich“, weiß Anka Dallmeier. Und fügt zugleich an, dass die vielfach positiven Auswirkungen der geleisteten Hilfe stets neuen Antrieb für die eigene Arbeit gebe.

Bis Ende 2015 Bundesmittel

Zunächst bis Ende 2015 ist diese nicht nur in Stolberg, sondern in ganz Deutschland durch Mittel aus Berlin gesichert. Der Bund stellt(e) im Zuge des zum 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetzes für die Jahre 2013 und 2014 jeweils 45 Millionen Euro zur Verfügung, 2015 sollen es sogar 51 Millionen Euro sein. Anschließend soll die Finanzierung durch einen Fonds sichergestellt werden.

Dass auch dann noch ein großer Bedarf für die Arbeit der Familienhebammen bestehen wird, steht für den städtischen Fachbereichsleiter Willi Seyffarth schon jetzt außer Frage.“ Mit dem neuen Gesetz wird den frühen Hilfen ein ganz besonderer Stellenwert eingeräumt. Und dieser wird im Sinne eines verstärkten Trends zur präventiven Arbeit in Zukunft noch steigen.“

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