Sozialarbeiter: „Ein Musikfest für junge Bands wäre schön“

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Sozialarbeiter Hermann Moonen ist mit seinem Jugendbus regelmäßig durch Stolberger Stadtteile unterwegs. In dem Gefährt können sich Kinder und Jugendliche treffen, um bei gemeinsamen Aktivitäten ihre Freizeit zu verbringen.

Stolberg. Auch für die Schüler der Kupferstadt starten mit dem Samstag die Herbstferien. Zum Programm für die Daheimgebliebenen gehört unter anderem der Jugendbus der Offenen Jugendarbeit in Stolberg. Herman Moonen hält mit seinem Gefährt dienstags und donnerstags nachmittags in Gressenich.

Freitags ist er in Breinig. Redakteurin Sarah-Lena Gombert hat mit dem Sozialarbeiter über die Stolberger Jugendlichen und die moderne Jugendarbeit gesprochen.

Herr Moonen, wie lange sind Sie in der offenen Jugendarbeit in Stolberg tätig?

Moonen: Ich habe 2014 angefangen. Ich konnte aber noch nicht von Anfang an den Bus durch die Gegend fahren, denn ich hatte noch keinen passenden Führerschein. Den habe ich aber nachgemacht und bin, seit ich die Prüfung bestanden habe, mit meinem Bus in Stolberg unterwegs.

Was ist das eigentlich für ein Bus?

Moonen:Unser Jugendbus ist ein alter Linienbus. Den hat damals Frank Döhla umgebaut. Ich kenne Frank nicht persönlich, die Jugendlichen fragen aber immer noch nach ihm. Er muss mit seiner Arbeit also einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Heute ist der Jugendbus einfach ein Jugendtreff, mit dem einzigen Unterschied, dass er eben mobil ist. Aus dem Bus sind alle normalen Sitze entfernt worden. Stattdessen gibt es bei uns Sitzecken, einen Fernseher, Spielekonsolen, also eine WiiU und eine Playstation, und eine Kochecke gibt es auch.

Was ist der Grund dafür, dass man einen Bus angeschafft hat? In einem Gebäude hat man doch sicherlich mehr Möglichkeiten...

Moonen: Stolberg ist in der Innenstadt zwar recht kompakt. Drum herum gibt es aber noch die ganzen Ortsteile, und das ist schon ziemlich weitläufig. Die Stadt hat sich damals dafür entschieden, nicht für jeden einzelnen Ortsteil einen Jugendtreff einzurichten, sondern eben einen Linienbus umzubauen, der dann die Stadtteile nach Bedarf anfahren kann. Klar ist der Bus etwas kleiner, aber die Jugendlichen können auch in so einem Bus Musik machen, Spiele spielen oder eben ein bisschen rumhängen.

Fahren Sie denn auch alle Stadtteile regelmäßig an?

Moonen: Momentan sind wir regelmäßig nur in Gressenich und Breinig unterwegs. Früher waren wir auch schon in Mausbach und Atsch, auch auf der Liester sind wir teilweise gewesen. In den Sommer ferien weichen wir von dem Regelprogramm immer etwas ab, da waren wir auch schon mal in Zweifall, Vicht und Werth.

Wie ist der Zulauf in Breinig und Gressenich?

Moonen: In Breinig kommt der Bus wirklich gut an. Die Breiniger Jugendlichen sind froh, wenn wir kommen. Und sie sind enttäuscht, wenn wir nicht kommen. In Gressenich ist das ein bisschen anders. Dort war anfangs auch immer ziemlich viel los, da kamen gleich beim ersten Mal fünf bis sechs Jugendliche vorbei. Das kenne ich so auch gar nicht. Die haben dann Musik gemacht, Gitarre gespielt.

Weil wir den Eindruck hatten, dass der Bedarf da ist, sind wir häufiger nach Gressenich gekommen. Dort ist ja auch die Schutzhütte weggekommen. Nach einer Zeit hat sich das aber etwas im Sande verlaufen, die Jugendlichen haben sich nicht mehr so häufig blicken lassen. Vielleicht haben sie einfach keinen Bock mehr, oder so. Aber das macht eigentlich nichts. Ich habe trotzdem Kontakt zu ihnen aufbauen können. Auch wenn sie nicht in meinen Bus reinkommen, grüßen sie mich immer freundlich, wenn ich vorbeifahre.

Wie ist die Jugendstruktur in Stolberg aus Ihrer Sicht?

Moonen: Ich habe natürlich keinen kompletten Überblick. In meiner Arbeit, und das bezieht sich natürlich nicht nur auf den Jugendbus, komme ich vielleicht mit 300 Stolberger Jugendlichen in Kontakt. Und mein Eindruck ist, dass die Jugendlichen total unterschiedlich sind. Bei den Jugendzentren in der Innenstadt ist es so, dass viele der Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben. Das hört sich für manchen vielleicht nach einem Problem an, ist es aber gar nicht. Die Jungs, die hierher kommen, sind total nett und echt witzig. In Breinig, wo wir mit dem Bus hinfahren, gibt es einen großen Zusammenhalt in der Jugend. Jeder aus dem Dorf gehört dazu, niemand wird ausgeschlossen. Da kann man auch seine kleine Schwester mitbringen, die darf dann auch mitspielen. (lacht)

Wie würden Sie bei Ihrer Arbeit ihre Aufgabe, ihre Ziele definieren?

Moonen: Ich finde es schön, wenn Jugendliche selbst aktiv werden, wenn sie selbst etwas unternehmen. Wir haben vor Kurzem beispielsweise einen Film gedreht. Die Jugendlichen haben Ende September im vergangenen Jahr begonnen, den Film vorzubereiten. Und ich finde es schon ziemlich krass, dass die da zehn Monate drangeblieben sind. Die haben geübt, Texte geschrieben, Drehbuch geschrieben. Als der Film fertig war, haben wir ihn auch in Stolberg vorgeführt. Natürlich hatte das keine Hollywood-Qualität, aber es war etwas eigenes. Es ist schön, dass die selbst was probiert haben, und sich raus aus ihrer Komfortzone bewegt haben. Früher war ich immer enttäuscht, wenn ich ein großes Projekt auf die Beine stellen wollte, und es kamen nicht 20, sondern nur drei Leute dazu. Dann hat mir jemand gesagt: Sei nicht enttäuscht über die, die wegbleiben. Freue dich über die, die kommen. Und so arbeite ich jetzt auch. Wichtig ist, dass man ins Gespräch kommt.

Was sind das für Dinge, über die die Jugendlichen mit Ihnen sprechen?

Moonen: Die sind schon sehr offen. Die erzählen mir von den Problemen zuhause. Es geht auch schon mal um Beziehungskrach, wenn es mit der Freundin oder mit dem Freund nicht klappt. Dann interessieren die sich natürlich auch für mich. Ich bin Niederländer, und die wollen immer wissen, wie gewisse Dinge bei uns laufen, und was im Vergleich zu Deutschland anders ist. Aber die binden mir auch manchmal einfach auf die Nase, dass sie mein Handy blöd finden. (lacht)

Was fehlt den Jugendlichen in Stolberg?

Moonen: Ehrlich gesagt erlebe ich immer nur Ältere, die sagen, es gebe zu wenig für Jugendliche in dieser Stadt. Von den Kids selbst höre ich das eigentlich nie. Und ich persönlich finde, solange die nichts kaputt machen oder irgendwelche Leute beschimpfen, ist das schon okay. Es gibt so diese Idee, dass Jugendliche permanent bespaßt werden müssen...

Das ist aber nicht Ihre Idee, wie es scheint...

Moonen: Nein, absolut nicht. Meinetwegen können die Jugendlichen einfach zum Schlafen in den Jugendbus kommen und ich wecke sie wieder, wenn ich nach Hause fahre. Was ich sagen will ist: Die müssen nicht unbedingt etwas in unseren Augen „Sinnvolles“ machen, können sie aber. Wir haben im Bus ja unsere Küche. Ich frage aber nie, ob die Jugendlichen etwas kochen wollen. Das müssen sie schon selbst organisieren und machen. Dann wird gemeinsam überlegt, was man essen will, wie viel man einkaufen muss, und wer dann welche Aufgabe übernimmt. Spülen ist meistens ein Problem, aber das ist es ja fast überall (lacht). Die Kids sollen selbst Verantwortung übernehmen, darauf kommt es mir an.

Was sagen Sie den Leuten, die über die Jugendlichen von heute nur schimpfen?

Moonen: Die haben recht! (lacht). Nein, Scherz beiseite. Die sind nicht faul und zocken nur. Ich glaube, sogar im Mittelalter und bestimmt auch bei den alten Ägyptern haben die älteren Menschen über die Jugend geschimpft. Sehen Sie: Natürlich ist es schade, dass in Gressenich aktuell keiner in meinen Bus kommt. Dann denke ich mir aber: Ich habe Spielekonsolen im Bus, und die Jugendlichen gehen lieber Fußball spielen. Das finde ich dann wiederum ziemlich cool. Die beschäftigen sich schon selbst. Oder schauen Sie sich das Jugendparlament an: Die engagieren sich sehr für Stolberg, für die Jugendlichen und auch für die anderen Bürger.

Vereine und Institutionen, denen die Jugendlichen ausgehen: Was machen die falsch?

Moonen: Ganz ehrlich: Ein Rezept dafür habe ich auch nicht. Wir müssen auch immer wieder ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Um mehr Kids anzulocken, habe ich auch schon mal geschrieben, dass es rund um den Jugendbus immer ganz viele Pokémons zu fangen gibt (lacht). In Breinig kommen ja immer ziemlich viele, Und dann versuche ich schon mal, die Ideen der Jugend aus Breinig auch in Gressenich umzusetzen, in der Hoffnung, damit die Jugendlichen anzusprechen. Manchmal klappt das, manchmal nicht.

Wie hat sich denn die Jugendarbeit aus Ihrer Sicht geändert?

Moonen: Ich glaube, dass die Zeiten, in denen die Jugendlichen ausschließlich zum Jugendtreff kommen, vorbei sind. Was bekommen sie da? Wir bieten denen Spielekonsolen an, die die meisten von denen selbst zuhause haben, Und zuhause müssen sie nicht mal mit anderen teilen und auch nicht Schluss machen, wenn wir den Laden schließen. Aber es passiert heute viel in der digitalen Welt, und da müssen wir dran bleiben. Ich bin beispielsweise in vielen WhatsApp-Gruppen mit Stolberger Jugendlichen, auch über Facebook stehen wir in Kontakt. Und habe darüber auch schon viel Hilfsbereitschaft erfahren. Wir hatten hier im Amt einen Umzug durchzuführen, und ich habe einfach mal über diese Gruppen gefragt, ob jemand helfen kommt. Kurze Zeit später standen die hier auf der Matte. Das hat mich sehr gefreut. Man muss jedenfalls die neuen Medien nutzen.

Gibt es aus Ihrer Sicht etwas, wo mehr gemacht werden müsste?

Moonen: Ende des Jahres werden wir mal eine Auswertung machen und schauen, wie wir im nächsten Jahr weitermachen. Ein Musikfest zu machen, das wäre schön, ein von Jugendlichen komplett organisiertes Festival mit Stolberger Bands zum Beispiel. Man kann natürlich immer mehr machen als jetzt. Aber wissen Sie, es gibt nicht nur die Jugendlichen in Stolberg, es gibt auch andere Gruppen, um die man sich kümmern muss. In Gressenich steht unser Bus zum Beispiel direkt beim Seniorenzentrum. Ich frage mich: Wie verbringen in Zukunft die älteren Menschen auf den Dörfern ihren Tag? Welche Möglichkeiten haben die? Oder kleine Kinder: Für die muss auch viel gemacht werden. Von daher will ich mich nicht beschweren.

Was steht nach den Herbstferien an?

Moonen: Im Winter wird es zu kalt, um stundenlang im Bus rumzusitzen. Darum gibt es immer eine Winterpause. Wir werden jetzt das Jahr Revue passieren lassen und überlegen, was wir im kommenden Jahr besser machen können. Vielleicht überlegen wir uns für den Bus neue Standorte. Ab März, April sind wir dann wieder mit dem Bus auf Tour.

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