Stolberg-Vicht - Sopranistin Angela Buzari: Musik und die Medizin als Leidenschaft

Sopranistin Angela Buzari: Musik und die Medizin als Leidenschaft

Von: Jule Klieser
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Fasziniert von Musik Medizin: Sopranistin Angela Buzari pendelt zwischen dem Haus ihrer Mutter in Stolberg-Vicht und Lübeck. Am Sonntag gibt sie ein Konzert in der Finkenbergkirche.

Stolberg-Vicht. Angela Buzari ist eine in Stolberg bekannte Sopranistin. Sie wohnt unter der Woche in Lübeck, wo sie in Medizin promoviert. Oft aber hält sie sich in ihrem Elternhaus bei ihrer Mutter in Vicht auf. Am Sonntag wird sie wieder bei einem Konzert in der Finkenbergkirche zu hören sein. Im Interview erzählt sie über die Musik, das Singen und ihren Beruf.

Buzari – der Name klingt fremdländisch.

Buzari: Ja, ich habe persische Wurzeln. Mein verstorbener Vater war Perser, meine Mutter ist Deutsche. Leider spreche ich kein Wort Farsi.

Wann und wie haben Sie zur Musik gefunden?

Buzari: Das kam sehr früh. Musik war immer Teil meines Lebens. Im Kindergarten habe ich Blockflöte gespielt. Schon als Baby habe ich gern mit Rasseln gespielt und dazu gequietscht, erzählt meine Mutter. Als Schülerin hatte ich Blockflötenunterricht und etwas später auch Klavierunterricht.

Und wann haben Sie den Gesang für sich entdeckt?

Buzari: Das war in den USA, wo ich ein Jahr lang im Schüleraustausch der 11. Klasse die High School besucht habe. Dort besuchte ich eine Chorklasse, die war ziemlich professionell, mit anspruchsvoller Musik. Es wurde jeden Tag gesungen, auch mit Gehörbildung und einzelnem Vorsingen. Es gab viele Wettbewerbe, von der Schule organisiert, und die Wettkampfatmosphäre war positiv geprägt. Das hat Spaß gemacht, und das waren meine Anfänge. Als ich 16 war, habe ich in Breinig mit Gesangsunterricht angefangen.

Wie ging es dann weiter mit dem Singen? Wo sind Sie aufgetreten?

Buzari: Beim Schultheater in Vossenack, wo ich das Gymnasium besuchte, war ich in der Musical AG. Parallel dazu habe ich entdeckt, dass mir die klassische Musik viel bedeutet. Sie prägt das Stimmbild und treibt die Stimmentwicklung voran. Ich habe bei Wettbewerben im Klavierspiel und Gesang mitgemacht, durch die Kirchenchorleiterin hatte ich kleine Auftritte. Später machte ich Meisterkurse bei Kurt Widmer (Basel) und Gerd Uecker (Lübeck). In den letzten Jahren wurde ich zu Gastspielen nach Hamburg, Dresden, Berlin und Stuttgart eingeladen.

Was fasziniert Sie am Singen?

Buzari: Es ist in erster Linie die Musik, der Klang, der einen aus dem Hier und Jetzt herausnimmt. Das kann man durch nichts erfahren als durch die Musik. Ich bin nie persönlicher als im Moment des Singens. Es ist ein schmaler Grat, der auf der einen Seite in die komplette Selbstaufgabe geht. Gleichzeitig muss ich so sehr in mir selbst sein, um etwas weitergeben zu können. Man merkt, dass immer eine Entwicklung da ist. Es ist ein lebenslanges Lernen und Entdecken. Fortwährend gibt es Veränderungen und man lernt sich in diesem Singen selber kennen.

Sie sind Medizinerin. Haben Sie je in Erwägung gezogen, die Musik zum Beruf zu machen?

Buzari: Ich habe eine ganze Weile überlegt und kam zu dem Schluss, dass ich ein Gefühl der Sicherheit brauche und nicht völlig von der Musik abhängig sein will. Ich wollte mir die Freude daran bewahren, ganz ohne Druck. Es gibt so viele gute Sängerinnen.

Warum haben Sie Medizin studiert?

Buzari: Weil ich es auch schon immer wollte. Mein Vater war Arzt und auch andere in der Familie. Ich war als Kleinkind schon mit in seiner Praxis, und es hat mich immer fasziniert. Ärztin war mein erster klarer Berufswunsch. Ich finde, es ist auch gar nicht so weit weg von der Musik. Es hat auch mit dem menschlichen Körper zu tun. Von den Kenntnissen über Atem, Muskeln, Kehlkopf habe ich beim Singen profitieren können. Die Medizin ist sehr kopflastig, und in der Musik darf ich gar nicht kopflastig sein. Das ergänzt sich gut.

Haben Sie ein Lieblingslied? Welche Musik sagt Ihnen am meisten zu und was umfasst Ihr Repertoire?

Buzari: Im Moment ist das „Ave Maria“ aus „Othello“ mein Lieblingslied. Aber das ändert sich schnell. Ansonsten bin ich in sakraler Musik zu Hause. „Messias“, das Weihnachtsoratorium von Bach, Händelopern. Die Barockepoche mag ich sehr. Ich bin ein lyrischer Sopran, etwas leichter. Darum sind auch Mozartopern sehr gut für mich geeignet oder Verdi. Auch Kunstlieder von Schubert und Schumann. Eben sehr breit gefächert.

Haben Sie noch andere Lieblingsbeschäftigungen?

Buzari: Die Musik füllt schon viel meiner Zeit aus. Ich lese gerne, spiele oft Klavier, nur so für mich. Außerdem zeichne ich gerne, Landschaften und Porträts. Die Natur liebe ich sehr.

Sie fahren am Wochenende nach Hamburg zu einer Veranstaltung mit dem Dalai Lama. Was verbindet Sie mit dem Dalai Lama?

Buzari: Vom Vortrag des Dalai Lama in Hamburg habe ich durch eine Cousine erfahren. Der Vortrag steht unter dem Titel „Menschliche Werte leben“. Ich finde ihn faszinierend. Er stellt ein Wertesystem auf, das über die Religionen hinaus geht und das Einende herausstellt. Er ist für Toleranz, Gewaltlosigkeit und Vergebung, das sind Schlüsselelemente für Lösungen der großen Probleme in unserer Zeit.

Haben Sie eine religiöse Orientierung?

Buzari: Ich bin katholisch und mit dem Kloster Zweifall freundschaftlich verbunden. Ich kenne die Schwestern von Kindesbeinen an. Ich spiele sonntags die Orgel im Kloster. Es ist eine süße Orgel, klein und ohne Fußpedale. An die 40 Menschen kommen um acht Uhr morgens in das Kirchlein. Ich empfinde das Kloster als geistiges Zentrum der Region, wo Glaube lebendig praktiziert wird.

Was haben Sie in Zukunft vor? Gibt es einen Wunschtraum?

Buzari: Zuerst möchte ich meine Promotion beenden und die Facharztausbildung absolvieren. Und natürlich die Gesangsausbildung fortsetzen, bald noch einmal an einem Meisterkurs teilnehmen. Ich bin zur Zeit ganz zufrieden, es gibt keinen ganz großen Traum. Vielleicht einmal in einem ganz großen Opernhaus auf der Bühne zu stehen. Wichtig ist, dass es den Menschen, die ich liebe, gut geht. Eigentlich kann alles so bleiben wie es ist.

Können Sie uns etwas zum Konzert am Sonntag sagen?

Buzari: Wir haben den Schwerpunkt auf marianische Gesänge gelegt. Das sind sakrale Werke aus mehreren Sätzen zur Verehrung der Muttergottes. Wir versuchen, diese „Salve Regina“, „Ave Maria“ oder „Magnificat“ über verschiedene Epochen zusammenzustellen. Für mich sind es die schönsten Melodien und Arien. Sie haben eine Zeitlosigkeit und ziehen sich durch alle Epochen. Wir haben Stücke von Händel und Charpentier dabei, aber auch die Arie der Desdemona aus Verdis „Otello“. Ein ergreifendes Stück. Da muss ich aufpassen, dass es mich beim Singen nicht zu sehr ergreift! Es ist ein Bittgebet der Gläubigen um Beistand. „Jetzt und in der Stunde unseres Todes“, singt Desdemona. Es ist die Szene, bevor sie stirbt. Eine Intensität, die tief bewegt.

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