Stolberg - Sonnenfinsternis in der Atsch und in Zweifall

Sonnenfinsternis in der Atsch und in Zweifall

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Spezielle Schutzbrille auf und Blick nach oben: Freitag gegen 10.30 Uhr ist die größte Bedeckung der Sonne zu sehen. Foto: Kinkel

Stolberg. Verzieht sich der Nebel, der für Freitag Morgen angekündigt ist, noch rechtzeitig? Wolfgang Reiff vom Deutschen Wetterdienst kündigte zwar Nebel an, der werde sich im Laufe des Vormittages aber in weiten Teilen des Landes verziehen. In unserer Region könne es aber „etwas knapp werden“. Mal sehen, ob wir sie sehen, die Sonne, die sich verfinstert.

Auf jeden Fall hat kurz vor der totalen Sonnenfinsternis, die hierzulande als partielle Verfinsterung zu erleben ist, ein riesiger Ansturm auf die Schutzbrillen eingesetzt. Die meisten Optiker in der Kupferstadt melden „ausverkauft“. Privatleute wie Schulen hätten Brillen bestellt und gekauft wie verrückt.

„Wir haben am Montag 600 Schutzbrillen nachbestellt und jetzt etwa 1000 insgesamt verkauft. Wir hätten aber locker 6000 Sofi-Brillen verkaufen können“, sagt Michael Osthoff von Optik Stockhausen. Am Donnerstag sei noch ein Vater aus Köln gekommen, um zwei der begehrten Brillen für seine Kinder zu ergattern.

Schutz für die Augen wichtig

Und was ist mit Stolbergs Kindern? Das Schulministerium weist darauf hin, dass „die Lehrkräfte aktiv Aufsicht führen, den Schülern Hinweise zur Benutzung des Sichtschutzes geben und über die Gefahren informieren“. Es weist ausdrücklich auf den Schutz der Augen hin. So müsse – auch bei einer partiellen Sonnenfinsternis – unbedingt darauf geachtet werden, dass niemand mit ungeschütztem Auge die Sonnenfinsternis betrachtet.

Es ist nämlich so, dass bei unzureichendem Schutz der Augen die Netzhaut in kürzester Zeit derart geschädigt werden kann, dass das Sehvermögen dauerhaft eingeschränkt oder möglicherweise gar vollständig verloren geht. „Nach alledem ist zu überlegen, ob nicht im Rahmen des Unterrichts die Betrachtung dieses Naturschauspiels durch eine Projektion auf einem Schirm möglich ist“, heißt es in dem Ministeriums-Schreiben.

Einige Kolleginnen würden genau das auch machen, erklärt Hille Breuer. Doch wenn es um die Gesamtheit der 281 Kinder der Grundschule Donnerberg gehe, so die Schulleiterin, „werden wir die Sonnenfinsternis nicht anschauen“. Obwohl es sich sicherlich um ein einmaliges Naturschauspiel handele, „steht für uns die Sicherheit der Kinder unbedingt im Vordergrund“, betont Breuer. Es könne nicht gewährleistet werden, dass alle Kinder eine entsprechende Schutzbrille tragen. Also: Pause vorziehen, Rollos runterlassen und in der Klasse bleiben heißt es an der Höhenstraße.

Genau so hält es auch Marie-Theres Schmitz von der Grundschule in Breinig. „Wir haben die Pausenzeiten verschoben und bleiben in den Klassen“, sagt die Schulleiterin. Von der Aufsicht her sei das bei 243 Kindern schlichtweg zu aufwendig, „und wir bekommen jetzt auch nicht mehr Brillen für alle Kinder“. Das weiß Irmgard Remmert ebenfalls zu berichten, trotzdem hat die Schulleiterin der Grundschule Bischofstraße zugegriffen und immerhin noch 30 „Sofi-Brillen“ bekommen.

An der Büsbacher Grundschule kann schon allein deshalb keine „Ausgehsperre“ verhängt werden, weil die Kinder über den Schulhof müssen, um mal zu müssen – die Toiletten sind nicht im Hauptgebäude. „Wir wählen die sichere Möglichkeit, habe ich überlegt, schauen uns die Sonnenfinsternis also im Internet an“, erklärt Remmert.

Auf „Nummer sicher“ geht auch die Grundschule Gressenich. Per Livestream im Netz verfolgen Schüler wie Lehrer das Spektakel, sagt Hildegard Lüttecke. „Wir haben aber auch 50 Brillen bestellt, damit die Kinder in Gruppen raus können, so haben wir eine bessere Übersicht. Alle Kinder auf einen Schlag raus? Das ist uns zu unsicher, gerade bei den Erstklässlern“, so die Schulleiterin.

Gibt es Grundschulen in Stolberg, in denen alle Schüler in den Genuss kommen, mit entsprechendem Schutz gen Himmel zu blicken? Ja, es gibt sie, zum Beispiel die Grundschule Zweifall. „Wir haben für alle 164 Kinder Brillen bestellt. Und dann behandelt jede Klasse das für sich“, erklärt Leiterin Ute Esser. Eine vierte Klasse mache ein größeres Event draus, beim Ausflug mit einer Mutter, die Biologin sei, gehe es auf die Wiese zum Sonnenfinsternis-Erlebnis.

„Atsch steht draußen, tutto completo“, sagt Christa Sawalies. 180 Sonnenfinsternis-Brillen habe sie bestellt, „wir gehen raus, stellen uns auf den Schulhof und hoffen inständig, dass wir einen Hauch sehen“, so die Leiterin schmunzelnd.

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