Stolberg-Breinig - Soll Brauchtum werden: Mit lautem Knall Geister vertreiben

Soll Brauchtum werden: Mit lautem Knall Geister vertreiben

Von: Dirk Müller
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In München ist es schon lange Tradition: So könnten die Schützen mit ihren Böllern demnächst auch durch Stolberg ziehen. Foto: stock/Lindenthaler
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Günter Blaszczyk, Abteilungsleiter Thomas Weiss und Brudermeister Günther Lehnert (v.l.) bringen das Böllern nach Breinig. Foto: D. Müller

Stolberg-Breinig. Die Kupferstadt ist um ein Brauchtum reicher, denn innerhalb der Breiniger St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft hat sich eine neue Unterabteilung formiert: die Böllerschützen. „Diese Tradition geht bis in das 15 Jahrhundert zurück, und geböllert wurde schon im gesamten deutschsprachigen Raum“, beschreibt Thomas Weiss.

 Das Brauchtum sollte einst böse Geister und Dämonen abwehren, und gleichzeitig die Natur erwecken sowie das Wetter positiv beeinflussen. An Taufen, Geburtstagen oder Hochzeiten sollte damit zudem Lebensfreude zum Ausdruck gebracht werden. Auch wenn die Böller-Abteilung der Breiniger Schützen noch ganz neu ist, ihr Leiter ist erfahren.

Weiss war 20 Jahre lang bei den Truderinger Böllerschützen aktiv, davon 10 Jahre Brudermeister. Und so gelangte das Brauchtum letztendlich auch in die Kupferstadt. Die Truderinger Böllerschützen aus München sind seit langem mit der Breiniger KG Sündenböcke befreundet. Als Sündenbock André Hennecken 2011 Burggraf wurde, erwiesen die Truderinger ihm die Ehre und besuchten böllernd die Feier in der Burg. Mit dabei ihr 1. Brudermeister Weiss, für den das Burggrafenfest einen weiteren Knall bereithielt: Er verliebte sich in die Büsbacher Tänzerin Jessica Claer, zog von München nach Stolberg, und im Sommer 2012 heiratete das Paar.

Bei Besuchen in München hätten einige Breiniger das Brauchtum des Böllerns kennen- und lieben gelernt, berichtet Günter Blaszczyk, aber „wir haben nicht daran gedacht, diese beeindruckende Tradition nach Breinig holen zu können.“ Doch die Zahl der Interessierten sei stetig gestiegen, so dass man sich entschlossen habe, eine Unterabteilung der Sebastianus-Schützen in Breinig zu bilden. „Wir sind sehr froh darüber, die Böllerschützen in unserer Bruderschaft zu integrieren. Die neue Abteilung belebt unseren Verein, wir bekommen neue Mitglieder und ein Alleinstellungsmerkmal in Stolberg und Umgebung“, sagt Günther Lehnert, 1. Brudermeister der Breiniger Schützen.

Die Böllerschützen-Abteilung sei derzeit 15 Mitglieder stark, rund zwei Drittel von ihnen sind neue Mitglieder der Bruderschaft. „Auch im Gespräch mit Brudermeistern anderer Vereine zeigte sich schon, dass das Interesse am Böllerschießen groß ist“, beschreibt Lehnert. Einfach sei es allerdings nicht gewesen, das Brauchtum ausüben zu können, erklärt Blaszczyk: „Wir benutzen Handböller, und da wir keine Geschosse abfeuern, ist das Waffengesetz für uns nicht relevant. Wohl aber das Sprengstoffgesetz, denn die Handböller sind Lärmgeräte und werden mit Schwarzpulver betrieben.“

Jeder einzelne der Breiniger Böllerschützen habe eine Prüfung in Theorie und Praxis ablegen müssen, um dem Amt für Ordnungsangelegenheiten, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz der Städteregion nachzuweisen, dass er die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zum Böllern besitzt. „Wir haben uns alle stundenlang eingelesen und Theorie gepaukt. Dann haben wir einen mehrstündigen Fachkundelehrgang absolviert. Das war auch gut so, denn bei der Prüfung waren die Anforderungen hoch“, führt Blaszczyk aus und verweist darauf, dass alle 15 Breiniger Schützen die Prüfung bestanden haben, während andere Teilnehmer durchfielen.

„Das Entscheidende aber ist, das die Abteilung bestens vorbereitet ist, um die strengen Sicherheitsvorschriften beim Böllern genau einzuhalten“, betont Lehnert. Sicherheit werde bei diesem Brauchtum großgeschrieben, erklärt Weiss: „Die Handböller müssen alle fünf Jahre zum kostenpflichtigen ,Böller-TÜV‘, und jeder Schütze muss regelmäßig nachweisen, dass er ausschließlich im Verein zur Traditionspflege böllert.“ Das Lärmgerät an Silvester oder Karneval „auf eigene Faust“ zu betätigen, sei strikt verboten. Dementsprechend werden die Breiniger Böllerschützen ihr Schwarzpulver auch an einer zentralen Stelle sicher lagern. „Die Lagerstätte wird selbstverständlich auch vom Amt geprüft und abgenommen“, sagt Weiss.

Der Abteilungsleiter und der Brudermeister der Sebastianus-Schützen versichern, dass es wegen der Böllerschützen in Breinig nun nicht ständig krachen werde. „Wir üben ,trocken‘, also ohne Schwarzpulver und ohne Knall“, erläutert Weiss. Die öffentlichen Auftritte der Böllerschützen sollen sich in Breinig auf zwei bis drei Gelegenheiten im Jahr beschränken, auch um den Reiz des Besonderen zu erhalten, sagt Lehnert: „Die Tradition des Böllerschießens soll keine Lärmbelästigung sein, sondern Höhepunkte des Brauchtums darstellen.“

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