So feiern die indischen Christen in Kerala das Osterfest

Von: Schwester Lissetta Munduparambil SABS
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Manchmal sehnen sie sich nach dem Osterfest indischer Tradition, freuen sich aber auch auf die Osterfeierlichkeiten in Deutschland: die Schwestern der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg/Eschweiler/Kerala. Indien ist kein christliches Land, es ist ein multireligiöses Land. Menschen verschiedener Religionen leben hier zusammen. Das Land ist zu 80 Prozent vom Hinduismus geprägt. Doch ist der christliche Glaube seit 2000 Jahren in Indien beheimatet.

Der Überlieferung nach missionierte der Apostel Thomas mit seinen Anhängern Südindien. Daher nennen sich die Christen in Kerala „St. Thomas Christen“. Zu ihnen gehören auch wir indischen Schwestern. Wir feiern die Liturgie in syro-malabarischem Ritus.

Auch viele Elemente der Osterliturgie sind ähnlich, aber vor allem Brauchtum gibt es in Indien Unterschiede. In unserer Heimat, im Bundesstaat Kerala, sind die St.-Thomas-Christen weit verbreitet. Insgesamt sind die Christen mit 2,5 Prozent in Indien eine Minderheit, in Kerala aber gehört fast jeder Vierte zu den Christen der verschiedenen Riten.

Aschenkreuz am „Rosenmontag“

Auch in Kerala ist die Zeit vor Ostern eine besondere Zeit der Vorbereitung. Die Fastenzeit beginnt aber nicht am Aschermittwoch, sondern schon am Montag mit dem Aschenkreuz. Karneval gibt es in Kerala nicht. Die Fastenzeit wird von den meisten Christen in Kerala ernst genommen, es wird auf Fleisch oder Fisch verzichtet. In den Gemeinden werden zudem Exerzitien verpflichtend angeboten, um durch geistliche Übungen die Fastenzeit bewusst zu erleben.

Die Feier der Karwoche beginnt am Palmsonntag mit der Palmprozession. Viele Menschen tragen Kokospalmzweige in den Händen. Gesänge und Gebetsrhythmen sind nicht europäisch, sondern landestypisch.

Messe dauert über zwei Stunden

Die Kirchen in Kerala sind bei den Gottesdiensten der Karwoche und des Osterfestes meistens voll. Ein Festgottesdienst zum Palmsonntag dauert über zwei Stunden. Viele Gebete, Wiederholungen und Gesänge prägen einen Gottesdienst nach der syro-malabarischen Liturgie. Am Gründonnerstag beginnt der Gottesdienst schon morgens um 7 Uhr.

Die Fußwaschung ist ein selbstverständliches Element dieses Gottesdienstes. Dann folgen den Tag über stille Anbetung und am Abend die Feier des Abendmahls. Danach gibt es zu Hause eine besondere traditionelle Zeremonie: Die ganze Familie kommt zusammen, betet und liest in der Bibel die passenden Stellen. Jede Familie bereitet ein besonderes Brot vor: Kurisappam. Es dürfen alle essen. Der Vater teilt das Brot an alle Mitglieder in der Familie aus. Es soll an das Brot erinnern, das die Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten gegessen haben, und das sie heute noch zum Pessachfest verzehren.

Ungesäuertes Brot verteilte Jesus auch beim letzten Abendmahl an seine Jünger. Das Teilen des Brotes am Gründonnerstagabend stärkt das Gemeinschaftsgefühl in besonderer Weise.

Am Karfreitag haben wir vormittags um 8 Uhr Karfreitagsliturgie. Nachmittags um 15 Uhr gibt es eine Trauerprozession, bei der Christi Leichnam als Statue in einem mit Blumen geschmückten Sarg getragen wird. Nachher kommen die Gläubigen zum Sarg und küssen die Christusfigur.

Die Feier der Auferstehungsliturgie beginnt in der Osternacht um 3 Uhr und dauert drei Stunden. Später wird zu Hause mit einem festlichen Essen weitergefeiert.

Abgeschlossen werden die Osterfeierlichkeiten am Sonntag nach Ostern mit einem großen Festtag, der dem Heiligen Thomas gewidmet ist. Er heißt auch der „Neue Sonntag“.

Sehnsucht nach der Heimat

Für die Christen ist die Auferstehung Jesu das zentrale Ereignis ihres Glaubens. Osterfeuer und Osterkerze, auch Ostereier haben in Kerala keine Tradition. In Kerala legt man Wert auf die bildliche Darstellung von Tod und Auferstehung Christi – ähnlich einer Weihnachtskrippe.

Ostern wird bei allen Christen als höchstes Fest gefeiert. Der Tod wird nicht als Ende, sondern als Neubeginn eines neuen Lebens gesehen. Ostern verkündet uns einen lebendigen Gott, eine Wirklichkeit, die uns allen gilt: Ich bin auferstanden und bin immer bei dir. „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Matthäus 28,5)

Wir indischen Schwestern feiern nun schon seit langen Jahren Ostern in Deutschland. Manchmal sehnen wir uns danach, nach indischer Tradition Ostern zu feiern. Aber wir freuen uns auch auf die Osterfeierlichkeiten in Deutschland.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein gesegnetes und frohes Osterfest!

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