„Smaragdgrün“: Denn eigentlich liegt Schottland ja in Breinig...

Von: Heike Eisenmenger
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Im Wintergarten des Kupferhofs herrscht gerade Anspannung. Es heißt: Warten auf die nächste Einstellung. Als Komparse muss man schon ein wenig Geduld mitbringen. Foto: H. Eisenmenger
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Der Herstellungsleiter Thomas Blieninger (links) und Ralf Schreck, zuständig für die Dekoration, kontrollieren hier gerade, ob der Luciaweg für die Szene richtig hergerichtet ist. Foto: H. Eisenmenger
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Im Kupferhof Rosental: Eva Laschet verwandelt sich mit Hilfe von Maskenbildnerin Katja Savinen-Rauber in eine Dame aus den Zwanzigern. Foto: H. Eisenmenger
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Im Park des Kupferhofs bringt Tanzlehrerin Katja Gier den Komparsen die Grundbegriffe des Charleston-Tanzes bei. Foto: H. Eisenmenger
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Maske und Requisite – das bietet sich geradezu an – erledigt das Team im Burghoftheater. Foto: J. Kohnert

Stolberg. Ein Vormittag am Set. Da kommt man auch im Kalender schon mal durcheinander: Schreiben wir gerade das Jahr 1601, 1785, 1925 oder doch 2015?

So wird Schottland bei den heutigen Dreharbeiten zu „Smaragdgrün“ kurzerhand in ein Gehöft an der Stockemer Straße verlegt. Und wenn man denn gerade dabei ist, wird auch in den Jahrhunderten gesprungen: Im Kupferhof Rosen­tal zeigt der Kalender am Donnerstag das Jahr 1925 an.

Im Luciaweg hingegen findet sich der vorbeieilende Passant erstaunt in einer Straßenszene im England des Jahres 1601 wieder. Die modernen Fenster, die das Jahr 2015 verraten würden, sind mit Stoff oder Holz verdeckt.

Aber nicht nur geschickte Dekorateure tragen zur Illusion bei: Auch geschickte Einstellungen. Und natürlich wird auch am PC eine Menge getrickst. Das ist das Schöne am Film: Es ist alles möglich. In der Edelstein-Trilogie „Smaragdgrün“ von Kerstin Gier werden die Grenzen der Physik ohnehin außer Kraft gesetzt. Mit ihren Fantasiebüchern über eine Zeitreise – eine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen – hat die Schriftstellerin einen Beststeller gelandet. Vor allem das junge Publikum ist begeistert. Die ersten beiden Teile, „Rubinrot“ und „Saphirblau“, wurden bereits im Kino gezeigt und waren ein Erfolg. Wie bei den Aufnahmen damals, so dient auch nun wieder die Aachener Region als Kulisse.

Die Hauptdarsteller sind ebenfalls unverändert: Maria Ehrich spielt weiterhin die schöne Gwendolyn und Jannis Niewöhner den wagemutigen Gideons. Die beiden Helden reisen durch die Jahrhunderte und erleben dabei spannende Abenteuer.

Tanzlehrer in Charleston-Szene

Spannend ist auch für Komparse Stefan Hannes aus Düren der Dreh. Er spielt bei einer Charleston-Szene mit. Was ihm nicht weiter schwerfällt, weil er von Beruf Tanzlehrer ist. Allerdings musste er seinen Vollbart opfern: Zu der Zeit, als die Szene spielt, waren Schnauzer in. Für Hannes „kein Ding“, seinen Bart zu opfern und nun als Schnauzträger durchs Leben zu schreiten. Hauptsache, er ist dabei. Der Spaßfaktor steht bei den meisten der befragten Komparsen im Vordergrund. Katja Gier ist auch als Komparsin verpflichtet worden, aber zugleich als Tanzlehrerin. Ihre Aufgabe: einer Gruppe von Statisten die Grundzüge des Charleston-Tanzes vermitteln.

Auf die Zwanziger getrimmt

Für Eva Laschet hingegen, die von einer Maskenbildnerin haartechnisch auf die Zwanziger Jahre getrimmt wird, ist der Dreh mehr als nur eine spannende Erfahrung. „Ich möchte später gerne beruflich in dieser Richtung arbeiten. Egal ob als Schauspielerin oder hinter der Kamera“, erzählt die 23-Jährige aus Aachen.

Verena Kaiser hat bereits ihren Traum zum Beruf gemacht: Sie ist bei dieser Produktion als Jung-Garderobiere gebucht. Es ist kurz vor der Mittagspause, und die 26-Jährige hat alle Hände voll zu tun: Sie verteilt an die Schauspieler und Komparsen Hemden, die als überdimensionales Lätzchen dienen, damit sie sich beim Essen nicht bekleckern. Doch bevor sie die Hemden herausgibt und Accessoires wie etwa eine giftgrüne Federboa einsammelt, wird jeder Schauspieler mit vollständigem Kostüm fotografiert. Eine zusätzliche optische Sicherheit zur Beschreibung, damit sich nicht Fehler einschleichen und jedes Kostüm so bleibt, wie es festgelegt wurde. „Es steckt sehr, sehr viel Arbeit und Vorbereitung in einer solchen Produktion“, weiß die Jung-Garderobiere.

Am Ende eines jeden Drehtages werden die Kostüme eingesammelt. Doch wo bekommt man solche traumhaften Roben? Werden sie im Ausland hergestellt? „Nein, wir lassen sie hier in Deutschland fertigen. Wir haben wunderbare Schneiderinnen. Zum Teil leihen wir uns die Kostüme aber auch aus“, erzählt Kaiser.

Nun, nachdem alle „Lätzchen“ verteilt sind, begibt sich auch die Jung-Garderobiere zum Mittagstisch. Dafür stehen eigens Imbisswagen zur Verfügung. Techniker, Kameraleute, Schauspieler und die beiden Regisseure sitzen gemeinsam auf langen Bänken und lassen es sich schmecken.

Am Set sind alle per Du

Hauptdarsteller Jannis Niewöhner kommt vorbei, er will eine Zigarette rauchen, bevor es wieder ans Set geht. Er ist ein unkomplizierter Typ. Generell ist die Stimmung am Set sehr entspannt, und man ist direkt per Du. Was ihn an der Rolle reizt? Da braucht er nicht lange nachzudenken: „Ich darf in unterschiedlichste Kostüme schlüpfen – das habe ich schon gerne als kleiner Junge getan. Aber es ist nicht nur das: Wir erzählen hier in drei Teilen eine Geschichte, die insgesamt sechs Stunden Filmmaterial ausmacht.“ Man trifft die gleichen Kollegen wieder, mit denen man bereits zusammengearbeitet hat und entwickelt die Geschichte weiter. „Das ist einfach toll.“

Der Kinostart ist für 2016 vorgesehen. Aber bis dahin müssen noch einige Szenen eingefangen werden. Übrigens: Ganz zum Schluss geht es tatsächlich nach Schottland. Für einige wenige Einstellungen. Denn eigentlich ist Schottland ja in Breinig.

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