SkF Stolberg bietet Hilfe zur „vertraulichen Geburt“

Von: Michael Grobusch
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Sie bieten vertrauliche Beratungen für Schwangere in Stolberg an: Katja Bock (v.l.), Claudia Blau und Tanja Koglin vom Team „Rat und Hilfe“ des SkF. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Über mangelnde Beschäftigung kann sich das Team von „Rat und Hilfe“ wahrlich nicht beklagen. Das liegt nicht nur daran, dass der SkF Stolberg sein Angebot aufgrund der Kürzung von Zuschüssen zum Beginn des vergangenen Jahres um eine halbe Stelle reduzieren musste.

Im Gegenteil: Die Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes ist mehr gefragt denn je. Und mit dem Inkrafttreten des neuen Bundesgesetzes zur „vertraulichen Geburt“ ist das Aufgabenfeld seit dem 1. Mai 2014 sogar noch ausgeweitet geworden.

„Der Bedarf an Beratung ist unverändert groß“, stellt Claudia Blau fest. 479 Klientinnen weist die Bilanz von „Rat und Hilfe“ für 2013 auf, 393 von ihnen suchten erstmals den Kontakt zur SkF-Schwangerschaftsberatungsstelle. Die Zahlen im laufenden Jahr bewegen sich in einer vergleichbaren Größenordnung. Die meisten Jugendlichen und Frauen steuern die Geschäftsstelle in der Birkengangstraße an. Aber auch die Außensprechstunden in Alsdorf, Baesweiler und Eschweiler werden stark frequentiert.

Hier wie dort haben Blau und ihre Kolleginnen Katja Bock und Tanja Koglin zwei deutliche Trends ausgemacht: Mehr als 50 Prozent der Hilfesuchenden wenden sich wegen finanzieller Probleme an den SkF. Und immer mehr junge Schwangere fühlen sich überfordert und benötigen Unterstützung. 2013 wurden vom Sozialdienst katholischer Frauen 16 Schwangere unter 17 Jahren beraten, weitere 61 Ratsuchende waren jünger als 21 Jahre.

„Wir sind sehr froh, dass wir im Rahmen der frühen Hilfen unsere beiden Familienhebammen haben“, erklärt Tanja Koglin. Sie können eine Mutter bereits deutlich vor der Geburt und in der Regel bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes begleiten.

Auf eine frühzeitige Kontaktaufnahme zielt auch das neue Angebot zur „vertraulichen Geburt“ ab. Allerdings ist der Rahmen hier ein ganz anderer als bei der „üblichen“ Schwangerschaftsberatung. Denn es geht um Frauen, die zwar ihr Kind zur Welt bringen, dabei aber anonym bleiben wollen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat es in ihren Erläuterungen zum „Schwangerschaftskonfliktgesetz“ so formuliert: „Jede Mutter hat das Recht, bei den Schwangerschaftsberatungstellen vor, während und nach der Schwangerschaft anonym und beschützt Hilfe zu suchen.“

Dies ist auch der Anspruch des SkF Stolberg, dem in diesem System von Vertraulichkeit und gleichzeitiger Anonymität eine entscheidende Rollen zukommt. Nur bei der Beratungsstelle müssen die werdenden Mütter ihre Identität preisgeben. Der darauf basierende Herkunftsnachweis wird anschließend beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hinterlegt.

Für alle weiteren Schritte, beispielsweise bei der ärztlichen Betreuung und der Entbindung sowie gegenüber den Behörden wird dann ein Pseudonym verwendet.

Grundsätzlich umfasst das Angebot zur vertraulichen Geburt zwei Phasen. In der ersten wird versucht, den Betroffenen Handlungsoptionen aufzuzeigen und sie davon zu überzeugen, doch ihre Identität gegenüber ihrem Kind offenzulegen oder dies sogar zu behalten. Möchte die Schwangere letztlich doch anonym bleiben, beginnt die zweite Phase mit der eigentlichen Beratung zur vertraulichen Geburt. Dann geht es auch um die konkreten Rechte des Kindes und des Vaters sowie um das genaue Vorgehen, das mit einer Adoption verbunden ist. Unter Wahrung der Anonymität kontaktiert die Beratungsstelle die beteiligten Stellen – zunächst ein Krankenhaus oder eine Hebamme sowie das Jugendamt, nach der Geburt auch das Standesamt und das Familiengericht.

„Die vertrauliche Geburt hat den großen Vorteil, dass schon vor der Entbindung eine Beratung geboten und ein gesundheitlicher Schutz für Mutter und Kind gewährleistet werden kann“, betont Katja Bock. „Außerdem sieht das Gesetz vor, dass das Kind mit Vollendung des 16. Lebensjahres die Möglichkeit hat, Einsicht in die Daten seiner Mutter zu erhalten.“

Um die Abläufe in der Praxis möglichst zu optimieren, findet heute Nachmittag beim SkF Stolberg ein „runder Tisch“ statt. An diesem werden Vertreter von Krankenhäusern, Jugend- und Standesämtern, Familiengerichten sowie der Adoptionsvermittlungsstellen sitzen. Auch die Träger dreier weiterer Schwangerschaftsberatungsstellen aus der Städteregion Aachen sind vertreten: der Caritasverband für die Region Eifel, die Arbeiterwohlfahrt Aachen-Land und das Alsdorfer Familienberatungszentrum der Diakonie Aachen. Aus der Praxis berichten werden zwei Referentinnen aus Duisburg, wo es, anders als in Stolberg, bereits vertrauliche Geburten gegeben hat.

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