Silberhütte: Kamin als Landmarke der Bleihütte

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
5476640.jpg
Mehr Platz für die Silberproduktion soll es auch in der Raffination der Stolberger Bleihütte geben. Foto: J. Lange
5479350.jpg
Dr. Urban Meurer

Stolberg. Den nächsten Schritt zur Optimierung und Kapazitätserweiterung des Stolberger Standortes packt die Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer (BBH) an. Der Ausbau der neuen Silberhütte durchläuft derzeit das Genehmigungsverfahren bei der Kölner Bezirksregierung.

Rund 25 Millionen Euro investiert das Unternehmen, um bis Ende nächsten Jahres die Produktion von 350 auf rund 800 Tonnen Silber per anno auszuweiten. Das fällt bei der Bleigewinnung in der Kupferstadt als Nebenprodukt ebenso an wie Gold, Wismut oder Antimon. 155 000 Tonnen Blei, 60 000 Tonnen Berzelit, 8000 Tonnen Kupfer-Bleistein und 120 000 Tonnen Schwefelsäure verlassen jährlich das Stolberger Betriebsgelände, wo 2011 ein Umsatz von 580 Millionen Euro erwirtschaftet wurde.

25 Millionen Euro

Während in den Vorjahren als ein erster Schritt bereits in die Verdoppelung der Sauerstoffproduktion und die Optimierung der Drehflammöfen investiert wurde, hat Berzelius dezidiert die Erweiterung der Silberkapazität vorbereitet. Bereits 2010 startete das Projekt. „Die Herausforderung dabei ist, dass während des laufenden Betriebes innerhalb des Bestandes auf dem topographisch eingeschränkten Werksgelände gebaut werden muss“, erläutert Geschäftsführer Dr. Urban Meurer. Platz geschaffen für die Realisierung des dreistufigen Ausbauplans wurde durch den Abriss der ehemaligen Akku-Aufbereitung mitten auf dem Betriebsgelände. Dort entsteht für den Betrieb der Silberhütte ein neues Gebäude für die Vakuumdestillationsöfen und Treibkonverter nebst Sozial- und Nebenräumen.

In der Folge werden die optimierten Seigerkesselanlagen an diesen Standort verlagert, so dass in der Raffination Platz geschaffen wird für zusätzliche sechs Kessel zur Silberproduktion. „Dabei werden alle neu installierten Anlagen auf dem aktuellen Stand von Qualitäts- und Umweltschutzerfordernissen sein“, betont Dr. Meurer.

QSL-Technologie

Neben einer weiteren Filteranlage soll ein zusätzlicher Kamin zur Abgasbehandlung auf dem Firmengelände errichtet werden. Nach den derzeitigen Untersuchungen und Abstimmungsgesprächen mit den zuständigen Behörden wird der Schornstein eine Höhe von 99 Meter erreichen.

Mit der Kapazitätserweiterung erhöht die Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer auch kontinuierlich die Zahl ihrer Beschäftigten auf rund 270 bis Ende nächsten Jahres. Neu eingestellt ist bereits ein Ingenieur, der den Aus- und Aufbau der Silberhütte als „sein Baby“ von Anfang an begleitet. Qualifiziertes Fachpersonal soll auch im gewerblichen Bereich das Team geschult und fundiert komplettieren. Das Stolberger Unternehmen sorgt durch seine Investitionen auch für einen deutlichen wirtschaftlichen Impuls bei regionalen Unternehmen. So sind beispielsweise die neuen Vakuum-Induktionsöfen bereits beim Lammersdorfer Produzenten Otto Junker GmbH geordert – einer der Schwerpunkte der Investition im Tal der Vicht, die die Auslastung der Hütte weiter optimieren soll.

Eine Stärke ist das breite Produktportfolio der Stolberger, die dank der einzigartigen und ressourcenschonenden QSL-Technologie in der Lage sind, komplexe Bleikonzentrate zu verarbeiten. Als Tochter der Berzelius-Gruppe mit Sitz in Braubach und der europäischen Ecobat Ltd. gehört das Werk am Binsfeldhammer zur Quaxco-Holding, die mit Sitz im texanischen Dalles der weltweit größte Bleiproduzent ist. Seitdem wurden erhebliche Summen in Stolberg investiert, die sowohl einer Steigerung der Kapazitäten wie auch einem verbesserten Umweltschutz zugute kamen. 42 Millionen Euro flossen bereits im ersten Jahren dieses Jahrhunderts.

Die gesamte Rohstoffanlieferung wurde ebenso in einer 140 Meter langen Halle eingeschlossen wie die Raffination. Seit 2006 sorgt ein modernes Prozessleitsystem mit über 50 automatischen Messpunkten für eine optimale und umweltschonende Fertigung. Anfang 2007 ging eine moderne Abwasserbehandlungsanlage in Betrieb, 2008 wurden acht neue Schwefelsäuretanks errichtet. 2009 wurden 7,5 Millionen Euro investiert in das neue Verfahren „Bayqik“, das die Stolberger gemeinsam mit Bayer Technology Services (BTS) aus Krefeld entwickelt haben, um Kapazität und Energieeffizienz steigern und Emissionen noch weiter reduzieren zu können. „Wir sind die sauberste Bleihütte der Welt“, sagt Dr. Urban Meurer mit Stolz und hofft auf eine weiterhin reibungslose Umsetzung des Zeitplans, damit die aktuelle Investition auch innerhalb des Finanzplans bleibt.

„Keine Bedenken“

Aus Sicht der Stolberger Verwaltung spricht nichts dagegen. Sie empfiehlt dem am 16. Mai tagenden Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr ihrer planungsrechtlichen Stellungnahme zuzustimmen, die die Stadt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens bei der Bezirksregierung abgeben darf. „Es bestehen keine planungsrechtlichen Bedenken gegen die Herstellung des gemeindlichen Einvernehmens“; es „darf nicht versagt werden“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung für die öffentliche Sitzung.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert