Sie geben dem Krankenhaus ein Gesicht

Von: Valerie Barsig
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Zeit und ein offenes Ohr: Die Damen von der Patientenhilfe geben den Kranken das, was Ärzte und Krankenhauspersonal nicht immer geben können. Foto: stock/Gustavo Alabiso

Stolberg. Es sind die kleinen Dinge: Patientin Ida K. ist schon eine ganze Weile im Bethlehem Krankenhaus in Stolberg. Sie hat Krebs. Nach einer Operation bekommt sie noch stationär eine Chemotherapie, die mehrere Wochen dauert.

Die Prozedur ist unangenehm, ständig hat sie Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern um sich, die in ihr Zimmer hineinhuschen, Zugänge legen, Infusionen überprüfen oder kurz informieren. Wirklich viel Zeit bleibt dem Krankenhauspersonal nicht für sie – denn es warten noch viele Patienten, die versorgt werden wollen. Auch Idas Familie hat nicht jeden Tag Zeit, sie zu besuchen.

Solche oder ähnliche Fälle erleben die Damen von der Patientenhilfe im Krankenhaus häufig. Genau für solche Patienten, wie für Ida K., sind sie ein Geschenk: Sie besuchen Patienten von montags bis freitags, machen kleine Erledigungen, gehen für die Patienten zur Bank oder zu Behörden. Noch viel wichtiger ist allerdings, dass die Damen von der Patientenhilfe das mitbringen, was Ärzte oder Krankenhauspersonal nicht hat, und das ist eine Menge Zeit und ein offenes Ohr.

Ehrenamtliche Arbeit

20 Jahre lang gibt es eine solche Damenriege bereits am Bethlehem Gesundheitszentrum. Die ehrenamtliche Gruppe mit ins Leben gerufen hat Gabi Walz. Eigentlich war sie mal Oberstudienrätin, verletzte sich aber schwer an einem Auge. „Damit konnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben“, erklärt sie.Auf der Suche nach neuen Aufgaben startete sie 1994 mit vier weiteren Damen ihren Dienst.

„Damit wurde bei uns im Krankenhaus eine große Lücke gefüllt“, sagt Thomas Schellhoff, ehemaliger Geschäftsführer des Krankenhauses. Er erzählt, dass es am Anfang gar nicht so leicht gewesen sei, die Damen im Haus zu etablieren. „Die Pfleger und Krankenschwestern hätten ja gern mehr Zeit für ihre Patienten gehabt“, sagt er. Das sei aber nicht zu leisten gewesen, deshalb hätten auch sie bald das Engagement der Patientenhilfe akzeptiert.

Die Idee der Helfer im Krankenhaus, die das übernehmen, wofür dem Personal keine Zeit bleibt, stammt aus den USA. Dort sind die sogenannten „Pink Ladies“ für Patienten verantwortlich. Bereits Ende der 60er Jahre baute Brigitte Schröder, damalige Außenministergattin eine evangelische Krankenhaushilfe auf, auf die bald auch eine katholische Hilfe folgte.

Pink war zu sehr Lillifee

„Pink erinnerte in Stolberg eher an Prinzessin Lillifee aus der Grundschule“, scherzt Schellhoff. Daher seien die Damen nicht als pinke, sondern als grüne Damen bekannt. Gabriele Walz tritt nach 20 Jahren als grüne Dame nun zurück. Ihr Zukunftsplan, so erzählt sie, seien noch mindestens 20 Jahre das Oma-und-Opa-Dasein gemeinsam mit ihrem Mann.

„Die Frauen von der Patientenhilfe sind für das Krankenhaus wichtig“, weiß auch Pastor Christoph Schneider. Sie seien diejenigen, die dem Krankenhaus ein Gesicht geben. „Wenn Menschen krank sind, dann braucht es jemanden, der auf ihre Bedürfnisse hört und genau das machen die Damen von der Patientenhilfe.“

Neben Gabi Walz sind es aber auch noch andere, die seit dem ersten Tag dabei sind: Auch Annemarie Nägler und Roswitha Bolz engagieren sich seit 1994 ehrenamtlich. „Ich bin sehr froh, die Damen kennengelernt zu haben“, sagt Geschäftsführer des Krankenhauses, Gábor Szük, der inzwischen knapp ein Jahr im Amt ist.

„Grüne Damen“ deutschlandweit

In ganz Deutschland gibt es die „grünen Damen“, die sich ehrenamtlich um Patienten kümmern. Sie sind aber nicht nur in Krankenhäusern tätig, sondern auch in Altenheimen oder in Altenpflegeeinrichtungen. Rund 11.000 Ehrenamtler sind es allein bei der Evangelischen Krankenhaushilfe. 2013 arbeiteten dort die Ehrenamtler an 475 Krankenhäusern und in 260 Altenheimen. Der überwiegende Teil der „grünen Damen“ sind Frauen.

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