Service-Zentrum mehr als nur ein Kiosk

Von: Jürgen Lange
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Zuversicht am Bahnsteig 43: An
Zuversicht am Bahnsteig 43: Anfang nächsten Jahres wollen Ruth Roelen und Jürgen Spelthann von hier aus das Service-Zentrum nebst Toiletten erreichen können. Foto: J. Lange

Stolberg. Anfang nächsten Jahres möchten Ruth Roelen und Jürgen Spelthann die ersten Brötchen im Stolberger Hauptbahnhof verspeisen und möglicherweise ihre Blusen und Hemden zur Reinigung abgeben oder ihre Fahrräder dort warten lassen.

Möglichst in den ersten Wochen des Jahres 2013 soll das neue Service-Zentrum an dem Verknüpfungspunkt von regionalem und interregionalem Schienenverkehr seinen Betrieb aufnehmen, planen der Projektleiter desDORV, des NRW-Modellprojektes „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum-Versorgung” und die Leiterin der Raumentwicklung bei der Städteregion. Roelen betreut und koordiniert die Untersuchungen, die Spelthann zur Realisierung einer Anlaufstelle mit umfassenden Service am Hauptbahnhof durch­führt. Die Stolberger EVS als Betreiber der Infrastruktur für die Euregiobahn sowie der Aachener Verkehrkehrsverbund treiben mit Unterstützung der Städteregion und der Stadt das Projekt voran, das spätestens zur für Jahresmitte mit der geplanten Einweihung des sanierten Hauptbahnhofes an Fahrt aufgenommen haben soll.

Eröffnung Anfang 2013 geplant

Die Auswertung der im Sommer durchgeführten Fragebogenaktion ist abgeschlossen, in diesem Monat möchte Spelthann mit dem Abschluss der Machbarkeitsstudie das Konzept vorlegen, wie ein attraktives Service-Zentrum in der zentrumsfernen Lage des Hauptbahnhofes auch wirtschaftlich betrieben werden kann. „Dazu wird das klassische Angebot eines Kiosk alleine nicht beitragen können”, bilanziert der Projektleiter nach der Auswertung der Umfrage unter den potenziellen Kunden, „die auf eine ausgesprochen große Resonanz gestoßen ist”, betont Roelen. Ein Rücklauf von über 400 Fragebögen aus der zweitägigen Vor-Ort- und der 14-tägigen Internetpräsenz sowie eine Vielzahl konstruktiver Anregungen und Kritikpunkte über den bisherigen Zustand übertrafen die Erwartungen.

Sicherlich besteht die größte Nachfrage, so gesteht Spelthann ein, nach den klassischen Angeboten eines Kiosk - von Brötchen und Gebäck über Getränke bis hin zu Zeitschriften und postalischen Leistungen. „Doch damit alleine ist es nicht getan”, betont der Projektleiter, der „einen multifunktionalen Ansatz” verfolgt.

Denn ebenso nachgefragt wird beispielsweise eine mit Menschen besetzte Anlaufstelle für Information und Fahrkartenverkauf für den öffentlichen Personennahverkehr. „Das haben 88 Prozent der Befragten als wichtig anerkannt”. Vergleichbar bedeutend wird ein touristisches Beratungsangebot mit Service und Infomaterial angesehen. Weit über 60 Prozent der Befragten halten eine Vermittlung von Übernachtungen am sowie den Bahnhof als Ausgangspunkt für Wanderungen bedeutsam. „Der Bedarf an Kommunikation ist klar ersichtlich”, erkennt Roelen darin auch eine Basis, die für eine Wirtschaftlichkeit erforderliche Kundenfrequenz zu schaffen.

So kann beispielsweise neben den Toiletten ein schneller Internetzugang im Service-Zentrum wartende Reisende anlocken. Wer das neue Angebot entdeckt hat, lernt dann automatisch die Dienstleistungen kennen, „die auf den ersten Blick für einen Bahnhof exotisch erscheinen und bei der Befragung noch nicht so herausgestellt werden”, unterstreicht Spelthann. Beispielsweise die Dienstleistung einer Reinigungsannahme. „Es ist doch praktisch, wenn man mit dem Zug zur Arbeit fährt, morgens seine Kleidung abgibt und sie nach dem Dienst wieder sauber mit nach Hause nehmen kann”, meint Roelen. Die Gelegenheit, en passant Alltägliches zu erledigen, kann Wege ersparen - etwa die zur Post, zum Geldautomaten, zur Reinigung. Oder man nutzt das Angebot von Speisen zum Mitnehmen, liebevoll zubereitet wie von der Großmutter, aber vorbestellt per Internet und zum Abholen parat. Da möchte es Jürgen Spelthann nicht bei der Möglichkeit belassen, sein Fahrrad überdacht abzustellen, belassen, sondern gleich dazu einen Reinigungs- und Reparaturservice sowie Leihräder anbieten. „Die Ausrichtung des Service-Zentrums muss multifunktional sein”, betont der DORV-Projektleiter noch einmal und belegt dies auch mit den Nutzungszeiten und -gruppen.

„Das Service-Zentrum sollte Öffnungszeiten zwischen 6 und 21 Uhr haben”, bilanziert Spelthann, „aber es gibt ein Frequenz-Loch zwischen 9 und 14 Uhr.” Während der Morgenstunden sowie nachmittags und am frühen Abend besuchen weit über 70 Prozent der Befragten die Hauptbahnhof. Das bedeutet für die Mitarbeiter eines Service-Zentrums freie Kapazitäten und eine geringere Nachfrage am späten Vormittag. Zeit, die sinnvoll mit Vorbereitungen für den nächsten Ansturm genutzt werden kann, aber auch freie Kapazitäten, die für zusätzliche Dienstleistungen eingesetzt werden kann, aber in jedem Fall finanziert sein will.

Beispielsweise zur Pflege des direkten Bahnhofsumfeldes. „Die EVS hat signalisiert, dass man sich bei diesem Thema einig werden kann”, sagt Roelen. Aber auch über das direkte Umfeld hinaus sind Erscheinungsbild und Pflegezustand einer der häufigsten Kritikpunkte der Reisenden. „Da ist die Nachricht, dass die Stadt im kommenden Jahr die Rhenania­straße neu ausbauen will, eine gute”, sagt der Projektleiter, denn die Akzeptanz einer Service-Stelle beginne bereits mit dem Bild der Umgebung.

Anschluss ans Hauptgebäude

Immerhin wird das geplante Angebot auf eine starkes Potenzial regelmäßiger Kunden hoffen können. Deutlich über 41 Prozent der Besucher frequentieren den Hauptbahnhof regelmäßig montags bis freitags, weitere sieben Prozent sogar täglich. Die Hälfte der Befragten nutzt die Bahn beruflich, ein weiteres Drittel für die Freizeit. Immerhin machte DORV sieben Prozent Touristen aus; das entspricht dem Anteil derer, die Reisende am Hauptbahnhof lediglich abholen wollen.

Fast 60 Prozent der Befragten reisen mit dem Auto an; ein Viertel sind Umsteiger von Bahn zu Bahn. Zahlen, die den Wunsch nach zusätzlichem Parkraum unterstreichen. Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, einen Förderantrag für den Bau eines Parkdecks mit Skywalk zum Mittelbahnsteig an der Hauptstrecke zu stellen. „Aber dabei muss man aufpassen, dass der Anschluss an das Hauptgebäude erhalten bleibt”, macht Jürgen Spelthann rechtzeitig aufmerksam. „Die Frequenz für das Service-Zentrum sollte nicht gestört werden, anderenfalls gräbt man dem neuen Angebot selbst die Kunden ab”. Das wäre töricht. Denn sollte das geplante Zentrum scheitern, wäre wohl auch endgültig der Versuch gescheitert, ein solches Serviceangebot am Stolberger Hauptbahnhof zu etablieren, mahnt auch Roelen. Die exponierte Lage am Rande der Stadt mache das Vorhaben nicht einfacher. Um das multifunktionale Angebot erfolgreich zu etablieren und flexibel auf Entwicklungen reagieren zu können, möchte sich das NRW-Modellprojekt DORV auch weiterhin in Stolberg engagieren, kündigt Spelthann an.
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