Sensible Operation am Innenstadt-Nerv

Von: Jürgen Lange
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Der erste Bauabschnitt in Salmstraße und Mühlener Ring soll sich nahtlos an die Neugestaltung von Frankental anschließen. Foto: J. Lange
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Die Achillesferse ist einmal mehr die Rathausstraße zwischen Schellerweg und Steinfeldstraße: Das Krankenhaus muss direkt erreichbar bleiben.

Stolberg. Viel Raum für großartige Vorschläge zur Verkehrsführung während des Umbaus von Salm- und Rathausstraße ab Mai 2017 blieb nicht mehr. Zu eng ist die Situation in der Talachse, zu kompliziert sind die Baumaßnahmen, als dass die rund 20 Geschäftsleute bei der Bürgerinformation im Rathaus noch gravierende Alternativen vorschlagen konnten.

Die Planer der Verwaltung hatten bereits im Vorfeld versucht, die Interessen des Einzelhandels so gut es geht zu berücksichtigen. Im Grunde reichen die Ideen zu einer Aufwertung der Haupterschließungsachse für die Innenstadt zurück bis zur Jahrtausendwende. Nachdem im November 1997 mit der Eröffnung des Tunnels der Europastraße (L238) die Umgehungsstraße vollendet war und somit der Durchgangsverkehr sich nicht mehr durch die enge Innenstadt zwängen musste, eröffnete sich der Stadt die Möglichkeit, über Veränderungen von Rathaus- und Salmstraße nachzudenken.

Dabei blieb es auch erst einmal vor allem aus zwei Gründen: Die Politik scheute sich nach den Erfahrungen mit der Fußgängerzone im Steinweg vor weiteren Veränderungen, und wie so oft fehlte einfach das Geld. Erst 2009 wagten sich Rat und Verwaltung mit der Konzeptionierung des Entwicklungskonzeptes für die Talachse wieder an diese „heilige Kuh“.

Mit einer Aufwertung des Stadtbildes, mit mehr Flächen für Fußgänger, Auslagen und Außengastronomie sowie einem Erhalt der geschäftsnahen Parkflächen soll dem Abwärtstrend der Stolberger Innenstadt begegnet werden. Die ersten beiden Maßnahmen des mit dem vom Land zu 80 Prozent geförderten Versuches zur Reaktivierung sind die Umgestaltung von Kaiserplatz und Frankental nebst Bastinsweiher. Bis in den April sollen dort die Arbeiten andauern.

Nahezu nahtlos soll dann die Verkehrsachse angepackt werden. Mit einem ausgiebigen Modellversuch wurde seit Herbst 2013 die zukünftige Verkehrsführung getestet. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde die Neuplanung, die sich optisch am Umfeld von Stadthallen-Vorplatz und Frankental orientiert, auf einer Informationsveranstaltung mit den Bürgern abgestimmt.

Nun bereitet die Verwaltung die Ausschreibung der Arbeiten vor; die Vergabe des Auftrages ist für Ende März eingeplant. „Wir werden in der Ausschreibung eine Konventionalstrafe im Falle einer Überschreitung der Bauzeit verankern“, kündigte Jörg Veltrup, für die Planung zuständiger Abteilungsleiter im Tiefbauamt, an. Der Verwaltung sei bewusst, wie sensibel die Operation am Lebensnerv der Innenstadt und ihrer Geschäfte ist.

Um die Einschränkungen zu minimieren, erfolgen die Arbeiten in fünf kleinteiligen Bauabschnitten, die wiederum durch unterschiedliche Bauphasen gekennzeichnet sind. Der Vorteil einer weitgehenden Erreichbarkeit und geringen Behinderung der Geschäfte ist allerdings auch verbunden mit einer langen Dauer der Arbeiten: Die Innenstadt wird – wenn auch immer nur punktuell – bis in den Advent 2018 eine Baustelle sein.

Dabei „möchten wir die Innenstadtachse fit machen für die nächsten 30 Jahre“, sagte Veltrup und verwies nicht nur auf Verkehr, Aufenthaltsqualität und Parkraum, sondern auch auf die in der Erde schlummernde Infrastruktur, deren Trassen bereits heute kaum geahnte Ausmaße in Rathaus- und Salmstraße annehmen.

Während die städtisches Abwasserleitungen in Ordnung seien und lediglich Hausanschlüsse – in welchem Umfang wird untersucht – erneuert werden müssten, investieren die Versorgungsträger: Enwor legt neue Wassertransportleitungen zwischen Villa Lynen und Rathaus, die Regionetz erneuert 600 Meter Gasleitungen nebst 70 Hausanschlüssen und verlegt über 380 Meter ein neues Strom-Mittelspannungsnetz.

Die Lage der Leitungstrassen wiederum hat ihre Auswirkungen auf den Ablauf der Arbeiten an Fahrbahn und Gehwegen. Wegen der Verlegung der Versorgungsleitungen beginnen die Bauabschnitte 2 und 3 bereits kurz vor dem Abschluss der vorangehenden Bereiche. Alle Bauabschnitte bleiben während der Arbeiten immer als Einbahnstraße befahrbar.

1. Bauabschnitt (1. Mai bis 16. August 2017) Salmstraße: Die Arbeiten beginnen in Salmstraße und Mühlener Ring zwischen Frankental-/ Jordanstraße und Dammgasse zunächst im östlichen Fahrbahn- und Bürgersteigbereich. Die Baustelle kann in Richtung Norden passiert werden; der Jordanplatz bleibt erreichbar. Allerdings wird die Frankentalstraße abgebunden, so dass die Firma KMD ihren Werkverkehr komplett über die Eschweilerstraße abwickeln muss – bis zum 28. Juni. Dann wechselt die Bautätigkeit auf die südwestliche Straßenseite, die Frankental­straße wird wieder befahrbar und der Mühlener Ring bis Dammgasse zur Einbahnstraße. Vom 1. bis 16. August wird der nördliche Teil des Mühlener Rings erneuert; der Jordanplatz bleibt durchgängig erreichbar.

2. Bauabschnitt (1. August bis 12. Oktober) Rathausstraße von Talbahnstraße bis Kupferhof Rosental: Einbahnverkehr ist in Richtung Mühle möglich. Im ersten Abschnitt wird die westliche Fahrbahn- und Bürgersteigseite erneuert. In Samaritanerstraße und Am Bastinsweiher kann eingebogen werden. Der südliche Arm der Talbahnstraße ist abgebunden. Ab 12. September wechseln die Arbeiten auf die östliche Seite. Ein Einbiegen in Samaritanerstraße und Am Bastinsweiher ist nicht möglich; die Talbahn­straße ist wieder angebunden.

3. Bauabschnitt (27. September 2017 bis 27. Februar 2018) Kupferhof Rosental bis Schellerweg: Einbahnverkehr ist in Richtung Mühle möglich. Der erste Abschnitt belegt wiederum die östlichen Straßenseite. Die Rosental­straße ist angebunden – bis zum 8. Januar, wenn die Arbeiten auf die westliche Straßenseite wechseln.

4. Bauabschnitt (27. Februar bis 18. Juli 2018) Schellerweg bis Steinfeldstraße: Dieser Abschnitt ist die Achillesferse des innerstädtischen Verkehrs nicht nur während der Umgestaltung. Prämisse für diese 100 Meter ist die Erreichbarkeit des Bethlehem Gesundheitzentrums für Rettungsfahrzeuge. Das bedingt, dass der Einbahnverkehr vom Schellerweg in Richtung Steinfeldstraße geführt wird, während alle anderen Verkehrsbeziehungen wie derzeit auch aufrecht erhalten bleiben. Sogar während der Arbeiten bleiben die Steinfeldstraße und der Schellerweg durchgängig befahrbar. Bis zum 28. Mai wird an der östlichen Straßenseite gearbeitet, dann folgt die westliche Seite.

5. Bauabschnitt (18. Juli bis 26. November 2018) Steinfeldstraße bis Kaiserplatz: Der Einbahnverkehr fließt wieder in nördlicher Richtung zur Steinfeldstraße hin. Bis zum 30. August wird auf der östliche Straßenseite gearbeitet. Der Kaiserplatz bleibt durchgängig erreichbar. Der Verkehr wird rund um und über den Platz vor dem Rathaus vorbei geführt. Die Rathausumfahrt bleibt gegenläufig befahrbar. Gleiches gilt für den zweiten Teilabschnitt ab 31. August auf der westlichen Straßenseite.

Restarbeiten 2018: Für den 27. und 28. November angesetzt sind das Aufbringen der Asphaltdeckschicht sowie für den 10. und 11. Dezember die Markierungsarbeiten – immer vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Das Stolberg-Ticket

Betroffen von den Straßenarbeiten ist das Liniennetz des Aachener Verkehrsverbundes, der mit zwölf Buslinien durch die Talachse und der Euregiobahn den Mühlener Bahnhof anfährt. Dennoch bleibe für Buskunden die Innenstadt erreichbar. Darauf machte Tobias Röhm aufmerksam.

Auch die Busse der Aseag werden sich an die Einbahn-Regelung in Fahrtrichtung Norden – Ausnahme: Bauabschnitt 4 in Richtung Süden – halten müssen und deshalb in Gegenrichtung über die Europastraße die Innenstadt erst einmal umfahren.

„An der Haltestelle Finkensiefstraße darf dann in die Busse umgestiegen werden, die durch die Innenstadt fahren“, so der Technische Beigeordnete. Außerdem dürfe sowohl mit dem normalen AVV-Fahrschein wie auch mit dem Stolberg-Ticket (Einzelfahrt zu 1,80 Euro im Innenstadtbereich von Schwarzenbruch bis Vicht und Donnerberg bis Büsbach) die Euregiobahn benutzt werden.

Außengastronomie

Eine Aufgabe, die aber nichts mit der Verkehrsführung zu tun hat, gab‘s dann für die Verwaltung mit auf den Weg: „Café Urlichs“ und „Bistro Check In“ möchten bei gutem Wetter eine einheitliche Außengastronomie anbieten. Dort sieht die Planung aber Parkplätze statt breiter Bürgersteige vor. Tobias Röhm regte ein mobiles Podest an, um die Parkbuchten auf Gehweg-Niveau bringen und bestuhlen zu können.

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