Seniorenzentrum-Mitarbeiter wenden sich an den Bürgermeister

Von: Sonja Essers
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Von außen wird das Seniorenzentrum am Amselweg saniert. Im Inneren des Gebäudes scheint die Stimmung zu brodeln. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Diskussionen rund um das Seniorenzentrum auf der Liester gehen in die nächste Runde. Nun melden sich die Mitarbeiter zu Wort und treten den Ausführungen von Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier in einem offenen Brief entgegen. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Situation, sondern auch um die Arbeitsbedingungen in der Einrichtung.

Ist das Seniorenzentrum wirklich von der Insolvenz bedroht? Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Grüttemeier bereits, dass die Einrichtung nicht insolvenzgefährdet sei. In ihrem offenen Brief schildern die Mitarbeiter allerdings eine andere Situation. Grüttemeier und Geschäftsführerin Gabriele Makola hätten dazu völlig andere Aussagen auf der Betriebsversammlung im Juli und auf vorher geführten Gesprächen getroffen. „Beide haben mehrfach von der drohenden Insolvenz der Seniorenwohn- und Sozialzentrum-Betriebsführungs-GmbH für den Fall gesprochen, dass die Zahlung der Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld) oder die fristgerechte Auszahlung von geleisteten Überstunden noch in diesem Jahr, gemäß dem Tarifvertrag, erfolgt“, heißt es in der Stellungnahme. Das bestätigte auch Mitarbeiterin Elke Offermann, die – in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat der Einrichtung – den Brief an Grüttemeier verfasste. „Uns wurde immer wieder gesagt, dass wir pleite sind, wenn wir auf unser Geld bestehen“, sagt Offermann.

Die Relativierungen Grüttemeiers seien „der unglaubliche Versuch, die Beschäftigten in die Ecke der Lügnerinnen zu stellen“. Das wolle man nicht akzeptieren. Grüttemeier und Makola hätten mehrfach auf die drohende Insolvenz und den Unwillen des Rates der Stadt Stolberg hingewiesen, das Senioren- und Sozialzentrum noch in diesem Jahr zu unterstützen, um die Zahlungen möglich zu machen. „Mit diesen Aussagen wurde immer wieder massiver Druck auf uns ausgeübt. Erst als der Vorgang öffentlich wurde, haben Sie, Herr Bürgermeister, zurückgerudert“, heißt es weiter.

Auch die Arbeitsbedingungen in der Einrichtung spielten in der Stellungnahme der Mitarbeiter eine Rolle. „Die permanente Überbelastung aller Kollegen in der Pflege, die andauernden Drucksituationen von Frau Makola auf fast alle von uns sind an der Tagesordnung in unserer Einrichtung.“

Keine Beanstandungen

Die Heimaufsicht der Städteregion Aachen ist allerdings anderer Meinung. „Nach Rücksprache mit der Heimaufsicht kann ich mitteilen, dass der Personalschlüssel in der Einrichtung den Anforderungen entspricht. Derzeit gibt es keine Beanstandungen durch die Heimaufsicht und es laufen im Übrigen auch keine Verfahren oder Anordnungen seitens der Heimaufsicht gegen diese Einrichtung“, erklärte Detlef Funken, der bei der Städteregion für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Auch laut dem medizinischen Dienst der Krankenkassen gebe es derzeit keine Beanstandungen.

Harald Meyer, Gewerkschaftssekretär der Verdi, ordnet die Situation in der Einrichtung auf der Liester so ein: Die Arbeitsbedingungen in dieser Einrichtung seien zwar „katastrophal“. Das sei jedoch in vielen anderen Seniorenzentren ebenfalls der Fall. „Es ist nicht eklatant schlimmer, als in anderen Häusern“, sagt Meyer.

Die Mitarbeiter des Seniorenzentrums jedenfalls wünschen sich „bessere Arbeitsbedingungen, ein besseres Betriebsklima und eine bessere Pflege für die Bewohner“.

Dazu sei es notwendig, die Bezahlung gemäß des Tarifvertrags sicher zu stellen und einen lösungsorientierten Dialog mit den Beschäftigten zu führen. „Wir sind bereit, in einen offenen, von gegenseitigem Respekt getragenen Dialog einzutreten – das stand nie infrage. Wir sind aber nicht bereit, auf unsere gerechte Bezahlung zu verzichten und drangsaliert zu werden. Hier, Herr Dr. Grüttemeier, liegt Ihre Verantwortung. Der müssen Sie gerecht werden“, fordern die Angestellten.

Insgesamt 20 Mitarbeiter haben den offenen Brief an den Bürgermeister unterschrieben. Dieser wiederum meldete sich ebenfalls zu Wort. „Die Stadt steht voll und ganz zu der Einrichtung und den Kolleginnen und Kollegen im Haus mit allen damit verbundenen wirtschaftlichen Konsequenzen. Es gibt daher keine Insolvenzgefahr für die GmbH“, so Grüttemeier.

Auf der Betriebsversammlung am Mittwoch, 15. November, bei der auch Mitglieder des Rates der Stadt Stolberg anwesend sein werden, wollen die Mitarbeiter des Seniorenzentrums und der Bürgermeister noch einmal ausführlich Stellung beziehen.

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