Seniorenzentrum: „Geschäftsführung mangelt es an arbeitsrechtlichem Wissen“

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Im Seniorenzentrum „Auf der Liester“ rumort es derzeit innerhalb der Belegschaft. Foto: S. Essers

Stolberg. Über die Arbeitsbedingungen im Seniorenzentrum „Auf der Liester“ hatten sich in unserer Zeitung zuletzt Angestellte massiv beklagt und die Geschäftsführung entsprechend kritisiert. Am Mittwoch findet vor Ort eine Mitarbeiterversammlung statt. Zum Thema meldet sich auch die Gewerkschaft Verdi zu Wort.

„Der Geschäftsführung der Stolberger Einrichtung mangelt es an tariflichen und arbeitsrechtlichen Kenntnissen, sodass sich eine Zusammenarbeit mit dem für die Interessen der Beschäftigten zuständigen Betriebsrat äußerst schwierig gestaltet und deshalb nur schwer zu verbesserten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten führt“, betont Gewerkschaftssekretär Harald Meyer in einer Stellungnahme am Dienstag.

Harald Meyer will ebenfalls an der Mitarbeiterversammlung teilnehmen. In seiner Stellungnahme einen Tag zuvor blickt er auf die Vorgeschichte des Streits: „Durch das Engagement des Betriebsrates und mit Unterstützung von Verdi ist es im Jahr 2015 gelungen, erstmals eine tarifliche Bindung für die Beschäftigten der Einrichtung zu erreichen. Der neugewählte Bürgermeister und Rat der Stadt Stolberg befürworteten die Beendigung des tariflosen Zustands.“

Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sehe vor, dass im November eine Jahressonder-zahlung (umgangssprachlich oft als „Weihnachtsgeld“ bezeichnet) in Höhe von zur Zeit 82,05 Prozent des Entgelt gezahlt werde. Der TVöD schreibe für den Bereich der Pflegeeinrichtungen vor, dass von den Beschäftigten geleistete Überstunden in der Regel durch Freizeit ausgeglichen werden sollten. Spä-testens aber nach drei Monaten müssten Überstunden ausgezahlt werden, wenn die Beschäftigten dies verlangen.

Meyer: „Auf der vergangenen Betriebsversammlung haben die Beschäftigten das Thema Überstundenauszahlung angesprochen, nachdem mehrere Beschäftigte durch Verdi ihre Überstun-den geltend gemacht hatten. Die Geschäftsführerin, Gabriele Makola, und Bürgermeister Grüttemeier haben daraufhin gesagt, dass die Einrichtung insolvent wäre, wenn alle Beschäftigten die Auszahlung ihrer Überstunden fordern würden. Auch würde man die Auszahlung der Jahressonderzahlung gerne auf einen späteren Zeitpunkt Anfang des Jahres 2018 verschieben.“

Die Gewerkschaft Verdi habe sich bereits öffentlich über die Arbeitsbedingungen im Seniorenzentrum in Stolberg geäußert, so Meyer. Die Arbeitsbedingungen seien aufgrund des gesetzlich vorgegebenen Rahmens so katastrophal wie andernorts in der Pflege. Ohne verbindlich vorgegebene personelle Standards, die sich an den Bedürfnissen der zu betreuenden Menschen ausrichten und nicht an das von der Politik zur Verfügung gestellte Budget, könne eine Pflegekraft heutzutage nur noch ihre eigenen beruflichen Werte leben, wenn sie sich selber ausbeute.

Diese von den Beschäftigten erbrachte zum Teil freiwillige Leistungen (Überstunden auch ohne Verpflichtung, „Kommen aus dem Frei“) würden in der Stolberger Senioreneinrichtung von der Geschäftsführung nicht entsprechend gewürdigt.

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