Seniorenzentrum am Amselweg: „Wir fühlen uns im Stich gelassen!“

Von: Sonja Essers
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Diskussion um die Situation im Senioren- und Sozialzentrum auf der Liester. Nun schaltet sich auch der Betriebsrat ein. Man fühle sich im Stich gelassen. Foto: Sonja Essers

Stolberg. In der kommenden Woche findet im Seniorenzentrum auf der Liester die Betriebsversammlung statt. Vorab gab nun auch der Betriebsrat des Senioren- und Sozialzentrums eine Stellungnahme zur aktuellen Situation ab. Er kritisiert, dass es in der bisherigen Situation vor allem um die wirtschaftliche Situation des Hauses gegangen sei. Über die Arbeitsbedingungen allerdings nicht.

„Die Bedürfnisse der Bewohner, der Pflegekräfte und der Beschäftigten aller Berufsgruppen der Seniorenwohn- und Sozialzentrum Betriebsführungs-GmbH sollten nicht aus den Augen verloren werden“, ist in dem Schreiben zu lesen.

Betriebsklima verschlechtert

Nicht nur das Betriebsklima habe sich seit dem vergangenen Jahr rapide verschlechtert. Etliche Mitarbeiter hätten bereits gekündigt und die Zahl der Langzeitkranken sei aufgrund psychischer und physischer Belastungen gestiegen, so Bärbel Lechner, Elisabeth Wernerus und Elisabeth Jaeschke, die das Schreiben stellvertretend für den gesamten Betriebsrat unterzeichneten.

Vorwürfe machen sie vor allem Geschäftsführerin Gabriele Makola. „Überlastungsanzeigen häufen sich und werden von der Geschäftsführerin Gabriele Makola ignoriert!“ Pflegekräfte, die frei haben, können und wollen nicht mehr einspringen, da durch eine sehr knappe Dienstplanung, Ausfälle und das Einspringen der Mitarbeiter vorprogrammiert ist und die Mitarbeiter deshalb am Ende ihrer Kräfte sind. Die Mitglieder des Betriebsrates sprechen von einem Teufelskreis, der die Angestellten krank mache.

Diese Situation erschwere auch die Arbeit für den Betriebsrat. „Die Geschäftsführung behindert immer wieder die Betriebsratsarbeit. Ersatzmitglieder werden durch die Geschäftsführung und die Leitungskräfte oftmals nicht für die Betriebsratsarbeit freigestellt, obwohl sie wissen, dass alle 14 Tage mittwochs die Betriebsratssitzung stattfindet“, prangern die Mitglieder des Betriebsrates an.

Die Aussage Makolas, dass sie und Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier auf die Überarbeitung der Betriebsvereinbarung durch den Betriebsrat warten würden, sei falsch. Diese wurde mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi überarbeitet und liege der Geschäftsführung bereits vor. Allerdings warte man auf eine Überarbeitung durch Makola. „Die Aussage, dass eine Nichtauszahlung der Jahressonderzahlung in diesem Jahr und eine eventuelle Insolvenz nie zur Debatte standen, ist ebenfalls schlichtweg falsch“, heißt es in dem Schreiben.

In einem im Juni geführten Gespräch zwischen Grüttemeier und dem Betriebsrat sei erneut über die Jahressonderzahlung in diesem Jahr gesprochen worden. In diesem Zusammenhang sei auch über die Gefahr der Insolvenz gesprochen worden. Im Vorfeld habe auch Makola bereits erwähnt, dass die Zahlung der Sonderzahlung in diesem Jahr zur Gefahr der Insolvenz führen würde.

Auch auf der Betriebsversammlung im Juli sei dies von Grüttemeier und Makola gegenüber den Mitarbeitern so kommuniziert worden. Zudem hätte Makola auf einer Dienstbesprechung im Oktober davon gesprochen, dass die Jahressonderzahlung wahrscheinlich erst Anfang des kommenden Jahres oder in zwei Teilbeträgen Anfang des kommenden Jahres gezahlt werde.

„Die Angestellten des Seniorenwohn- und Sozialzentrums möchten auf die ihnen zustehenden Zahlungen nicht verzichten und wir als Betriebsrat werden darüber wachen, dass die tarifvertraglichen Bestimmungen eingehalten werden“, heißt es in der Stellungnahme.

In den vergangenen Wochen berichteten wir bereits darüber, dass weder die Heimaufsicht der Städteregion noch der Medizinische Dienst der Krankenkassen Beanstandungen im Seniorenzentrum ausgemacht haben. Das könne man so nicht hinnehmen, da man nicht die Möglichkeit bekommen habe, dies nachzuvollziehen. „Der letzte uns vorliegende Heimaufsichtsbericht datiert aus dem Jahr 2016. „Trotz unserer Bitte, uns zukünftig alle Heimaufsichtsberichte unaufgefordert zukommen zu lassen, erhielten wir diese nicht. Auch auf Anforderung der Berichte durch uns bei Frau Makola haben wir diese nicht erhalten, da laut Mitteilung der Geschäftsführerin keine vorliegen“, heißt es in dem Schreiben. Man wisse aber, dass in diesem Jahr Heimaufsichtsbegehungen stattgefunden haben.

„Schlag ins Gesicht“

Der Betriebsrat und die Beschäftigten fühlen sich vom Bürgermeister, der über die momentane Situation bei einem Treffen im Juni und auch in der Betriebsversammlung im Juli informiert wurde, momentan im Stich gelassen.

Auch von der Gewerkschaft Verdi fühle man sich im Stich gelassen. „Die Aussage, dass die Arbeitsbedingungen zwar katastrophal sind, dies aber in vielen Häusern ebenfalls der Fall ist, empfinden wir als Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen. Dies wollen wir so nicht hinnehmen! Warum kann man sich nicht an gut geführten Häusern orientieren?“ Dies seien jedenfalls keine Arbeitsbedingungen wie Angestellte sie hier vorfinden sollten.

„Wir wünschen uns für alle Angestellten des Seniorenwohn- und Sozialzentrums ein besseres Betriebsklima und bessere Arbeitsbedingungen, um die Pflege und die Bedürfnisse der Bewohner zu gewährleisten.“

Auf Anfrage unserer Zeitung betonte Grüttemeier noch einmal, dass es keine Insolvenz gebe und alle Mitarbeiter, die ihnen zustehenden Zahlungen pünktlich erhalten würden. „Das ist der wirtschaftliche Teil. Aber natürlich müssen wir weiter über die Arbeitsbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen, gerade im Bereich der Stationären Pflege, sprechen“, meinte er. Hierzu brauche man dringend eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene. Zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeits-, Pflege und Betreuungssituation im Sinne der Belegschaft sowie der Bewohner und deren Angehörigen appelliert Grüttemeier an alle Beteiligten, zukünftig weniger übereinander zu reden, sondern dazu, in gemeinsamen Gespräch zielführende Maßnahmen zu vereinbaren. „Ich bin überzeugt, dass wir die Mitarbeiterversammlung nutzen werden, um hier gemeinsam einen erheblichen Schritt nach vorne zu machen“, so Grüttemeier weiter.

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