Stolberg - Seniorenzentrum am Amselweg: „Beim Pflegeheim läuft alles nach Plan“

Seniorenzentrum am Amselweg: „Beim Pflegeheim läuft alles nach Plan“

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
15555989.jpg
Nachdem die Bodenplatte mit einer Teilgenehmigung gegossen wurde, liegt für den Neubau der Pflegestation auf der Liester die komplette Baugenehmigung vor. Die Arbeiten werden mit Hochdruck vorangetrieben, denn zum 1. August 2018 soll die neue Einrichtung den Betrieb aufnehmen können. Foto: J. Lange
15554443.jpg
Eingerüstet: Am 40 Jahre alten Haus am Amselweg läuft jetzt auch die Sanierung der Fassaden an. Foto: J. Lange
15554434.jpg
Tim Grüttemeier und Gabriele Makola sehen das Seniorenzentrum auf der Liester auf Kurs. Foto: J. Lange

Stolberg. Für das Seniorenzentrum auf der Lieser ist 2017 ein besonders markantes Jahr. Gabriele Makola hat vor einem Jahr die Geschäftsführung der Betriebsführungs-GmbH und Heimleitung des Hauses am Amselweg übernommen. Und auf der Liester macht der Neubau der Pflegestation sichtbare Fortschritte.

„Wir haben jüngst mit der GHS Immobilien GmbH als Investor den Bauzeitenplan noch einmal abgestimmt“, erklärt Tim Grüttemeier. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt der Bürgermeister und verweist auf den ambitionierten Fertigstellungstermin: Am 1. August 2018 muss Makola die Einrichtung mit 80 stationären Pflegeplätzen – zudem bietet der Neubau weitere 20 Plätze für die Tagespflege und zwei zwölfköpfige Wohngruppen – in Betrieb nehmen können. Denn am Vortag, dem 31. Juli 2018, entspricht die heutige Pflegestation am Amselweg mit 61 Plätzen nicht mehr den gesetzlichen Standards.

„Wir freuen uns schon auf die neuen Möglichkeiten und planen bereits die Einrichtung und Farbgebung“, sagt Makola. Farbe wird auch zum Thema beim Haus am Amselweg. An der nördlichen Fassade ist bereits das Gerüst aufgebaut, um den Beton zu sanieren und mit einem neuen Anstrich in hellen Erdtönen zu versehen.

Die 2. SI Verwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Bad Langensalza, die das Gebäude Anfang 2015 von der LEG erworben hatte, investiert rund zwei Millionen Euro in das 40 Jahre alte Gebäude. Die Betriebsführung ist bereits in die Räume der früheren Massagepraxis umgezogen. Wenn im nächsten Herbst das Pflegeheim auf das Gelände der früheren Propst-Grüber-Schule umgezogen ist, soll es in Wohnungen oder Wohngemeinschaften umgebaut werden.

Diese Investitionen am Amselweg sind nach dem Eigentümerwechsel auch der Grund, dass sich die städtische Betriebsführungsgesellschaft neben dem Pflegeheim vorübergehend nur auf die Hausmeister- und Verwaltertätigkeit für die rund 155 Wohnungen konzentriert. Die Mieten der Wohneinheiten auf den sieben Etagen, des SB-Ladens und der Garagen werden direkt vom Eigentümer eingenommen.

Überstunden in der Diskussion

„Das hat ausschließlich buchhalterische Gründe“, erläutert Grüttemeier. Und diese Regelung sei auch nur vorübergehend während der Neustrukturierung so vorgesehen. Für die Bewohner habe sich dadurch nichts geändert. Zum 1. Oktober 2021 wolle die Stadt das dann durchweg sanierte Gebäude wieder komplett anmieten und somit auch wieder als direkter Vermieter der Wohnungen auftreten.

2021 ist auch das Jahr, von dem an Gabriele Makola die Betriebsführungsgesellschaft wieder in die schwarzen Zahlen führen soll. „Das ist das klar definierte Ziel“, betont Grüttemeier. Über die letzten Jahre hinweg hat die Stadt die Betriebskosten des Hauses am Amselweg mit erheblichen Beträgen unterstützt. Aufgrund der Umstrukturierung und der neuen Pflegestation mit einem größeren Platzangebot soll das Seniorenwohn- und Sozialzentrum dann ab 2020 mindestens kostendeckend operieren können.

Mit nur 61 Betten im Pflegebereich sei das in der Immobilie Amselweg und vor dem Hintergrund der gesetzlichen Änderungen im Sommer 2018 nicht erreichbar gewesen, sagt Grüttemeier. Bereits seit vielen Jahren habe sich die Stadt um eine Erweiterung bemüht. Möglich wurde sie erst durch die Übernahme des Gebäudes durch die 2. SI Verwaltungsgesellschaft und die Investitionen durch die GHS Immobilien GmbH in den Neubau, der durch die Betriebsführungsgesellschaft wiederum angemietet und genutzt wird.

Prognostiziert für den Übergang sei ein steigender Fehlbetrag bei der Betriebsführungsgesellschaft, erklärt Grüttemeier. Eine Einrichtung, die absehbar geschlossen wird, sei kaum voll belegbar. Zudem sei das Angebot an Pflegeplätzen in der Kupferstadt in jüngster Zeit deutlich gestiegen. „Aktuell liegt die Auslastung der Pflegestation am Amselweg bei 72 Prozent“, so Gabriele Makola.

Nur etwa 44 der 61 Betten sind derzeit belegt. „Daraus resultiert der Fehlbetrag“, versichert Grüttemeier. Die ambulante Pflege des Hauses und die Immobilienverwaltung operieren mehr als kostendeckend. Der Wirtschaftsplan für dieses Jahr kalkuliert bei Ausgaben in Höhe von 3,5 Millionen Euro mit einem Fehlbetrag von 270.000 Euro, die die Stadt bereits in zwei Tranchen überwiesen hat. „Ob das reichen wird, wird sich noch zeigen“, sagt Grüttemeier und kündigt für die Dezember-Sitzung des Stadtrates einen aktuellen Sachstandsbericht mit Ausblick auf den Zeitraum bis 2020 durch die Geschäftsführerin an.

Sollte mehr Geld benötigt werden, werde werde es eine Lösung geben. Grüttemeier: „Der Stadtrat hat immer betont, den Betrieb sicherzustellen“, nimmt der Bürgermeister Stellung zu kursierenden Gerüchten über eine vermeintliche Insolvenz. „Davon kann keine Rede sein“.

Ebenso sei es unmöglich, dass Gabriele Makola neben der Geschäftsführung und Heimleitung auch die Pflegedienstleitung innehaben müsse. „Das ist in Personalunion gesetzlich gar nicht möglich“, sagt Grüttemeier. Und ganz bewusst habe Stadtrat die Geschäftsführung und Heimleitung von einer Halbzeit- auf eine Vollzeitstelle angehoben, um die schwierigen Jahre der Neustrukturierung des Hauses angemessen bewältigen zu können.

Ebenso bewusst habe die Stadt den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) im Seniorenzentrum eingeführt, der die Beschäftigten besser stelle als in vielen vergleichbaren Einrichtungen. „Und der TVöD besagt auch, das alle Sonderzahlungen, wie jetzt das Weihnachtsgeld, selbstverständlich geleistet werden“, betont Grüttemeier.

Vereinbarung vorgeschlagen

Der Tarif besage auch, dass Überstunden in Freizeit abzugelten sind und nicht ausgezahlt werden. „Eine Betriebsvereinbarung, wie Überstunden und Zeitkonten geregelt werden können, haben wir dem Betriebsrat vorgelegt und warten auf eine Antwort“, unterstreicht Gabriele Makola.

Das Niveau der Überstunden im Seniorenzentrum entspreche dem vergleichbarer Einrichtungen. „Auch angesichts einiger Langzeiterkrankungen können wir qualifiziertes Personal immer brauchen“, so Makola. „Über alle Entwicklungen stehen wir regelmäßig im Dialog mit dem Betriebsrat“, sagt die Geschäftsführerin.

Und auf einer weiteren Versammlung am 15. November werde die auch Belegschaft wieder über den aktuellen Stand informiert. Angesichts der dünnen Personaldecke im Hause sehe sich die Belegschaft jedoch überlastet, hieß es am Rande der Versammlung vor einigen Wochen. Dort wurden auch Sorgen zum Umgang mit den Überstunden laut.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert