Senioren lernen eifrig von Schülern

Von: Annika Kasties
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Will von der Technik nicht abgehängt werden: Seit drei Jahren liegt das Tablet bei Werner Dünnbier mehr oder weniger ungenutzt im Schrank. Jetzt will er sich endlich damit vertraut machen. Dabei hilft ihm der 15-jährige Schüler Chung Tran. Foto: A. Kasties
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Will den Kontakt zu ihren Enkeln nicht verlieren: Deshalb lässt sich Margot Lützeler von dem 15-jährigen Resul Dogan erklären, wie ihr Tablet funktioniert. Foto: A. Kasties

Stolberg. Dass der Tatort seine Zuschauer nicht mehr nur noch sonntagabends vor dem Fernseher erreicht, sondern – der Mediathek sei Dank – auch rund um die Uhr am Laptop und Tablet, das weiß Margot Lützeler bereits. Und allein damit hat sie vielen ihrer Altersgenossen einiges voraus. Was die 80-Jährige hingegen nicht weiß, ist, wie sie die Mediathek findet.

Dafür hat sie Resul Dogan. Der 15-jährige Schüler der städtischen Gesamtschule ist derzeit Lützelers Lehrer.

Zumindest für acht Wochen. Bis zum 1. März steht er jeden Mittwoch zwischen 10 und 11 Uhr für alle Fragen rund ums Tablet und darüber hinaus zur Verfügung. Dann steht nämlich „JuleA“ auf seinem Stundenplan, das generationenübergreifende Projekt „Jung lehrt Alt“. Dass dies so ist, dafür ist Benno Falkner verantwortlich. Der Mathematik- und Physiklehrer hat das Projekt, das bereits im Sauerland sehr erfolgreich an Schulen umgesetzt wird, nach Stolberg gebracht.

Die Grundidee lautet dabei wie folgt: Schüler der 9. und 10. Klasse schlüpfen in die Rolle des Lehrers und unterrichten Männer und Frauen im Alter über 50 Jahre im 1:1-Format in den Bereichen Computer-, Internet- und Handynutzung. 20 Schüler der Gesamtschule in Stolberg haben sich für das Projekt gemeldet.

Für sie ist es ein Ergänzungskurs, ein Angebot für all jene Schüler, die keine zweite Fremdsprache belegt haben, und auf diese Weise durch andere Fächer weitergebildet werden. Nach den acht Wochen erhalten die Schüler über ihre freiwillige Tätigkeit ein entsprechendes Zertifikat.

Das Ziel ihres Lehrers geht jedoch weit darüber hinaus: „Wir wollen mit dem Projekt die Schule wieder in die Gesellschaft zurückbringen“, sagt Falkner. Und darüber hinaus Generationen in einem Bereich verbinden, in dem die Älteren viel von den Jüngeren lernen können.

Der Ehrgeiz hat Margot Lützeler zumindest gepackt: „Ich will das endlich richtig können“, begründet sie ihren Entschluss, sich für das kostenfreie Angebot anzumelden. Sich den neuen Technologien zu verweigern, das komme für sie nicht in Frage.

Schließlich würde sie sonst den Kontakt zu ihren Enkeln verlieren. Ähnlich sieht das auch Werner Dünnbier.

Der 77-Jährige kommt nach eigenen Aussagen mit dem PC schon gut zurecht. „Wenn ich dann aber ein paar Tage nicht zu Hause bin, habe ich immer weit über 100 Mails im Postfach. Das ist zu nervig.“ Deshalb habe er sich vor drei Jahren ein Tablet gekauft. Benutzt habe er das mobile Gerät aber noch kaum. Bis jetzt. „Da mein Enkel jetzt sogar schon mit seinem Gerät spricht, will ich mich auch endlich damit vertraut machen“, sagt Dünnbier, während ihm der 15-Jährige Chung Tran zeigt, auf welche Felder er tippen muss, um seine Anmeldedaten bei Google zu aktualisieren.

Einen Tisch weiter ist Margot Lützeler bereits bis zum Facebook-Messenger vorgedrungen. Die App, mit der sich Nutzer des Sozialen Netzwerkes untereinander Nachrichten schicken können, war ihr bislang vor allem ein Rätsel. „Ich habe da neulich draufgeklickt und hatte plötzlich das Gesicht meiner Enkelin auf dem Display“, berichtet sie und lacht laut auf.

Auch Videoanrufe

Von ihrem „Schülerlehrer“ Resul Dogan weiß sie nun, dass man mit der App sowohl Nachrichten schreiben als auch Videoanrufe tätigen kann. Dass er der Rentnerin auf – für ihn – einfache Weise unterstützen kann, freut den 15-Jährigen.

„Wir wollen den älteren Menschen helfen, mit der Technik klarzukommen. Schließlich ist der Umgang für uns damit ganz normal.“

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