Selbstversuch: Plastikmüll kommt mir nicht in die Tüte

Von: Jessica Küppers
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Alles plastikfrei: Die Ausbeute meines Einkaufs in der Stolberger Innenstadt ist erfolgreich gewesen. Nur Heidelbeeren und Sahne habe ich bei meinem Selbstversuch nicht ohne Plastikverpackung in den Geschäften bekommen. Foto: J. Küppers
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Jessica Küppers hat den Selbstversuch gemacht. Beim Bäcker und beim Metzger war ihr Experiment erfolgreich. Foto: J. Küppers

Stolberg. Plastikfolie, Plastiktüte, Plastikdose – im Supermarkt gibt es mittlerweile nur noch wenige Lebensmittel, die nicht von Plastik umhüllt sind. Um den großen Mengen Plastikmüll entgegenzuwirken, haben viele Geschäfte ihr Tütenangebot deutlich eingeschränkt.

Auch im Europaparlament in Straßburg waren sie jüngst wieder Thema. Aber nicht nur auf die Plastiktüte verzichten, sondern komplett plastikfrei einkaufen, klappt das wirklich? Ich habe einen Selbstversuch in der Stolberger Innenstadt gemacht.

Heute Abend soll es Nudeln in Sahnesauce und Salat geben. Zum Nachtisch möchte ich Joghurt und Obst essen. Für dieses Menü kaufe ich in Stolberger Supermärkten ein – plastikfrei. Auf dem Einkaufszettel stehen Heidelbeeren, Äpfel, Bananen und Joghurt für das Dessert. Für den Hauptgang brauche ich Putenfilet, Nudeln, Sahne, Salat, Gurken und Brot. Lebensmittel, die regelmäßig auf meinem Einkaufszettel stehen. Für mein Experiment habe ich mich vorbereitet: Ausgerüstet mit Thermoskanne und Mehrweg-Plastikdosen ziehe ich los.

Zuerst steuere ich einen Bäcker und eine Metzgerei an. In diesen kleinen Geschäften rechne ich mir gute Chancen aus. Ich möchte die Verkäuferin überreden, das Plastik hinter der Theke zu lassen. Zaghaft frage ich nach, ob ich ihr meine Mehrwegdose geben dürfe, um Fleisch zu kaufen. „Klar“, sagt sie, „wir dürfen alles in Plastik oder Papier verpacken.“ Ein Glück, dass ich keine Glasbehälter mitgebracht habe, schießt es mir durch den Kopf. Ich bin erstaunt wie gut das klappt, bezahle und gehe zum Bäcker. Auch dort ist es kein Problem, mein Baguette ohne Tüte zu bekommen. Ich packe Fleisch und Brot in meine Stofftüte. Plastiktüten sind selbstverständlich für meinen heutigen Einkauf ebenso tabu.

Auf dem Weg zum Supermarkt treffe ich Andrea Gussen. Die Stolbergerin kauft regelmäßig ohne Plastik ein. „Ich achte zunehmend darauf, weil die Fische im Meer zu viel Plastik fressen“, sagt sie. Vor allem beim Käse und Aufschnitt an der Fleischtheke hat sie allerdings Probleme. Der Käse passe meistens nicht in die Dosen. Auch beim Kirschenkauf scheitert sie oft, weil der Barcode normalerweise auf die Tüte geklebt wird. „Es wird einem als Verbraucher schon sehr schwer gemacht, weil die Verkäufer das nicht dürfen“, bedauert die Stolbergerin. Warum so viel Plastik an den Lebensmitteln ist, begründet Christiane Preisen, Pressereferentin von Rewe, so: „Wir müssen Bio-Ware und konventionelle Produkte trennen und vor äußeren EInflüssen schützen.“

Das habe ich auch an der Fleischtheke des Vollsortimenters gemerkt. Mehrweg-Plastikdosen hat die Bedienung nicht angenommen. „Das geht aus hygienischen Gründen nicht“, erklärt Preisen. Die Ware muss stattdessen in Plastik und Papier verpackt werden. Es werde momentan an einer Lösung für das Problem gearbeitet, sagt sie. Im Gespräch sind zum Beispiel Banderolen und Aufkleber. Dadurch soll die Menge an Plastikmüll reduziert werden. Bis dahin könne ich die Verpackung selbstverständlich hinter der Kasse in den Behältern entsorgen, sagt die Pressereferentin.

Ich versuche mein Glück in einem anderen Supermarkt. Zunächst werfe ich einen Blick auf das Obst und Gemüseangebot. In jeder zweiten Kiste finde ich Plastik. Gurken umhüllt von Folie, Heidelbeeren in Plastikkartons, Salat in der Tüte. Besonders unsinnig erscheint mir die Verpackung der Bananen. Die Schale ist doch eigentlich der beste Schutz, den man sich für eine Banane wünschen kann. Wozu die zusätzliche Plastikhülle? Erst in der Bio-Ecke werde ich fündig. Bananen, Gurken und Äpfel kann ich von meiner Einkaufsliste streichen. Beim Salat wird es schon schwieriger.

Die meisten Salate sind rundum verpackt. Nur der Kopfsalat steckt zur Hälfte in einer Tüte. Ich wende mich an die stellvertretende Edeka-Marktleiterin Sabrina Wirtz. Sie erklärt mir, dass der Salat ohne Tüten angeliefert werde. Ihre Kollegen und sie würden die Salate später in Tüten stecken. „Er fällt sonst komplett auseinander“, sagt sie. Es sei aber kein Problem, ihn aus der Tüte herauszunehmen. Gesagt, getan.

Ähnlich funktioniert es auch beim Brot. Die Brote werden üblicherweise in Papiertüten verpackt, die mit einem Sichtfenster aus Plastik ausgestattet sind. „Das machen wir, damit die Kassierer sehen können wie viele Brötchen in so einer Tüte sind und nicht jede einzeln aufmachen müssen“, sagt die stellvertretende Marktleiterin. Einen Gang weiter entdecke ich Nudeln im Papierkarton, in der Kühltheke Joghurt im Glas.

Am Ende meiner Einkaufstour habe ich fast alles bekommen. Mein Einkauf hat zwar deutlich länger gedauert als normalerweise und die Auswahl ist beim Verzicht auf Plastik extrem überschaubar, aber ich habe das Gefühl bewusster eingekauft zu haben. Ein gutes Gefühl und eine Erfahrung, die mich mit Sicherheit bei meinen nächsten Einkäufen beeinflussen wird. Nur Heidelbeeren und Sahne habe ich nicht gekauft. Die Nudeln werde ich statt der Sahnesauce wohl in Olivenöl anbraten. Das ist sowieso gesünder.

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