Stolberg - Sekundarschule nicht mehr als „dauerhafte Ersatzhauptschule“?

Sekundarschule nicht mehr als „dauerhafte Ersatzhauptschule“?

Von: Dirk Müller
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Jürgen Focke sieht mit der Sekundarschule Probleme auf Stolbergs Bildungslandschaft zukommen. Foto: D. Müller

Stolberg. „Ich weiß nicht, ob ich Ihnen wirklich zu der neuen Sekundarschule in Stolberg gratulieren soll“, sagte Jürgen Focke gegen Ende seines Vortrags „Schulpolitische Entwicklungen in NRW“. Die CDU-Fraktion und die Junge Union hatten den Dortmunder Rechtsanwalt, der hauptsächlich als politischer Berater mit Schwerpunkt „Schule“ tätig ist, als Referenten für ihre gemeinsame Bildungsveranstaltung gewinnen können.

 Focke, der mit Klaus Markus das Buch „Neue Schule NRW – Schwerpunkt Sekundarschule“ verfasst hat, ließ in seinem Vortrag zunächst die Entwicklung der Schullandschaft und den Schulkonsens vom Juli 2011 Revue passieren, bevor er kritische Töne zur Sekundarschule äußerte.

Er veranschaulichte vorab das Prinzip der Schulform, an der alle Abschlüsse der Sekundarstufe I gemacht werden können und gymnasiale Standards gewährleistet werden. „Die Sekundarschulen sind verpflichtet, mindestens eine Kooperationsschule zu haben, an der die Schüler mit erlangter Qualifikation in der Oberstufe angenommen werden müssen, um dort Abitur machen zu können“, erläuterte Focke. Problematisch sei das Modell, wenn der Großteil der Schüler eine Hauptschulempfehlung habe, und Gymnasialempfehlungen kaum bis gar nicht vorhanden wären.

„Gesamtschule light“

In den Jahrgängen fünf und sechs werde binnendifferenziert und integriert, also im Klassenverband, unterrichtet. Ab dem siebten Jahrgang aber könne in mindestens zwei Bildungsgängen integriert, teilintegriert oder kooperativ unterrichtet werden. „In der teilintegrierten und kooperativen Form werden Klassen nach unterschiedlichen Anforderungsebenen oder schulformbezogen gebildet.“ Aber eine gymnasiale Klasse oder eine Erweiterungsebene, die sich an Realschule und Gymnasium orientiert, könne es nur geben, wenn auch genügend Schüler mit Gymnasialempfehlung vorhanden seien, gab Focke zu bedenken.

Er prognostizierte, dass die meisten Sekundarschulen in NRW integriert geführt und dadurch „Gesamtschulen light“ – Gesamtschulen ohne Oberstufen – werden würden. „Als ich gehört habe, dass Sie in Stolberg letztes Jahr eine Gesamt- und eine Sekundarschule aufbauen wollten, war ich sehr irritiert. Wenn man schon das Original einführt, ist es schwierig, gleichzeitig die ,Light-Version‘ zu etablieren“, sagte Focke.

„Hauseigene Konkurrenz“

Dass man in der Kupferstadt jetzt die Anzahl von 75 Kindern punktgenau erreicht habe und eine Sekundarschule aufbauen wird, sieht der Berater kritisch: „Ich fürchte, Ihre Sekundarschule könnte dauerhaft zu einer reinen Auffangschule werden, einer Ersatzhauptschule.“

Er verwies auf die „hauseigene Konkurrenz“ von zwei Gymnasien und einer Gesamtschule: „Die Schulen stehen untereinander im Wettbewerb um die Gunst der Schüler beziehungsweise deren Eltern. Um die Kinder mit Gymnasialempfehlung buhlen in Stolberg bereits drei funktionierende Wettbewerber, ein vierter wird dabei höchst wahrscheinlich auf der Strecke bleiben.“

Zwingend sei das Schicksal als „Ersatzhauptschule“ für die neue Schulform jedoch nicht, relativierte Focken: „Wenn eine Schule einen geglückten Start hinlegt und gut aufgestellt ist, dann kann sie dadurch überzeugen, was sie leistet, und sich etablieren.“ Wenn dies der Stolberger Sekundarschule gelinge, könnte dies eine andere negative Folge nach sich ziehen, so Focke: „Dann würde die Sekundarschule zu einer ernsthaften Bedrohung für Ihre letzte Realschule in Mausbach werden.“

Klarer Widerspruch

Fockes unverblümter Vortrag wurde von den anwesenden Christdemokraten weder stillschweigend noch einvernehmlich aufgenommen. Allen voran widersprach der CDU-Fraktionsvorsitzende Tim Grüttemeier klar Fockes Ansichten und Voraussagen: „Wir sind sehr stolz darauf, was wir in Stolberg geschafft haben“, sagte Grüttemeier und betonte, die Sekundarschule sei ein wichtiger Bestandteil des Schulentwicklungsplans der Kupferstadt und ein „vernünftiger“ Ansatz. Die Gesamtschule habe zuletzt 60 Kinder abweisen müssen, argumentierte der Fraktionsvorsitzende: „Wir wollen diesen Kindern künftig in Stolberg eine schulische Heimat und gute Bildungschancen bieten. Das werden wir mit unserer Sekundarschule können.“

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