Seit 50 Jahren Freunde fürs Leben

Von: Dirk Müller
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Dieter Welter (v.l.), Jacques
Dieter Welter (v.l.), Jacques Blees, Horst Blöhmer, Willi Kröcker, Hans Kurth und Herbert Dietrich, sechs der Freunde fürs Leben, lassen es sich auch an diesem Nachmittag gut gehen, reden und klönen miteinander - wie seit mehr als 50 Jahren. Foto: D. Müller

Stolberg-Büsbach. Bei duftenden Reibekuchen und Lachsbrötchen sitzen acht Herren am Montagnachmittag in der Gaststätte „Kiek in” in klönen, dass kein Auge trocken bleibt.

Man zieht einander liebevoll auf, erzählt den neusten Witz, greift spontan jeden sich anbietenden Kalauer auf. Kein Zweifel: Diese Männer haben Spaß - und das seit mehr als 50 Jahren.

Doch die Zeiten hätten sich geändert, flachst Hans Kurth: „Heute trinken wir natürlich Apfelschorle, wogegen wir früher nur Wasser getrunken haben.” Der Wahrheit zur Liebe ergänzt Dieter Welter: „Aber auch oft hochprozentiges Wasser.” „Heute wechseln wir uns bei den Getränkerunden ab, früher haben wir die Tanzpartnerinnen gewechselt”, scherzt Herbert Dietrich. Das ist nun nicht mehr nötig, denn die meisten der Herren, die sich alle 14 Tage zum Stammtisch treffen, sind längst in festen Händen.

Um die „hauseigenen Damen” bei Laune zu halten, veranstalten sie einmal im Jahr ein größeres Fest, mit allen aus der Clique und ihren Frauen. „Dann kommen wir schon auf etwa 30 Personen, die zusammen feiern. Wichtig ist nur, dass es allesamt ehemalige Gäste des ?Central Hotels sind”, beschreibt Jacques Blees. Denn im „Central Hotel”, das einst an der Eschweiler Straße lag, nahm die Freundschaft der Stammtisch-Brüder ihren Anfang.

Kurth war einer der ersten von den Freunden, die dort ein- und ausgingen, seit das Hotel mit Gaststätte 1958 eröffnet hatte. „Das war damals das erste Haus am Platz, und viele bekannte Sportler, Prominente wie Peter Orloff und auch die Tänzerinnen einer Eis-Revue verkehrten dort”, erinnert er sich.

Für die Gefährten sei es ein Ort der Begegnung gewesen, führt Welter aus: „Jeder von uns konnte alleine ins Central Hotel gehen, weil er wusste, dass man dort immer einen Bekannten trifft. Wir hatten meist eine tolle Stimmung und waren auch manchmal recht ausgelassen in unserer guten Laune.”

Deshalb habe es auch vorkommen können, dass die Gruppe bisweilen „richtig aufgedreht” hätten, und neue Gäste sich dann auf dem Absatz herumgedreht und mit den Worten „hier sind ja nur Bekloppte” das Hotel verlassen hätten.

Kreuzfahrten im Mittelmeer

Als das „Central Hotel” 1980 seine Pforten endgültig schloss, waren aus Bekannten Freunde geworden, und bis heute pflegen sie ihre Freundschaft, wenn auch der ein oder andere Weggefährte mittlerweile von ihnen gegangen ist. Sie unternahmen Kreuzfahrten im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, reisten mehrmals gemeinsam nach Mallorca. Und trafen sich regelmäßig zu ihrem Stammtisch in diversen Gaststätten der Kupferstadt. „Wir treffen uns immer noch, weil wir einander nie Geld geliehen haben - dazu hatten wir nämlich immer zu wenig”, scherzt Welter.

„Seit eineinhalb Jahren kommen wir jetzt alle zwei Wochen im „Kiek in” in Büsbach zusammen und fühlen uns hier sehr wohl. Wir sind auch froh, hier unseren Stammtisch abhalten zu können, da es heute schwierig ist, ein Lokal zu finden, die schon nachmittags geöffnet ist”, sagt Kurth. Dass man sich am Nachmittag treffe, sei Erfahrungswerten geschuldet: „Das ist reine Absicht, damit es abends nicht zu spät wird.”

Dietrich erläutert schmunzelnd einen weiteren Grund: „Wir bekommen alle zu wenig Rente, deshalb müssen wir uns schon nachmittags treffen.” Lachend pflichten die Anderen bei, und Welter erklärt, wenn überhaupt das Weltgeschehen thematisiert werde, dann nur, um darüber zu lachen, denn Humor werde groß geschrieben an dem Traditions-Stammtisch: „Wir kommen nicht zusammen, um über die Politik zu jammern. Wie früher im Central Hotel wollen wir einfach Spaß haben und die gemeinsame Zeit genießen.”
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