Seit 25 Jahren unterwegs von Rom bis an den Polarkreis

Von: Heike Eisenmenger
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„Ewiger Pilger”: Gabor Zsigmondi fühlt sich bei Schwester Maria Regina gut aufgenommen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Zweifall. Immer unterwegs zu sein, von einer Pilgerstadt zur nächsten zu wandern, und das Tag für Tag. Das ist das Leben von Gabor Zsigmondi.

Der gebürtige Ungar zieht seit einem Vierteljahrhundert von einem Wallfahrtsort zum nächsten. Eine eigene Wohnung hat der 61-Jährige nicht. Sein Zuhause sind die Klöster, Herbergen und Pfarrhäuser entlang seines Pilgerwegs.

Für das Karmelitinnenkloster in Zweifall war es keine Frage, den „ewigen Pilger” zu beherbergen. Drei Tage ist er hier, dann will er wieder fort. Seine nächste Etappe ist der Wallfahrtsort Mariawald. Anschließend geht es in Richtung Bayern. Von dort aus will Zsigmondi nach Italien, „dort ist es wärmer”, erklärt der Ungar im gebrochenen Deutsch.

Der Lebensstil dieses Mannes ist für manchen nur schwer nachzuvollziehbar. Gabor Zsigmondi hat keine Familie und lebt von der Hand in den Mund. 100 Euro Militärrente aus Ungarn, das ist sein monatliches Einkommen. Aber der 61-Jährige scheint glücklich zu sein, er hat das nötige Gottvertrauen, auf seiner Pilgerung Menschen zu begegnen, die ihm helfen. Mit einer Busticket, einem warmen Essen oder einem Quartier für die Nacht.

Über seine Vergangenheit erzählt er nicht viel. Nur, dass er früher in Ungarn als Grenzwächter und als Lokführer gearbeitet hat. 1975 flüchtete Zsigmondi nach Frankreich, schlug sich dort mit Hilfsarbeiten durch. Einige Jahre später ging er nach Italien. Dort startete der 61-Jährige seine erste Pilgerung nach Rom. Seither reiste er quer durch ganz Europa, bis hinauf zum Polarkreis.

Zsigmondi ist zufrieden. „Gott gibt mir die Ruhe, die ich brauche”, sagt er. Stolz holt der Ungar kleine, mit Plastik ummantelte Büchlein hervor. Er hat sie mit Heiligenbildern beklebt. „Da sind 600 Zeitungsartikel über mich drin”, erzählt Gabor Zsigmondi. Ein weiteres Büchlein quillt über mit Stempelbelegen, die seine 25-jährige Pilgerreise durch Europa dokumentieren.

Beim Treppensteigen zu der einfach eingerichteten, aber blitzsauberen Kammer ist nicht zu übersehen, dass ihm das Gehen Probleme bereitet. „Früher war ich mit dem Rad unterwegs, dann hatte ich vor fünf Jahren einen schlimmen Unfall”, erzählt Zsigmondi und umschreibt mit seinen Händen die 30 Zentimeter lange Prothese, die ihm damals in die Hüfte eingesetzt wurde. Mit dem Rad fahren kann er seit dem Unfall nicht mehr. „Zu Fuß bin ich unterwegs, wenn das Gelände eben ist, ansonsten nehme ich den Bus, die Bahn oder fahre Auto-Stopp.”

Angst davor, dass er krank werden könnte, hat Zsigmondi nicht. „Ich lebe gesund und bin immer viel an der frischen Luft. Darum habe ich auch keine Angst vor der Schweinegrippe - was für ein Unsinn ist das doch!”, meint er.

Es ist kurz vor Mittag. Schwester Maria Regina eilt in die Küche, um das Essen zuzubereiten. Nicht immer wird Zsigmondi so warmherzig aufgenommen wie in Zweifall. „Je größer die Anzahl der Brüder oder Schwestern, desto schwieriger ist es. Kloster mit kleinen Gemeinschaften sind unbürokratischer”, sagt er. Für die Ruhe und menschliche Zuwendung im Kloster ist der „ewige Pilger” dankbar.

Geschätzte 190000 Kilometer hat Zsigmondi auf seinen Pilgerreisen quer durch Europa bereits zurückgelegt. Und es sollen noch viele dazu kommen.
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