Seit 15 Jahren ganz nah dran an der Alemannia

Von: Michael Grobusch
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Freuen sich auf die Feier in Münsterbusch und die neue Saison: der STJ-Vorsitzende Dieter Lübbers (v.l.), sein Sohn Dennis und der zweite Vorsitzende Lou Suiker. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Wer wissen möchte, was die „Stolberger Tivoli Jonge“ ausmacht, der sollte einen Blick auf den aktuellen Fanschal werfen. „15 Jahre Leidenschaft und ehrliche Gefühle“ ist auf diesem zu lesen. Damit sind gleich zwei Dinge klargestellt: Bei „STJ“ geht es nicht nur um Fußball. Und der Fanclub des aktuellen Regionalligisten Alemannia Aachen besteht seit mittlerweile 15 Jahren.

Das soll Samstagabend in den Katakomben des Münsterbuscher Jugendheims gebührend gefeiert werden, wie der Vorsitzende Dieter Lübbers und sein Stellvertreter Lou Suiker im Interview verraten haben.

Die Alemannia hat eine unerwartet erfolgreiche Saison in der Regionalliga West gespielt. Sind die schlechten Zeiten mit drei Abstiegen und der Insolvenz damit endgültig vorbei?

Lübbers: Die schlechten Zeiten werden bei Alemannia nie vorbei sein (schmunzelt). Ich genieße es im Moment einfach, dass es wieder besser läuft. Sogar ich als alter Hase bin noch einmal euphorisch geworden angesichts der vielen guten Spiele vor allem zu Hause. Und wenn du selbst von Leuten, die nicht regelmäßig zum Tivoli gehen, gesagt bekommst, dass in Aachen wieder ein toller Fußball gespielt wird, dann werde ich direkt zehn Zentimeter größer.

Und so wird es weitergehen?

Lübbers: Ich sage dazu noch gar nichts und lasse mich überraschen. Wenn die berühmten 90 Tage vorbei sind, werde ich mich äußern. Damit bin ich in der Vergangenheit gut gefahren. In der vergangenen Saison habe ich nach 90 Tagen gesagt, dass wir eine gute Rolle spielen werden. Und so war es dann auch. Einige Mannschaften sind mit Blick auf die nächste Spielzeit noch schwer einzuschätzen. Meine Wunschvorstellung ist natürlich, dass wir so schnell wie möglich aus dieser vierten Liga herauskommen. Auf Dauer wird sich Alemannia Aachen die Regionalliga nicht leisten können.

Ein Aufstieg ist schwierig, wenn selbst der Meister nicht automatisch für die 3. Liga qualifiziert ist.

Suiker: Ich finde das eine absolute Sauerei. Dass es eine Liga in Deutschland gibt, in der der Meister nicht aufsteigt, kann eigentlich nicht sein. Wie bitter und pervers das ist, haben wir gerade erst am Beispiel von Borussia Mönchengladbach II gesehen. Deren Traum ist in der Verlängerung des Relegations-Rückspiels gegen Werder Bremen II geplatzt.

Die Stolberger Tivoli Jonge zählen zu den aktivsten Fanclubs der Alemannia. Welche Geschichte steckt hinter der Gründung?

Lübbers: Nach der Rückkehr in die zweite Liga ist im Jahr 2000 die Idee entstanden, aus einer lockeren Gemeinschaft heraus einen Fanclub zu gründen. Vier von den damals sechs Gründungsmitgliedern sind heute noch dabei, unter anderem unser Kassierer Peter Offermann. Ich bin vor zehn Jahren dazugekommen, Lou ein Jahr später.

Wie viele Mitglieder haben die Tivoli Jonge?

Suiker: Aktuell sind es 33, aber für unsere Sommerversammlung haben wir zwölf Neuanträge. Über diese wird dann traditionell einzeln diskutiert und abgestimmt. Schließlich möchten wir familiär bleiben und sicherstellen, dass in unserem Fanclub jeder jeden kennt. Lübbers: Besonders froh bin ich darüber, dass von den zwölf potenziellen Neumitgliedern zehn maximal 23 Jahre alt sind. Wir bemühen uns seit Jahren um jüngere Mitglieder und haben jetzt endlich Erfolg. Wenn man an die Zukunft des Fanclubs denkt, ist das sehr wichtig. Mein Sohn Dennis hat einen großen Anteil an dieser Entwicklung. Wir sind als Stolberger Tivoli Jonge viel in den sozialen Netzwerken unterwegs. Dort triffst du auch jüngere Interessierte.

Hat der Zulauf auch mit dem sportlichen Aufwärtstrend zu tun?

Suiker: Sicherlich. Aber viele Fans sind auch zu uns gekommen, weil es einfach Spaß macht. Im Laufe der Zeit hat sich eine ganz tolle Clique gebildet. Das war für viele sicher der Grund, auch in schlechten Zeiten zum Tivoli zu gehen.

Und diese Clique besteht nur aus Stolbergern?

Lübbers: Nein, Stolberger zu sein, ist kein Kriterium für eine Mitgliedschaft. Zu uns gehören Fußballfans aus Stolberg, Alsdorf, Eschweiler und der Eifel. Entscheidend ist, dass die Mitglieder menschlich zu uns passen und unsere Regeln respektieren.

Welche sind das?

Lübbers: Keine Gewalt, keine Pöbeleien und keine extremen Äußerungen und Ansichten, in welche Richtung auch immer. Das sind unsere Grundsätze auf dem Tivoli und auch bei den Auswärtsfahrten, die wir regelmäßig unternehmen.

Die Stolberger Tivoli Jonge sind dem Vernehmen nach bei fast jedem Spiel dabei.

Suiker: Wir bemühen uns in der Tat, zu jedem Auswärtsspiel mit einem Bus zu fahren. Das hat Dieter vor zehn Jahren eingeführt, dank seiner guten Beziehungen zu einem Busunternehmer. Zwischendurch war es manchmal etwas schwierig, die weiten Touren zu besetzen, weil wir eine Mindestteilnehmerzahl benötigen, um den Bus finanzieren zu können. In der vergangenen Saison war die Nachfrage aber wieder relativ stark. Lediglich bei drei Spielen haben wir auf den großen Bus verzichtet und sind auf Bullis und Autos umgestiegen.

Wer darf an Ihren Auswärtstouren teilnehmen?

Lübbers: Prinzipiell jeder, der sich anmeldet und sich mit unseren Regeln einverstanden erklärt. Wir haben sogar eine eigene Busordnung. Gerade in der letzten Saison haben sich viele Fans angeschlossen, die nichts mit unserem Club zu tun haben. Wir arbeiten bei der Organisation auch immer eng mit der Fan-Betreuung der Alemannia zusammen.

Im September 2011, wenige Stunden nach der Entlassung der Trainer Peter Hyballa und Eric van der Luer, gab es im Zinkhütter Hof eine von den Stolberger Tivoli Jonge organisierten Talkrunde mit einem zwischenzeitlich weinenden Erik Meijer. Haben Sie mit dem einstigen Spieler-Idol und Sportmanager noch Kontakt?

Lübbers (grinst): Ja, wir telefonieren und schreiben uns regelmäßig. Und wenn Erik bei Sky Quatsch erzählt, schreibe ich ihm eine SMS und bekomme in der Regel noch während der Sendung eine Antwort.

Nicht wenige Fans sehen Erik Meijer als einen der Hauptverantwortlichen für den Niedergang der Alemannia? Teilen Sie diese Meinung?

Lübbers: Nein. Ich sage dazu nur so viel: Erik Meijer ist immer da gewesen, wenn er gefragt wurde. Er hat sich weder für den Posten des Co-Trainers noch für den des Sportdirektors beworben. Er hätte vielleicht öfter mal Nein sagen sollen. Ich weiß, dass er immer noch sehr an der Alemannia hängt und auch in der Saison 2014/15 einige Spiele im Stadion gesehen hat. Noch vor kurzem hat er zu mir gesagt: „Ein Stück von mir wird immer schwarz-gelb bleiben.“

Am Samstagabend wird in Münsterbusch das 15-jährige Bestehen Ihres Fanclubs gefeiert. Was steht auf dem Programm?

Suiker: Wir haben mehr als 130 Zusagen und freuen uns riesig auf diesen Abend. Es wird einen professionellen DJ aus der Fanszene und zwei Live Acts mit Coversängerin Natascha und Carlos Cachafeiro geben. Und dann erwarten wir noch den Besuch einiger Spieler, die sich unmittelbar nach dem Testspiel gegen Dnipro Dnipropetrowsk in Mierlo auf den Weg nach Stolberg machen wollen. Die Tatsache, dass sie diesen Weg auf sich nehmen, zeigt, welch engen Bezug wir als Stolberger Tivoli Jonge zur Mannschaft haben. Und sie steht für den wieder hergestellten Kontakt zwischen Team und Fans. Diese Entwicklung ist neben den Spielen gegen Gladbach, in Essen und bei Viktoria Köln das eigentliche Highlight der vergangenen Saison.

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