Seelischer Beistand für Soldaten

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
Feldgottesdienst in der Kasern
Feldgottesdienst in der Kaserne: Es geht es um Überbelastung und darum, das Geschenk des Lebens auszupacken. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Sie umarmen sich und scherzen miteinander - Pfarrerin Sabine Reinhold und „ihre” Soldaten. Das Birkenkreuz ist aufgestellt, die Wiese frisch gemäht, der Regen hat aufgehört, rund 40 Soldaten haben sich versammelt.

Beste Voraussetzungen für einen Feldgottesdienst in der Donnerberg-Kaserne. Als Stabsfeldwebel Klaus Thiele über eine Box die kirchliche Musik ertönen lässt, kann der ökumenische Gottesdienst beginnen.

Es geht um Belastungen, die immer größer werden und auch am Feierabend nicht aufhören. Smartphones, Internet, ständige Erreichbarkeit, „das macht auch an Kasernenmauern keinen Halt”, betont Sabine Reinhold. Selbst belastbare Menschen würden einen Ermüdungsbruch erleiden, und das dürfe nicht sein. Schaffen und Ruhen laute die Devise.

Pfarrerin Reinhold: „Es klingt immer so, als ob ich es besser wüsste. Ich bin auch so ein Arbeitstier und damit kein gutes Vorbild. Mit einem Augenzwinkern kann ich sagen: Ich arbeite dran!” Die Theologin betont, dass es am Ende eines jeden Tages auch einen Abend gebe, „packt das Geschenk des Lebens aus”, appelliert sie an die Soldaten. Das Lied „Ich wollt, ich wär ein Huhn, und hätt nicht viel zu tun” zaubert den Teilnehmern am Ende des Gottesdienstes ein Lächeln auf die Lippen.

Familie und Dienst

Die gemeinsame Einkehr zu Kaffee und Kuchen gehört mit dazu, und dort ist auch immer Zeit zum gegenseitigen Austausch. Die Seelsorgerin der Standortgemeinde Aachen ist seit 2008 im Amt, zu diesem Zeitpunkt gab es erstmalig weibliche Verstärkung für die evangelische Militärseelsorge in den Kasernen der Region.

Der Schwerpunkt liegt auf dem „lebenskundlichen Unterricht”. Hier werden Themen besprochen, die mit dem Soldatenleben zu tun haben. Da geht es zum Beispiel um die Vereinbarkeit von Familie und Dienst, Stressbewältigung, Trauma und ethische Fragen, aber auch um Tod und Verwundung.

Zuständig ist Sabine Reinhold für die Donnerberg-Kaserne sowie in Aachen für die Körner-, Lützow- und Gallwitz-Kaserne. „Aber natürlich habe ich auch immer ein Ohr für die Militärangehörigen und ihre Familien”, stellt die 46-Jährige die Bedeutung der persönlichen Seelsorge heraus.

Die Dienststelle des evangelischen Militärpfarramtes Aachen II befindet sich ebenfalls in der Donnerberg-Kaserne, und so finden die Soldaten „für die kleinen und großen Fragen des Lebens und des Dienstes hier einen Gesprächspartner außerhalb jeder Hierarchie”, sagt Militärpfarrerin Reinhold.

Gleiches gilt natürlich auch für das katholische Militärpfarramt Aachen, wenngleich dort zurzeit Pfarrhelfer Marcel Beckers „die Stange hält”, da dort der Posten des katholischen Pfarrers seit fast einem Jahr unbesetzt ist.

Jeden Monat gibt es eine Messe, und „es darf keinem Soldaten verwehrt werden, zum Gottesdienst zu gehen, aber es besteht natürlich auch keine Pflicht”, erklärt die Seelsorgerin.

Kunibert Sack ist einer derjenigen, die regelmäßig zum Gottesdienst gehen. „Ich gehe auch draußen zur Messe. Mir bedeutet das viel, es gibt mir Halt”, sagt der Inspektionschef, der seit 38 Jahren Soldat ist. Was er besonders an den Andachten bei der Bundeswehr schätzt, ist, „dass eine gelebte Ökumene hier großgeschrieben wird”.

Die Umstrukturierung der Bundeswehr mit weniger Soldaten hat auch für die Militärseelsorge Konsequenzen. Die Zahl der Standortpfarrer verringere sich bundesweit von 200 auf 170, sagte der Leitende Militärdekan Armin Wenzel kürzlich dem Evangelischen Pressedienst.

Das Kirchenamt für die Bundeswehr in Berlin wies darauf hin, dass derzeit nur noch etwa 100 evangelische und 90 katholische Stellen besetzt seien. Die seelsorgerliche Begleitung sei angesichts dieser Zahlen aber auch bei Auslandseinsätzen nicht gefährdet, hieß es.

Etwa 60 Prozent der Soldaten gehören einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Angebote der Militärseelsorge richten sich auch an Nichtmitglieder.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert