„See you in Wallhalla”: Unkonventionell und einfach mitreißend

Von: Hans-Leo Recker
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Sie boten im Museum Zinkhütter Hof ein grandioses Festival der Stimmen: Katharina Wingen (v.l.), Kerstin Gieber und Isabella Prühs. Foto: H.-L. Recker

Stolberg. Zu einem grandiosen Festival der Stimmen wurde die Vorpremiere des Richard-Wagner-Opern-Highlights „See you in Wallhalla”, inszeniert von der Kammeroper Leipzig unter Dorina Hofmann in Zusammenarbeit mit der Musikschule Merz im Museum Zinkhütter Hof.

Das lag zum einen an der großen stimmlichen Substanz und musikalischen Ausdruckskraft der Sängerinnen Kerstin Gieber, Isabella Prühs und Katharina Wingen sowie der Pianistin Diana Jianu, zum anderen an der unkonventionellen und überaus lebendigen Gestaltung dieses Events. Denn die Protagonistinnen machten daraus eine abwechslungsreiche Hommage an die drei berühmtesten Bayreuther Primadonnen Birgit Nilsson, Astrid Varnay und Martha Mödl eingebunden in die Szenerie eines fiktiven unverhofften Zusammentreffs dieser großartigen Wagner-Sängerinnen.

Von Wieland Wagner eingeladen

Sie waren von Wieland Wagner eingeladen worden, mit der „Rheintöchter-Airline nach Wallhalla zu fliegen. Doch das Sturmtief „Wotan” erzwang einen längeren Aufenthalt auf dem Flughafen Leipzig. Das gab ihnen ausgiebig Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen und sich wahre Geschichten und Anekdoten aus ihrem Künstlerleben zu erzählen. Und für Kerstin Giebel als Birgit Nilsson, Isabella Prühs als Astrid Varnay und Katharina Wingen als Martha Mödl bedeutete dies, ihren großen Vorbildern gerecht zu werden und ihnen dabei ein Stückchen näher zu kommen.

Die Darstellung war, angefangen von der effektvollen Dramaturgie bis hin zur Requisite und Maske, voll gelungen. Da gab es so manche Szene voller Emotionen, die überraschte, aber auch nachdenklich stimmte, amüsante Dialoge und Erzählungen, die interessante Einblicke beispielsweise in den Festspielbetrieb von Bayreuth gewährten. Die Rivalität unter den Künstlerinnen wurde ebenso thematisiert wie ihre persönliche Einstellung zu neuen Inszenierungen, zu den Gagenverhandlungen, zu eigenen verrückten Angewohnheiten.

Doch allen gemeinsam war die uneingeschränkte Liebe zur Musik, die ihr ganzes Leben bestimmte. Vor allem dies verdeutlichten die jungen dramatischen Sopranistinnen mit ihren kraftvollen flexiblen Stimmen im hohen Maße. So Kerstin Gieber bei der Arie der Elisabeth „Dich teure Halle” aus „Der Tannhäuser” und der der Elsa „Einsam in trüben Tagen” aus dem „Lohengrin” sowie zusammen mit Katharina Wingen bei „Ortrud, wo bist du”, ebenfalls aus dieser Oper. Letztere bestach in der Arie der Erda „Weiche Wotan weiche!” aus „Das Rheingold”, in der der Brünhilde „Ewig war ich, ewig bin ich” aus „Siegfried” und durch den Vortrag von „Isoldes Liebestod”. Und Isabella Prühs glänzte mit den Arien „Du bist der Lenz”, „Schläfst du Gast” und „Höre mit Sinn” aus „Der Ring des Nibelungen”.

„Walkürenritt” zum Abschluss

Den Abschluss dieses Opernreigens bildete der „Walkürenritt”, aus dem das Terzett ein beifallumrauschtes Kabinettstück machte und das zur Freude aller als Zugabe wiederholt wurde.

Den schwierigen, umfangreichen Begleitpart meisterte Pianistin Diana Jianu in großartiger Weise, ebenso ihre solistischen Darbietungen der Liszt-Transkriptionen „Winterstürme” aus „Die Walküre” und des Abendsternliedes aus „Der Tannhäuser”.

Am Ende stimmte das Terzett das Wesendonck-Lied „Sag, welch wunderbare Träume” an, dokumentierte damit sein inniges Verhältnis zu den berühmten Primadonnen und bestätigte somit sein großes Anliegen, diesen weltbekannten Sängerinnen nachzueifern.
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