Sechs Mal pro Woche Training ist kein Problem

Von: Heike Eisenmenger
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Ehrgeizig und erfolgreich: Kunst- und Turmspringerin Nele Luffy nimmt am Wochenende an den Deutschen Meisterschaften teil. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Nele ist das Ganze ein bisschen peinlich: Dass die anderen Kinder im Schwimmbad Glashütter Weiher zu ihr hoch starren und sie im Mittelpunkt des Interesses steht, ist der Elfjährigen sichtlich unangenehm.

Aber kneifen kommt für Nele nicht in Frage, dafür ist das Mädchen zu gewissenhaft, braucht doch unsere Zeitung Bilder von ihrem Sprung aus knapp fünf Meter Höhe. Hockend nimmt sie die Ausgangsstellung ein, streckt die Beine, schießt kopfüber in die Tiefe und taucht wie ein Pfeil in das Wasser ein.

„Echt cool”, entschlüpft es einem schätzungsweise 14-Jährigen, der vom Beckenrand zuschaut. Solche Sprünge wie die von Nele bekommt man im Schwimmbad in Münsterbusch selten zu sehen. Es sind Trainingsbedingungen wie die in der Westhalle in Aachen nötig, damit Nele optimal trainieren kann. Nele ist Mitglied beim SV Neptun, trainiert dort am Olympia-Stützpunkt. Der Verein, bei dem auch drei ihrer vier Geschwister trainieren, hat schon viele namhafte Springer hervorgebracht.

Eine erfolgreiche Turmspringerin will die junge Breinigerin mit den geflochtenen Zöpfen auch werden. Sie ist auf dem besten Weg dahin: Gerade hat sich Nele für die Deutschen Hallenmeisterschaften der C-Jugend im Kunst- und Turmspringen sowie in der Kombination qualifiziert. Am Freitag wird es für Nele ernst, dann fährt sie mit ihrer Mutter nach Leipzig zu den Deutschen Meisterschaften, die bis zum Sonntag dauern. In den NRW-Kader ihrer Altersklasse hat es die junge Sportlerin bereits geschafft.

Nele ist ein eher stilles Mädchen. Ihr schüchternes Auftreten steht im Widerspruch zu dem, was sie sagt, was sie tut. In den wenigen Sätzen, die Nele von sich gibt, kommt ein starker Wille zum Ausdruck. Ein Wille, der sie sechs Mal in der Woche in die Westhalle nach Aachen treibt.

Neles Tag beginnt morgens ums sechs Uhr. Sie muss so früh aufstehen, damit sie rechtzeitig zum Unterricht in der St.-Ursula-Realschule in Monschau erscheint. Gegen Mittag kommt sie zurück, isst, macht sich gleich danach an ihre Hausaufgaben. „Zu ihren Hausaufgaben muss ich sie nie drängen; Nele weiß, dass wir nicht eher zum Training fahren, bis sie ihre Aufgaben gemacht hat, und wir sind mit ihren Noten sehr zufrieden”, stellt die Mutter klar. Trainingsbeginn ist um 16.30 Uhr. Bis das Kind nach zweieinhalb Stunden Hochleistungstraining zurück in Breinig ist, zeigt der Uhrzeiger bereits halb acht an.

Doch damit nicht genug: „Außerdem hat Nele einmal in der Woche Musikunterricht; jedes unserer vier Kinder lernt ein Instrument”, erzählt die Mutter stolz. Auf die Frage, ob ihr das straff gespannte Zeitkorsett nie zu viel werde, schüttelt Nele den Kopf. Dieser Frage stellt sich ihr nicht, in ihrer kleinen Welt dreht sich alles um den Sport. Und was ist mit ihren Freundinnen? Zum Spielen bleibt da doch kaum noch Zeit. „Meine Freunde sind im Verein”, sagt Nele.

Die sportlichen Aktivitäten der vier Kinder bestimmen den kompletten Tagesablauf der Familie. Es bedarf schon eines ausgeklügelten Fahrplans der Eltern, dass alle vier Kinder, die zudem lange Schulwege haben, rechtzeitig beim Training in Aachen sind.

Es ist aber nicht nur das Training: Ein Elternteil ist mindestens dabei, wenn ein Wettkampf ansteht. „Für die Kinder macht man das gern, als ich klein war, gab es so was nicht. Wenn ich mir Neles Tagesablauf anschaue, denke ich selber oft: Woher nimmt das Kind nur diese Power?”

Kraft braucht Nele vor allem bei den Deutschen Meisterschaften. Sie muss vom Ein- und Drei-Meter-Brett sowie von Turm (fünf Meter) springen. Angst oder Nervosität hat Nele nicht, „vielleicht am Anfang, da ist man hin und wieder mal ein bisschen aufgeregt”, erklärt Nele, die vom vielen Training einen äußerst muskulösen Körper hat.

Besonders stolz sind Neles Eltern darauf, dass ihre Tochter trotz Sehbehinderung so erfolgreich in ihrem Sport ist. „Nele hat im Nahbereich nur acht Prozent Sehleistung, was auch mit einer Brille nicht zu korrigieren ist. Im Turmspringen ist aber gutes Sehen, die visuelle Wahrnehmung, enorm wichtig, der Springer muss die Distanz zur Wasseroberfläche exakt einschätzen können”, schildert Nicole Weiden-Luffy das Problem. Nele hingegen sehe alles verkleinert, „aber dennoch kalkuliert sie die Entfernung richtig ein.” Im Unterricht werden die Arbeitsblätter für Nele in extragroßer Schrift kopiert, „und zum Lesen benutze ich eine Lupe.”

Ihr Ziel für die Deutschen Meisterschaft hat die Kleine klar vor Augen: „Ich hoffe, die 240-Punkte-Norm des Deutschen Schwimmverbandes beim Ein-Meter-Brett zu schaffen.” Bei der NRW-Meisterschaft ist Nele mit 234,60 Punkten ihrem Ziel sehr nahe gekommen. 240 Punkte ist ein Muss, um in den DSV-Kader aufgenommen zu werden.
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