Sebastian Lück hat ein „Überraschungsei” ersteigert

Von: Toni Dörflinger
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Bu Lück-Haus
Altes Geschäftshaus mit neuem Eigentümer: Sebastian Lück hat das frühere jüdische Textilhaus, Steinweg 65, ersteigert. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Als Überraschungsei bezeichnet Sebastian Lück den Erwerb des alten Wohn- und Geschäftshauses im Steinweg 65. Überraschungsei deswegen, weil der 21-Jährige vor dem Kauf, der das Ergebnis einer Versteigerung ist, nur die Fassade, aber nicht das Innenleben des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Objekts in Augenschein nehmen konnte.

Den Kauf der Katze im Sack hat Sebastian Lück, der von seiner Mutter Monika Lück - Besitzerin des Kupferhofes Rosenthal, eines Hotels an der Grüntalstraße und eines Restaurants an der Sonnentalstraße - unterstützt wird, bisher nicht bereut. „Das alte Anwesen besitzt eine gute Bausubstanz”, versichert Lück, der die Zukunft des auf zwei Etagen liegenden Geschäftslokals noch nicht festgezurrt hat.

„Denkbar wäre ein Ladenlokal oder ein Bistro für junge Menschen”, sagt der 21-Jährige, dessen Mutter Monika Lück den Erwerb nutzt, um mit den Eigentümern der leer stehenden Ladenlokale im Steinweg ins Gespräch zu kommen und auf diese Weise ein Konzept für die zukünftige Nutzung und Sanierung der vernachlässigten Objekte zu entwickeln.

Entstanden ist das alte, vom Baustil des Historismus gekennzeichnete Gebäude im Jahre 1899. Bauherr war der Anstreichermeister Wilhelm Jussen, der wie berichtet, noch ein Anwesen an der Rathausstraße besaß. Jussen hatte die Bauausführung dem bekannten Architekten Carl Peltzer übertragen.

Schon 1908 war das prächtige Haus, dessen Fassade von neoantiken Elementen geprägt wird, ein Standort des aus Wesel stammenden jüdischen Textilkaufhauses „Leyens & Levenbach”. Später ging das Gebäude in das Eigentum des in der Kupferstadt beheimateten jüdischen Kaufmanns Albert Emanuel über.

1936 wird als Eigentümerin des alten Geschäftshauses Elsa Jansen genannt, die laut einem im Stadtarchiv vorhandenem Briefbogens sich dem Verkauf von Textil- und Wollwaren sowie Konfektion widmete.

Vermutlich war Albert Emanuel inzwischen von den damaligen Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Herkunft enteignet worden. Jansen hat dann das alte Haus, das nach 1945 vorübergehend einen Lebensmittelladen der belgischen Armee beherbergte, bis 1958 geführt.

1958 wechselte das Gebäude erneut seinen Besitzer. Das Objekt wurde von dem aus Krefeld stammenden „Seidenhaus Erich Fister” erworben. Fister, der auch eine Niederlassung in Aachen betrieb, war zuvor schon ebenfalls am Steinweg geschäftlich tätig gewesen (heute Standort des Kaufhauses Victor).

Neben Stoffen verkaufte Fister nun im Hause Steinweg 65 auch Damen-Oberbekleidung. 1971 erhielt das auf zwei Etagen liegende Geschäft eine neuen Eingangsbereich. Das Erdgeschoss wurde zu einer Passage umgestaltet. In den 1980er Jahren wurde das Geschäftslokal von der Firma „Bonita-Moden” genutzt.

Nach „Bonita-Moden” beherbergte das alte Haus in den 1990er Jahren ein Geschäft des früheren Kölner Einzelhandelsunternehmens „Urban”. Der Discounter besaß ein Sortiment, das Bekleidung, Geschenk- und Schreibwarenartikel und kleinere Haushaltsgeräte umfasste.

Nach einem mehrjährigen Leerstand hat jetzt Sebastian Lück das historische Objekt übernommen. Außer einem Umbau beabsichtigt Lück eine fachgerechte Sanierung des im 19. Jahrhundert errichteten Gebäudes.
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