Schwermetall investiert 20 Millionen Euro

Von: Jürgen Lange
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Schwermetall investiert bis in den nächsten Sommer 20 Millionen Euro in die Modernisierung und Optimierung von Warmwalze, Gießerei und Endfertigung. Foto: J. Lange
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Auf Modernisierungskurs: die Schwermetall-Geschäftsführer Dr. Rolf Bünten und Dirk Harten (r.).
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1973 nahm Schwermetall die Produktion auf. Die über 250 000 m2 Betriebsfläche am Breinigerberg bieten Potenziale auch für die Zukunft.

Stolberg. „Es läuft“, sagt Dirk Harten. Es läuft ganz gut im Schwermetall Halbzeugwerk am Breinigerberg. Obwohl die Auftragslage derzeit etwas ruhiger ist. „Derzeit verspüren wir saisonbedingt eine etwas geringere Nachfrage“, verweist der Geschäftsführer auf die Ferien – vor allem auch auf die Urlaubszeit im südeuropäischen Raum.

Dort sind auch noch die Auswirkungen der Finanzkrise spürbar. Aber Dirk Harten und sein neuer Geschäftsführer-Kollege Dr. Rolf Bünten sind zuversichtlich, dass zum Ferienende die Nachfrage wieder deutlich anzieht.

Im vergangenen Geschäftsjahr, das bei Schwermetall bis Ende September datiert, „haben wir unsere Ziele und ein gutes Ergebnis erreicht“, bilanziert Harten. Doch Ende vergangenen Jahres war die Nachfrage sehr verhalten. „Unsere Kunden disponierten sehr vorsichtig.“ Zum Jahresbeginn zog das Geschäft kontinuierlich an, und „in den Monaten März bis Juli war die Auslastung erfreulich gut“ am Stolberger Standort mit einer Jahreskapazität von rund 190.000 Tonnen. Doch ebenso wie andere Betriebe aus der Metallbranche, insbesondere für Zulieferer der Automobilbranche, werden die Planungsszenarien immer kürzer. Bestellungen gehen kurzfristig ein und sind innerhalb weniger Wochen abzuarbeiten. Eine umfassende Lagerhaltung ist angesichts der Metallpreise zu kostspielig.

Einer der Gründe für die Tochter der Wieland-Werke AG und der Aurubis AG die Effizienz des Standortes in Stolberg im 40. Jahr ihres Bestehens weiter zu verbessern, um auf Kundenwünsche flexibel reagieren zu können. „In den vergangenen zwölf Monaten haben wir ein umfangreiches Investitionsprogramm erarbeitet“, erläutert Dr. Rolf Bünten. Die Umsetzung läuft jetzt an. 20 Millionen Euro investiert das Halbzeugwerk in die Modernisierung von Maschinen, Anlagen und in den Umweltschutz. Vier Projekte werden bis zum Sommer nächsten Jahres umgesetzt, Gießerei, Walzwerk und Endfertigung optimiert sowie durch den Bau einer neuen Halle Staubemissionen minimiert. Die Aufträge dafür werden derzeit vergeben, und auch die regionale Wirtschaft wird davon profitieren, sagt Dr. Bünten.

Profitieren wird Schwermetall auch von einer Entscheidung des Hamburger Mutterkonzerns. Europas größter Kupferproduzent hatte zum September 2011 mit der Übernahme der „Luvata‘s Rolled Products Division“ auch ein Werk im schwedischen Finspång übernommen. Zur Bereinigung von Überkapazitäten verlagert der Konzern einen Teil der dortigen Produktion derzeit ins niederländische Zutphen. Die Vorprodukte für die dortige Kühlerbandproduktion sollen dann aus der nur 230 Kilometer entfernten Kupferstadt geliefert werden.

Das hat positive Auswirkungen für Schwermetall. „Wir erwarten eine Absatzsteigerung um etwa zehn Prozent“, prognostiziert Dirk Harten. „Das ist schon ein kleines Werk“, freut sich Rolf Bünten auf die zusätzliche Herausforderung für die Produktion. „Deshalb wollen wir uns verstärken.“ Schrittweise soll die Belegschaft um zunächst bis zu zehn Mitarbeiter aufgestockt werden.

Mit aktuell 260 Mitarbeitern, etwa 35 davon im administrativen Bereich, ist Schwermetall nicht nur ein verlässlicher Arbeitgeber mit über viele Jahre hinweg konstanten Beschäftigtenzahlen, sondern auch ein Unternehmen, das auf eigenen Nachwuchs setzt. „Wir haben derzeit acht Auszubildende“, erläutert Dr. Bünten; fünf weitere fangen im September an – vier im Berufsgang Verfahrensmechaniker, einer als Industriekaufmann. Seitdem der technische Geschäftsführer 2001 zu Schwermetall gestoßen ist, hat er sich neben der Fortbildung der Belegschaft intensiv um die Qualität der Ausbildung bemüht. Kooperiert wird mit Prym, aber auch Lehrer der Aachener Hochschule vertiefen das Fachwissen der jungen Schwermetaller. Mit einer Ausnahme, der das Werk verlassen wollte, konnten alle Auszubildenden übernommen werden. Von einem Fachkräftemangel möchte Bünten aktuell noch nicht reden, aber er weiß um die zunehmenden Schwierigkeiten, geeignete Auszubildende für die „Schwermetall-Familie“ zu finden – eine Aufgabe, der er sich mit Akribie stellt. Die puren Zahlen sprechen eine klare Sprache bei der Berufswahl junger Menschen: Auf eine Stelle im kaufmännischen Bereich haben sich 200, auf vier Stellen im gewerblichen Bereich 30 Interessenten gemeldet...

An attraktiver Stadt interessiert

„Unsere Antennen sind geschärft“, sagt Dirk Harten zu jeder Nachricht aus der Debatte über Energiepreise. „Als energieintensives Unternehmen können wir unsere Vorprodukte nur herstellen und recyceln, wenn wir international wettbewerbsfähige Energiepreise haben.“ Die kupferbasierten Vormaterialien von Schwermetall werden für vielfältige Anwendungen in der Elektro- und Elektronik- sowie in Bauindustrie und Maschinenbau eingesetzt. Aus den tonnenschweren Bändern entstehen feinste Elemente etwa für Automobile, Smartphones, Medizintechnik oder Energieeffizienz. Ein Markt mit steigender Nachfrage, auch wegen des Nachholbedarfs in den Schwellenländern.

Rund 50 Prozent der auf dem Breinigerberg für die Produktion eingesetzten Rohstoffe stammen aus dem Wertstoffkreislauf. Um aus Schrott und Primärrohstoffen Halbzeug fertigen zu können, ist der Preis für Energie eine kostenintensive Größe: Über 100 Millionen Kilowattstunden Strom und über 90 Millionen Kilowattstunden Gas muss Schwermetall jährlich in der Kupferstadt investieren.

Ein Standort, den das Unternehmen zu schätzen weiß und an dem sich Schwermetall über das Betriebsgelände hinaus engagiert. „Wir haben ein sehr großes Interesse an einer attraktiven Stadt“, sagt Dirk Harten: „Wir möchten aber auch mit unseren Wünschen, Sorgen und Problemen ernst genommen werden“. Ein Miteinander von Stadt und Unternehmen sei in beiderseitigem Interesse unerlässlich. „Ich habe manchmal Zweifel, ob das hier immer so gelebt wird.“ Eine aktiv betriebene Wirtschaftsförderung sei aber ein wichtiger Baustein für eine attraktive Kupferstadt.

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