Schwermetall Halbzeugwerk: Mehr Aufträge, aber noch keine Entwarnung

Von: Michael Grobusch
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Der Eindruck täuscht: Beim Schwermetall Halbzeugwerk geht es derzeit wieder bergauf. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Dirk Harten bringt es unverblümt auf den Punkt: „Wir haben ein verdammt schwieriges Jahr gehabt”, blickt der Geschäftsführer zurück. Das (Geschäfts-) Jahr endet bei Schwermetall am 30. September, und wahrscheinlich war es sogar das härteste seit der Gründung 1972. .

Das Unternehmen ist zwar nur Zwischenhändler auf dem Weg vom Rohstoff zum Endprodukt, hat aber als Produzent von Vorwalzbändern aus Kupfer und Kupferlegierungen dennoch die volle Wucht der weltweiten Wirtschaftskrise zu spüren bekommen.

Die Aufträge brachen um bis zu 30 Prozent ein, mit 150.000 Tonnen wurde ein historisches Tief in der Produktion erreicht. In richtig guten Zeiten wurden in Breinigerberg bis zu 250.000 Tonnen im Jahr erreicht.

Diese Zeiten sind freilich lange vorbei, aber dennoch schöpft Dirk Harten neue Hoffnung. Es ist ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar. „Seit sechs Wochen verzeichnen wir eine deutliche Belebung”, berichtet der Geschäftsführer erleichtert, schränkt aber zugleich ein: „Ob es sich um eine nachhaltige und langfristige Entwicklung handelt, vermag noch niemand zu sagen.”

Immerhin: Die Kurzarbeit, die Schwermetall zum 1. März angemeldet und zwischenzeitlich auf sämtliche Abteilungen und alle 260 Mitarbeiter ausgeweitet hatte, ist derzeit ausgesetzt. Nun könnte es sein, dass sich dies im Dezember wieder ändert. Aber auch aus einem solchen möglichen Umstand will Harten keine verfrühten Schlüsse ziehen.

Wie in vielen anderen Unternehmen wird auch bei Schwermetall im Februar und März die entscheidende Weichenstellung für die Zukunft vorgenommen. Nach Aussage von Harten gibt es prinzipiell drei Optionen: weitere Kurzarbeit, eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs, oder ein Personalabbau.

„Was die Sicherheit der Arbeitsplätze angeht, sehe ich die Lage heute etwas entspannter als noch vor sechs Wochen”, betont der Geschäftsführer. Und er weist darauf hin, dass im Unternehmen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die qualifizierte Belegschaft vor betriebsbedingten Kündigungen zu bewahren.

So werden auch in den kommenden zwölf Monaten wieder rund fünf Millionen in den Standort investiert. Nachdem der überwiegende Teil des Geldes zuletzt in die Gießerei geflossen ist, soll nun mit der Modernisierung des Walzwerkes begonnen werden.

„Wir sind ein energieintensives Unternehmen, deshalb haben wir uns alle Verbraucher systematisch angeschaut”, berichtet Harten von einem weiteren erfolgreiche Mittel der Effizienzsteigerung. Was 2008 - vor dem Zusammenbruch der Finanzmärkte - angesichts der enorm gestiegenen Strompreise veranlasst worden war, erwies sich in Krisenzeiten als Segen.

„Wir haben einen kurzfristigen Nutzen erzielen können, ohne große Investitionen tätigen zu müssen.” Auch das hat dazu beigetragen, dass Dirk Harten trotz zwischenzeitlich dramatisch rückläufiger Auftragseingänge heute sagen kann: „Wir sind ein gesundes Unternehmen.” Und auch die Bilanz des Geschäftsjahres, die erst im Dezember veröffentlich wird, weist wohl positive Zahlen auf.

Die will sich der Geschäftsführer auch nicht von den weiter expandierenden Chinesen und dem harten Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt vermiesen lassen. „Qualität” und „Produktdifferenzierung” sind die Trumpfkarten, die Schwermetall als deutscher Hersteller im Auftragspoker mit den internationalen Wettbewerbern ziehen kann.

Und auch die Erwartung, dass Werkstoffe aus Kupfer und Kupferlegierungen - beispielsweise in der Automobilindustrie und Solarbranche - in Zukunft noch stärker nachgefragt werden dürften, sorgt für eine grundsätzlich positive Erwartungshaltung - und die Hoffnung, dass es sich bei dem Licht am Ende des Tunnels nicht nur um ein Strohfeuer handelt.
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