Schwermetall fährt Produktion um 25 Prozent herunter

Von: gro
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Geschäftsführer Dirk Harten setzt auf Kurzarbeit und hofft auf eine Wiederbelebung des Marktes.

Stolberg. Wenn selbst ein Branchenriese wie die Norddeutsche Affinerie (NA) aufhört, immer neue Rekorde zu vermelden und stattdessen auf die Euphoriebremse tritt, ist das ein deutliches Zeichen für das Allgemeinbefinden der deutschen Wirtschaft.

Zwar ist das am Donnerstag in Hamburg verkündete Defizit von 124 Millionen Euro im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 (siehe auch Wirtschaft) vornehmlich auf Bewertungseffekte und nicht auf das operative Geschäft zurückzuführen. Dennoch bleibt auch Europas größter Kupferproduzent von der weltweiten Krise nicht verschont.

Zu spüren bekommt das auch die Firma Schwermetall. Schließlich ist die NA mit ihrer 100-prozentigen Tochter Prymetall eine der beiden Hauptkunden des Werkes in Breinigerberg. Gleiches gilt für die Wieland-Gruppe, die wie die NA 50 Prozent der Anteile an Schwermetall hält - und ebenso wie Prymetall von Kurzarbeit betroffen ist.

Da trifft es sich gut, dass der NA-Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Drouven angekündigt hat, dass er ab dem zweiten Halbjahr - bei der NA beginnt dies im April - von einer „langsam einsetzenden Erholung” ausgeht.

Die kann Dirk Harten nur allzu gut gebrauchen. Zwar sieht der Geschäftsführer für den Erhalt der 260 Arbeitsplätze derzeit keine akute Gefahr.

Die auf einer Betriebsversammlung am Dienstag angekündigte Einführung von Kurzarbeit ist aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch bei Schwermetall schwierige Zeiten angebrochen sind, die dauerhaft nicht ohne Einschnitte überbrückt werden können.

Kurzarbeit „beste Möglichkeit”

Vier bis sechs Tage weniger werden die Mitarbeiter ab dem 1. März im Betrieb sein, wobei zunächst die Gleitstundenkonten leergeräumt und verbliebene Urlaubstage genommen werden müssen. „Deshalb sind auch nicht sofort alle Beschäftigten von der Kurzarbeit betroffen”, betont Harten.

Die Regelung, die der Geschäftsführer in einer außerordentlichen Betriebsversammlung als „die beste Möglichkeit, um Kosten zu sparen” eingestuft hat, gilt zunächst bis Ende des Jahres und auf Basis der neuesten Zahlen.

Demnach hat Schwermetall von Oktober bis Dezember 2008 rund 38.000 Tonnen Vorwalzbänder aus Kupfer und Kupferlegierungen und mithin rund 25 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum hergestellt. Im Februar scheinen sich die Aufträge und Mengen auf dem niedrigen Niveau des Januars einzupendeln.

Doch ob damit die Talsohle erreicht und ein möglicher Umschwung eingeläutet ist, lässt Dirk Harten offen.

„Wir stellen Vorprodukte her und sind weit vom Endkunden entfernt. Bekannt ist, dass derzeit an vielen Stellen Lagerbestände abgebaut werden. Danach müsste es eigentlich wieder eine verstärkte Nachfrage geben.”

Inwieweit allerdings die sonst üblichen Mechanismen des Marktes in dieser so ausgeprägten Krisensituation greifen werden, bleibt abzuwarten. Weil Abwarten alleine aber für die Unternehmen fatal wäre, werden auch bei Schwermetall Maßnahmen geprüft, die über die Reduzierung von Personalkosten hinausgehen.

In diesem Sinne kündigt Dirk Harten eine umfassende Prüfung von Energiesparmöglichkeiten an. „Außerdem stellen wir alle Investitionen auf den Prüfstand.”.

Nur gut, dass die Modernisierung der Gießerei inklusive eines Ofen-Neubaus bereits vollzogen und die dafür angesetzten fünf Millionen Euro bereits verausgabt worden sind.

Gut auch deshalb, weil Schwermetall neben der Krise eine weitere „Baustelle” im Augen behalten muss: Die Konkurrenz vor allem in China wächst.

„Dem müssen wir mit Qualität und Effizienz begegnen”, fordert der Geschäftsführer, der trotz aller Probleme erklärt: „Ich bin zuversichtlich, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.”
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