„Schutzhütte - Du bist nicht allein!”

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Du bist nicht allein: Bettina
Du bist nicht allein: Bettina Pütz, Michael Nagelschmitz, Richard Pütz und Petra Claßen (v.l.) bringen den Aufkleber, der Kindern und Jugendlichen signalisiert, dass sie hier Unterschlupf finden, an der Pizzeria in Mausbach an. Jetzt gibt es fünf „Schutzhütten” in Mausbach, darüber hinaus eine auf der Liester sowie eine weitere auf der Mühle. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Auf der Internet-Seite der freien Enzyklopädie „Wikipedia” heißt es: „Eine Schutzhütte, Berghütte oder Schutzhaus, in der Schweiz auch Hospiz, ist ein festes Haus oder eine Hütte in ansonsten unbebautem Gebiet, die zum Schutz vor Unwetter sowie als Übernachtungsmöglichkeit und als Stützpunkt dient.

Sie wird heute hauptsächlich für Wanderer und Bergsteiger errichtet, kann aber auch von verschiedenen Berufsgruppen genutzt werden.” Schutz vor Unwetter, wenn auch im übertragenen Sinne, möchte auch die private Initiative „Aachener Schutzhütte” bieten. Die Mitglieder dieses vor zwei Jahren gegründeten Vereins haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Not geratenen Kindern und Jugendlichen bei drohender Gefahr bekannte Rückzugsorte, „Schutzhütten”, zu bieten.

Es gibt laut Verein im alltäglichen Leben der Kinder viele Situationen, in denen sie Angst haben und Hilfe von Erwachsenen brauchen, zum Beispiel, wenn sie sich verlaufen haben, wenn sie sich - warum auch immer - nicht in die Schule oder nach Hause trauen, wenn es auf dem Schulweg, dem Nachhauseweg, auf dem Spielplatz oder an der Bushaltestelle zu Übergriffen oder Gewaltanwendung kommt.

Aber auch, wenn sie von ihren Mitschülern gemobbt, sie erpresst werden oder sich bedroht fühlen, „sind Kinder auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen. Nicht immer können die eigenen Eltern rechtzeitig informiert werden oder zur Stelle sein. Kinder sollen dann wissen: Sie finden Hilfe an der nächsten Ecke, nämlich mit Sicherheit da, wo groß und sichtbar unser Zeichen angebracht ist”, betont Bettina Pütz.

Gemeinsam mit ihrem Mann Richard und ihrer Schwester Petra Claßen ist sie an diesem Morgen sozusagen in Vereinsmission unterwegs, und zwar in Mausbach. Michael Nagelschmitz erklärt sich gerne bereit, aus seiner Pizzeria und Eisdiele eine „Schutzhütte” zu machen. Damit ist die Hand voll für Mausbach: Die rot-grünen Vereinslogos kleben jetzt an der Sonnen-Apotheke, Metzgerei Scholl, Praxis für Physiotherapie Cantelberg, WBC Computer und Pizzeria.

Schon eine beachtliche Zahl für einen Stadtteil. Zumal es, kaum gestartet, auch schon Kritik am Konzept des Vereins gibt, der mittlerweile mehrere Geschäftsleute in der ganzen Städteregion als Partner hat. Für den Kinderschutzbund sind die „Schutzhütten nur ein Stein im Mosaik der notwendigen Maßnahmen”, und Professor Ulrich Deller von der Katholischen Hochschule Aachen sagte in einem Gespräch gegenüber unserer Zeitung, dass „hier vor allem Angst geschürt wird”, man solle doch von jedem erwarten, dass er Kindern beistehe.

Davon lässt sich Petra Claßen, die in Stolberg die Werbetrommel für die Initiative rührt, nicht beeindrucken, und schon gar nicht unterkriegen: „Natürlich muss jeder helfen, aber wir sehen den Handlungsbedarf und wollen die Leute wachrütteln, wieder mehr Zivilcourage zu zeigen.”

Und Bettina Pütz fügt hinzu: „Wir wollen und können keine psychologische Hilfe leisten, sondern die Umwelt unserer Kinder ein Stück weit sicherer machen.” Beistand erhält der Verein dabei nicht nur von zahlreichen Geschäftsleuten sowie vom „Weissen Ring”. Die Initiative steht auch im Austausch mit dem Jugendamt der Stadt Aachen und hat inzwischen prominente Unterstützung auch aus dem politischen Raum - EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ist Schirmherr der „Schutzhütten”.

Für Michael Nagelschmitz jedenfalls ist es selbstverständlich, Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche in Not zu sein. „Der Aufkleber gibt eine zusätzliche Sicherheit: Hier kannst du rein, hier findest du Zuflucht”, betont der Gastronom. Man müsse ja auch nicht immer vom Schlimmsten ausgehen. Oftmals seien es auch die kleinen Ding wie das Pflaster für eine Platzwunde oder ein Anruf bei den Eltern wegen des vergessenen Hausschlüssels.

In Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten und Eltern werden die Kinder und Jugendlichen über die „Schutzhütten” informiert, und wer Partner werden möchte - Privatpersonen sind ausgenommen - kann sich an Petra Claßen wenden, 02402/7098375, E-Mail: schutzhuette-ac@gmx.de
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