Aachen - Schutzengel verjagt Hammertäter

Schutzengel verjagt Hammertäter

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Riesenglück im Unglück scheint die heute 16-jährige Schülerin aus Stolberg gehabt zu haben, die Ende Juni 2012 Opfer eines brutalen Überfalls im Hohlweg „Am Blankenberg“ wurde.

 „Ich lag schon auf dem Boden und wimmerte, als er nochmals mit dem Hammer ausholte“, berichtete die selbstbewusste Zeugin gestern vor dem Aachener Landgericht.

Sie habe gedacht „jetzt ist alles aus, jetzt sterbe ich“, als sie nach einem heimtückischen Hammerschlag auf den Kopf blutend am Boden des Weges lag. Das berichtete sie am Freitag dem Vorsitzenden der Jugendkammer, Richter Dr. Gerd Nohl. Doch da kam ihr Schutzengel in Gestalt eines Bekannten aus Stolberg um die Wegecke, der sie damit eventuell vor dem Tod bewahrt hat – ein purer Zufall.

Was genau war passiert? An jenem Sommerabend gegen 22 Uhr soll der jetzt vor der 1. Großen Jugendkammer wegen versuchten Mordes und schwerem Raub angeklagte Guido M. (18) der damals 15-Jährigen aufgelauert und sie mit einem Hammer in der Hand überfallen haben. Der Schlag war so kräftig, dass das Opfer sofort zusammensackte. „Ich dachte, ich bin gelähmt, habe plötzlich einen epileptischen Anfall“, erinnerte sie sich gestern. Die Erinnerung war noch recht genau, denn sie blieb während der Tat bei vollem Bewusstsein.

Der Angreifer habe ihre Tasche gewollt, „nimm sie dir!“, habe sie auf dem Boden liegend gesagt. Dann riss er die Handtasche über ihren Kopf an sich und wies die Weinende an, sie solle ab sofort ruhig sein. Dabei habe er drohend mit dem Hammer gefuchtelt und zum erneuten Schlag ausgeholt, gerade dann, als Zeuge Michael B. (20) um die Ecke bog. Der Täter flüchtete sodann „erschrocken“, wie sie im Beisein ihrer Eltern ausführte. Das war die Rettung – sie kam mit einem schweren Schädelbasisbruch davon.

Was dem 18-jährigen Aachener, der gestern die obige Tat und einen ähnlichen Überfall vom März 2012 bestritt, zum Verhängnis werden kann, sind erdrückende Beweise in beiden Fällen. „So viele Zufälle gibt es eher nicht“, ordnete Richter Nohl die Einlassung des Angeklagten ein und forderte den zumeist in Heimen und Pflegefamilien groß gewordenen jungen Mann auf, nochmals eingehend „in sich zu gehen“. So wurde beim ersten, ähnlichen Überfall im März eine ebenfalls erst 16-Jährige von hinten mit einem schweren Stein niedergeschlagen.

Das Mädchen war kurz nach 21 Uhr auf einem wenig belebten Weg in Stolberg unterwegs. Sie stürzte sofort hin, konnte aber schreiend und mit Tritten den Angreifer abwehren. Auf jenem Stein nun fand die Polizei DNA-Spuren des Angeklagten, der allerdings erst am 5. Juli, also eine Woche nach der zweiten Tat, festgenommen wurde. Die DNA des Angeklagten war im Polizeiregister, weil er Ende 2011 in eine Aachener Kindertagesstätte eingebrochen war und deswegen bereits verurteilt wurde.

Bei ihm fand man gleichfalls einen i-Pod, ein Gerät, den das zweite Opfer gestern zweifelsfrei als den ihren erkannte. Dieser MP3-Player war ebenso in der gestohlenen Handtasche wie ein als Schlüsselanhänger verwendeter „Schutzengel“. Einen solchen hatte man als Drittes bei dem Angeklagten gefunden, die Zeugin identifizierte ihn durch die Abnutzungsspuren sicher als den ihren.

Der Angeklagte gab für die belastenden Spuren Gründe an, die weder den Staatsanwalt, die Anwältin der Nebenklage noch den Vorsitzenden Richter überzeugten.

Zweifel an Darstellung

So sei der Stein auf einem Weg gefunden worden, meinte Guido M., auf dem er öfter gehe und „dort immer ausspucke“. Den i-Pod habe er im Gebüsch neben der Sparkasse gefunden und der Schutzengel-Anhänger sei überall erwerbbar. Zunächst hatte der 18-jährige angegeben, an dem Mittwochabend, als es zum versuchten Mord kam, mit seinem Freund seine neue Wohnung renoviert zu haben. Doch auch hier ergeben sich nach den Einlassungen des Freundes bereits bei der Polizei erhebliche Zweifel.

Der Prozess wird am 7. Januar im Aachener Landgericht fortgesetzt. Weitere Verhandlungstage sind für den 10. und 17. Januar terminiert.

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